Wirtschaft wächst im zweiten Quartal um 0,7 Prozent
US-Wachstumsrate auf niedrigstem Stand seit acht Jahren

Das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im zweiten Quartal 2001 vor allem wegen rückläufiger Investitionen so wenig gewachsen wie schon seit acht Jahren nicht mehr.

Reuters WASHINGTON. Der Wert der erwirtschafteten Leistung sei mit einer auf das Gesamtjahr hochgerechneten Rate von 0,7 Prozent gestiegen nach revidiert plus 1,3 (1,2) Prozent in den ersten drei Monaten dieses Jahres, teilte das US-Handelsministerium am Freitag in Washington auf Basis einer ersten Schätzung mit. Dies sei die niedrigste Wachstumsrate seit dem ersten Quartal 1993, als sie minus 0,1 Prozent betragen habe. Analysten hatten mit einem Wachstum von 0,9 Prozent gerechnet. Die Daten machen ihrer Einschätzung nach eine erneute Zinssenkung der US-Notenbank Fed noch wahrscheinlicher. Positiv stimme jedoch für die weitere Konjunkturentwicklung, dass das BIP nicht geschrumpft sei.

Die Investitionen sanken den Angaben zufolge um 13,6 Prozent nach minus 0,2 Prozent im ersten Vierteljahr. Die Konsumenten-Ausgaben seien mit 2,1 Prozent in geringerem Umfang gestiegen als im ersten Quartal (plus 3,0 Prozent). Das Wachstum hat in den USA seit Sommer 2000 stark nachgelassen, nachdem die Wirtschaft zuvor fast zehn Jahre lang geboomt hatte. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat in diesem Jahr den Leitzins schon sechs Mal um insgesamt 275 Basispunkte auf 3,75 Prozent reduziert, um dem schwachen Wachstum entgegenzuwirken.

Grünes Licht für Zinssenkung

Den Finanzmärkten signalisieren die Daten nach Einschätzung von Volkswirten eine baldige erneute geldpolitische Lockerung der US-Notenbank. "Für die Fed bedeuten die Wachstumszahlen grünes Licht für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte im August", sagte Astrid Adolfson, Analystin bei MCM Moneywatch in New York. Rezessionsgefahren sehen die meisten Volkswirte nach den Zahlen jedoch nicht mehr. "Die gute Nachricht ist das Plus vor den Zahlen. Wir haben eine Rezession vermieden und werden dies auch weiter tun", sagte Wayne Ayers, Chefvolkswirt von Fleetboston Financial. Das einzige Risiko seien weiterhin die Konsumenten.

Wegen zuletzt deutlicher Warnungen von Fed-Chef Alan Greenspan vor den Gefahren einer weiteren Wirtschaftsabschwächung erwarten alle 25 in der vergangenen Woche von Reuters befragten Primärhändler eine Zinssenkung um 25 Basispunkte am 21. August. Mit 18 Händlern prognostiziert die Mehrheit dann keine weitere geldpolitische Lockerung mehr.

Der Preis-Deflator, mit dem die Verbraucherpreise in den USA gemessen werden und der von der Fed als wichtiger Gradmesser der Inflation beobachtet wird, stieg nach Angaben des Handelsministeriums um 1,7 nach 3,2 Prozent im Vorquartal. Dies war der geringste Preisanstieg seit zwei Jahren.

Der Dollar reagierte auf die Daten kurzzeitig mit Kursverlusten. Der Euro kletterte zeitweise um ein Drittel US-Cent wieder über 0,88 Dollar, fiel dann aber wieder etwas zurück. Die US-Kreditmärkte zogen ebenfalls nur vorübergehend an. Die europäischen Aktienmärkte reagierten dagegen zunächst kaum. Die US-Börsen eröffnen erst um 15.30 Uhr MEZ.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%