Wirtschaften nach dem Terror
"Jetzt-erst-recht-Haltung imponiert"

Jürgen Kluge, Deutschland-Chef der Unternahmensberatung McKinsey & Company, über Wirtschaften nach dem 11.September.

Die Terroranschläge waren ein riesiger Einschnitt, eine Zeitenwende und für viele ein persönliches Trauma. Übergreifend sind mir drei Dinge wichtig. Erstens: Die Anschläge haben die beginnende Rezession verstärkt - die Krise wird länger dauern als gedacht. Das hat viel mit dem verloren gegangenen Optimismus zu tun. Das liegt aber weniger am 11. September als an den enttäuschten Hoffnungen des Internet-Booms und den Bilanzskandalen.

Zweitens denken Unternehmen heute mehr über Risikomanagement nach; über die Sicherheit der EDV oder ob es sinnvoll ist, nur ein zentrales Firmengebäude zu haben.

Drittens muss man sich fragen, wie die Architektur der Zukunft aussehen wird: Konkret, ob die Zwillingstürme wieder so hoch oder höher als bisher gebaut werden sollen oder ob man eine unempfindlichere Architektur wählt. Und abstrakter, ob man nicht die Architektur der Firmen in unempfindlichere Netzwerk-Organisationen ändert. Ich saß am 11. September in unserem Frankfurter Büro. Wir hatten eine Telefonkonferenz mit Kollegen in Washington, San Francisco und New York. Ein Frankfurter Kollege kam herein und stellte den Fernseher an. Dann sahen wir, was passiert war. Während wir noch diskutierten, brach plötzlich die Leitung in die USA ab. Wir versuchten sofort, die US-Kollegen per E-Mail zu erreichen - mit Erfolg: Es ging allen gut. Das Beispiel zeigt: Das dezentrale Internet ist weniger anfällig. Ich persönlich fühle nach dem 11. September eher Zorn und den Willen zum Weitermachen. Diese Jetzt-erst-recht-Haltung der Amerikaner hat mir imponiert. Auch dass das World Economic Forum in New York stattfand, war ein Statement für die Menschen in Manhattan. Ich bin gerne dorthin geflogen.

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