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Wirtschaftliche Erholung erst zum Jahresende

Der Auftragseingang im deutschen Verarbeitenden Gewerbe ist im Juli schwächer als erwartet ausgefallen und stützt die Erwartung von Analysten, dass vor dem vierten Quartal nicht mit einer konjunkturellen Trendwende zu rechnen sei.

rtr FRANKFURT. Teilweise rechnen die Experten sogar erst für Anfang 2002 mit einer Erholung. Die Orders seien im Juli preis- und saisonbereinigt um 1,4 % gesunken nach einem Minus von revidiert 2,4 (2,7) Prozent im Juni, teilte das Bundesfinanzministerium (BMF) am Donnerstag in Berlin mit. Analysten hatten im Schnitt nur einen Rückgang von 0,1 % zum Vormonat prognostiziert. Am Freitag wird das BMF Daten zur deutschen Industrieproduktion im Juli vorlegen. Analysten rechnen mit einem Schrumpfen des Produktionsvolumens.

Das BMF begründete den Rückgang vor allem mit weniger Orders aus dem Ausland sowie mit weniger Aufträgen aus Westdeutschland. "Im Berichtsmonat konzentrierte sich die Nachfrageabschwächung auf das frühere Bundesgebiet (-1,9 %), während in den neuen Ländern - nach starken Einbußen im Vormonat - diesmal ein Plus (+2,7 %) zu verzeichnen war", hieß es. Insgesamt stiegen die Inlandsbestellungen dem BMF zufolge um 1,1 %, während die Auslandsaufträge um 4,3 % zurückgingen.

Wachstumsbelebung im vierten Quartal

Analysten erwarten eine Erholung im vierten Quartal. Ulla Kochwasser von IBJ Deutschland sagte: "Die Frühindikatoren weisen auf eine konjunkturelle Stabilisierung in den kommenden Monaten und eine Erholung im vierten Quartal hin." Ähnlich äußerte sich auch Carsten Demski von der Bankgesellschaft Berlin. Christoph Hausen von der Commerzbank sagte: "Das Konjunkturbild bleibt unverändert: Wir rechnen im vierten Quartal mit einer deutlichen Wachstumsbelebung."

Einige Experten sehen die konjunkturelle Talsohle allerdings noch nicht erreicht. Lothar Hessler von HSBC Trinkaus sagte: "Die Zahlen bestätigen, dass wir den Boden noch nicht erreicht haben." Er fügte hinzu: "Wir haben eine leichte Verbesserung der Geschäftsklima-Indikatoren im Juli und August gesehen, aber wir erwarten den wirtschaftlichen Umschwung erst Anfang 2002."

Nach Einschätzung von Uwe Angenendt von der BHF Bank zeichnen die Daten ein realistisches Bild von der wirtschaftlichen Situation. Man müsse berücksichtigen, dass die Auftragseingänge im Mai wegen vereinzelter Großaufträge deutlich angestiegen waren. "Wir hatten ein hohes Niveau und sahen nun zwei Rückgänge in Folge. Die Zahlen entsprechen also wieder der Lage Deutschlands", sagte Angenendt. Der Analyst rechnet mit einer weiterhin schwachen Entwicklung: "In diesem Jahr wird das Wirtschaftswachstum in Deutschland aus unserer Sicht höchstens ein Prozent betragen." Im zweiten Quartal hatte das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal stagniert.

Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich Juni/Juli gegenüber April/Mai verringerten sich die Aufträge dem BMF zufolge um 1,0 %. Die Auslandsaufträge hätten wegen umfangreicher Großaufträge im Mai und Juni 2,0 % zugelegt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gingen die Neuaufträge im Juni/Juli um 2,0 % zurück. Auf Basis von Bundesbank-Daten ergibt sich für Juli nach Reuters-Berechnungen zum Vorjahr ein Minus von 4,4 % nach einem Minus von 2,4 % im Juni. Analysten hatten hier einen Rückgang um 2,5 % erwartet.

Für die Daten zur Industrieproduktion am Freitag erwarten Volkswirte im Schnitt einen Rückgang von 0,4 % zum Vormonat nach plus 0,1 % im Juni. Einer EU-Verordnung folgend werden die industriellen Hauptgruppen neu abgegrenzt. In Zukunft werde die Bezeichnung "Industrie" den Begriff "Verarbeitendes Gewerbe" ersetzen, teilte die Bundesbank mit. "Industrie" umfasst demnach die bisherigen vier Hauptgruppen Vorleistungs-, Investitions-, Gebrauchs- und Verbrauchsgüterproduzenten. Bei den Produktionsindizes werde die neue Hauptgruppe Energie eingeführt. Um die Vergleichbarkeit der Daten zu garantieren hat das Statistische Bundesamt nach eigenen Angaben die gesamte Zeitreihe bis 1991 zurückgerechnet. Unter "Produzierendem Gewerbe" werden dem Amt zufolge alle zur Industrie gehörenden Hauptgruppen sowie die neue Hauptgruppe Energie und das Bauhauptgewerbe zusammengefasst.

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