Wirtschaftliche Stabilisierung
Türkei und IWF vereinbaren Rahmenprogramm

Die Türkei und der Internationale Währungsfond (IWF) haben ein neues Rahmenprogramm vereinbart, mit dem die wirtschaftliche Stabilisierung des krisengeschüttelten Landes fortgesetzt werden soll. Die IWF-Kredite in Höhe von gut 6 Mrd. Dollar, die nach der jüngsten Finanzkrise des Landes eingefroren wurden, könnten schon bald wieder freigegeben werden.

rtr ANKARA. "Dieser Rahmen soll die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität wiederherstellen und den Prozess der Inflationsbekämpfung und der Haushaltskonsolidierung wieder aufnehmen", teilte der IWF am Montag in Ankara mit. Unter dem alten IWF-Programm zugesicherte Kredite im Volumen von gut 6 Mrd. Dollar, die nach der jüngsten Finanzkrise des Landes eingefroren wurden, könnten dem IWF zufolge schon bald wieder freigegeben werden. Der türkische Finanzminister Kemal Dervis zeigte sich zuversichtlich, nun zusätzliche finanzielle Unterstützung aus dem Ausland mobilisieren zu können. Die Märkte reagierten kaum auf die Ankündigungen.

Vor gut einem Monat hatte ein Streit in der Staatsspitze der Türkei die heimischen Finanzmärkte in Aufruhr versetzt. Unter dem Druck von stark gestiegenen Zinsen, Börseneinbrüchen und Kapitalflucht hatte die türkische Notenbank daraufhin den Wechselkurs der Lira freigegeben. Der IWF hatte zugleich seine Kredite an das Land eingefroren. Die ausstehenden Gelder in Höhe von 6,25 Mrd. Dollar sollen nach Worten eines IWF-Delegierten nun offenbar wieder freigegeben und womöglich zügiger bereitgestellt werden als bislang geplant. 1998 hatte der IWF mit der Türkei ein Stabilitätsprogramm vereinbart und dem Land Kredite in Höhe insgesamt 11 Mrd. Dollar zugesichert.

Neues Rahmenprogramm soll Bankensektor stabilisieren

Im Kern zielt das neue Rahmenprogramm nach IWF-Angaben darauf ab, den türkischen Bankensektor zügig zu stabilisieren und die Staatsbanken neu zu strukturieren. Darüber hinaus soll die Inflation durch entsprechende geldpolitische Maßnahmen mittelfristig auf maximal 2 % pro Monat gedrückt werden. Zudem soll die türkische Fiskalpolitik gestrafft werden, um einen Haushaltsüberschuss von 3,6 % des Bruttoinlandsprodukt zu erreichen. Schließlich fordert das Programm gesetzliche und regulatorische Schritte, um die Privatisierung voranzutreiben.

Die türkische Regierung hatte bereits in der vergangenen Woche angekündigt, die Privatisierung und die Banken-Kontrolle voranzutreiben. Dabei hatte sie unter anderem angekündigt, die Mehrheit an der türkischen Telekom-Gesellschaft Turk Telekom privatisieren zu wollen. Im Laufe des Montags will die Regierung weitere Reformschritte im makroökonomischen Bereich ankündigen.

Der türkische Wirtschaftsminister Dervis äußerte sich im Anschluss an die Gespräche zuversichtlich, zusätzliches Kapital aus dem Ausland mobilisieren zu können. "Jetzt habe ich die Hoffnung, dass wir auf ernste (zusätzliche) Finanzhilfe hoffen können. Dafür gibt es klare Anzeichen", sagte er. Die vom türkischen Ministerpräsidenten genannte Summe von bis zu 25 Mrd. Dollar wollte Dervis jedoch nicht bestätigen. Eine solch hohe Summe sei nicht zu erwarten und zudem nicht wünschenswert.

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