Wirtschaftliche Strukturreformen gefordert
Gute Aussichten für die Börse Mexiko

Mexikos Ölerlöse sprudeln, und die Zentralbank nutzt die Gunst der Stunde, um mit einem Bündel von Maßnahmen den Peso-Kurs zu stützen. Die Unternehmen verdienen besser als erwartet. Analysten wittern eine Aktienhausse.

MEXIKO-STADT. An der mexikanischen Börse herrscht gute Stimmung. Unerwartet gute Quartalsergebnisse der Standardwerte, der allgemeine Aufschwung nach Ende des Irak-Kriegs und positive volkswirtschaftliche Daten geben dem Kursbarometer IPC Auftrieb. Der wichtigste Index der Börse Mexikos hat allein im April knapp acht Prozent zugelegt, seit Jahresanfang sind es immerhin vier Prozent. Damit sind die Verluste des gesamten Vorjahres bereits ausgeglichen.

"Kurzfristig sind die Aussichten sehr gut", sagt Rodolfo Navarrete vom Investmenthaus Vector. Der Markt werde von den guten Quartalsergebnissen getragen, die Unternehmen wie América Móvil (Amx) oder der Medienkonzern Televisa vorgelegt hätten. Amx, das größte Mobilfunkunternehmen Lateinamerikas, konnte seinen Umsatz im ersten Quartal um 40 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern. Auch Televisa legte gute Zahlen vor, die auf hohen Einschaltquoten und verbesserten Werbeeinnahmen während des Irak-Kriegs basieren.

Die Phantasie der Analysten beflügelt derzeit besonders der Bausektor. Die Branche habe eine große Dynamik entwickelt, betont Navarrete. Staatliche Wohnungsbau- und Infrastrukturprogramme hätten den Bausektor allein im Februar um 5 % zum Vorjahresmonat wachsen lassen. Von dem Aufschwung profitierten vor allem die Papiere der nationalen Bauriesen ICA und Geo. Weiterer Liebling der Analysten ist der Einzelhandelsriese Walmex (Wal Mart de México). Das Unternehmen befindet sich auf Expansionskurs und will dieses Jahr mehrere Dutzend Geschäfte eröffnen.

Zum positiven Panorama trägt bei, dass die Volkswirte Mexiko dieses Jahr wieder ein deutliches Wachstum voraus sagen. Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,5 % zulegen wird. Vergangenes Jahr war das BIP nur um 1 % gewachsen. Zudem schwimmt Mexiko derzeit im Geld. Dank deutlich gestiegener Dollar-Einnahmen durch die hohen Ölpreise während der Irak-Krise sind die Devisenreserven auf den Rekordstand von gut 52 Milliarden Dollar gestiegen - Grund genug für die Zentralbank, von Mai an einen Teil der Dollar-Bestände zu verkaufen. So sollen die Kosten für die Vorhaltung der Devisen reduziert und zugleich der mexikanische Peso gestützt werden, der im vergangenen Jahr knapp 20 % gegenüber dem Dollar eingebüßt hatte. Nun verlieh alleine die Ankündigung des Dollar-Verkaufs durch die Zentralbank dem Peso Auftrieb.

Nach Auffassung aller Experten hängt die mittel- und langfristige Entwicklung der mexikanischen Börse entscheidend an der Entwicklung der US-Wirtschaft. "So lange unklar ist, wie sich das Wachstum in den Vereinigten Staaten entwickelt, lässt sich keine langfristige Prognose treffen", sagt Alejandro Garza, Anlageberater bei NSC Asesores. Über 80 % der Exporte Mexikos gehen an den Freihandelspartner USA. Das bedeutet: 20 % der mexikanischen Wirtschaftsleistung hängen vom Export in die USA ab.

Für Arturo Espinosa, Chefanalyst bei Santander, und NSC-Experte Garza hemmen nicht nur die unsicheren Wachstumsaussichten in den USA, sondern auch die fehlenden Strukturreformen in Mexiko und die Unsicherheit vor der Parlamentswahl am 6. Juli einen nachhaltigeren Aufschwung. Bis klar sei, ob die Partei des bürgerlichen Präsidenten Vicente Fox anschließend eine Mehrheit für die notwendigen Reformen des Arbeitsrechts und des Steuersystems sowie für die Öffnung des Energiemarktes erhalte, würden sich vor allem ausländische Investoren zurückhalten. Auch die internationale Ratingagentur Standard & Poor's mahnt die Umsetzung der Reformen an. Víctor Manuel Herrera, Mexiko-Direktor von S&P, sieht die guten Noten für Mexiko derzeit zwar nicht in Gefahr, langfristig aber sei eine Modernisierung unerlässlich, um auch langfristig als guter Schuldner eingestuft zu werden.

Je nach Entwicklung sehen die Analysten den IPC zum Jahresende zwischen 7 000 und 7 500 Punkten. Das wäre immerhin noch ein Plus von bis zu 18 Prozent gegenüber dem aktuellen Stand.

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