Wirtschaftlichen Erfolg mit Ökologie und Gerechtigkeit verbinden
Sauberer Profit

Nachhaltigkeit spielt in den Unternehmen eine immer größere Rolle. Investoren, Kreditgeber und die Gesellschaft sorgen für den nötigen Druck.

Groß, schwer und unhandlich waren sie einmal: die eckigen oder runden Waschmittel-Kartons. Geschichte! Heute gibt es hoch konzentrierte "Megapearls" in einer Packung, die bequem in eine Handtasche passt. Von der Erfindung profitieren alle: Der Verbraucher, der weniger tragen muss, Henkel - denn die eingesparten Rohstoffe schlagen mit vier Millionen Euro im Jahr zu Buche - und die Umwelt: Weil weniger Abfall entsteht und die Ressourcen geschont werden. Letztlich profitieren davon unsere Kinder und Enkel.

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, alle Ressourcen so effizient einzusetzen, dass auch künftige Generationen davon leben können. Doch stattdessen kostet das Einsetzen eines billiges Ersatzteils in ein Bügeleisen oder das Schneideblatt einer Heckenschere mehr als ein Neugerät. Der Kunde ärgert sich, es werden mehr Ressourcen und Energie verbraucht, und mehr Emissionen und Schrott entstehen.

Das kann auf Dauer nicht so bleiben. Zehn Jahre nach dem Umweltgipfel von Rio wird im September in Johannesburg erneut ein Weltgipfel auf "nachhaltiges Wirtschaften" pochen, also darauf, wirtschaftlichen Erfolg mit ökologischer Verantwortung und sozialer Gerechtigkeit zu verbinden.

In Deutschland noch kaum bekannt

Dafür sprechen nicht nur ethische, sondern auch ökonomische Argumente. Während in Deutschland der Begriff Nachhaltigkeit noch weitgehend unbekannt ist, ist in den Niederlanden, angelsächsischen Ländern und Skandinavien die Ansicht verbreitet, dass sich nachhaltiges Wirtschaften nicht nur ökologisch und sozial, sondern auch betriebswirtschaftlich auszahlt. Deshalb verstärken immer mehr Experten, institutionelle Anleger, Kleinanleger und Kreditgeber den Druck auf Unternehmen, nachhaltig zu denken.

Um Abfall und Emissionen zu verringern, haben Unternehmen in Deutschland bereits viel getan. Boden, Luft und Wasserqualität sind gestiegen. Doch Nachhaltigkeit ist mehr: Die heimischen, meist gesetzlich verankerten Umwelt- und Sozialstandards müssen konzernweit gelten. Kreislaufwirtschaft sollte auch in Entwicklungsländern angestrebt werden und Kahlschlag von Urwäldern sowie Kinderarbeit passé sein. Diesen Weg haben erst wenige Konzerne eingeschlagen. Das Argument der anderen: Zu teuer.

Eine führende Rolle beim Umweltschutz schwäche Deutschland im internationalen Wettbewerb nicht, betont hingegen der Umweltrat der Bundesregierung. Im Gegenteil: Der globale Handlungsdruck werde steigen, und dann lohne es sich auch wirtschaftlich, Vorreiter gewesen zu sein, meinen die Wissenschaftler.

Grundsatz-Entscheidungen sind gefragt

Den Übergang zu nachhaltigem Wirtschaften beschreibt Gerard Keijzers, Professor an der Universität Nyenrode: "Die Phase, in der wir wussten, was konkret zu tun ist, ist vorbei. Jetzt kommt der schwierige Teil: die nachhaltige Nutzung von Energiequellen, Raum und Ressourcen sowie der Erhalt der Biodiversität. Diese Phase verlangt grundsätzliche strategische Entscheidungen zwischen verschiedenen Richtungen sauberer Technologien."

Ein Beispiel: Man ist sich über die Notwendigkeit nachhaltiger Energieproduktion einig, doch ist Wind-, Sonnen- oder Biomasse-Energie die beste? Wann und wie stark muss man umstellen? Wie ändern sich gesetzliche und steuerliche Rahmenbedingungen? Solche Unklarheiten bürgen große Risiken sowie die Unsicherheit, ob der Konkurrent nicht die bessere Wahl treffe, sagt Keijzers.

Weil es bei Nachhaltigkeit um den gesamten Produktlebenszyklus geht, ist die Kooperation mit Zulieferern, Wissenschaft, Interessengruppen, Handel und Staaten unerlässlich. Wie, zeigt Unilever: Der größte Weißfischverarbeiter der Welt drängt mit dem World Wide Fund for Nature die Zulieferer, Fisch nachhaltig zu fangen, und den Handel, nachhaltig hergestellte Produkte anzubieten. Nur so können sich stark gefährdete Meerestier-Populationen erholen. "Nachhaltiges Wirtschaften sichert die Lebensgrundlage des Menschen und garantiert die Lebensfähigkeit unseres Konzerns", erklärt Unilever-Chef Antony Burgmans. Rating-Agenturen und Anleger honorieren das, auch wenn es keine exakte Kosten-Nutzen-Analyse gibt.

"Nachhaltiges Wirtschaften ist ein Gebot wirtschaftlicher Klugheit", urteilt Paschen von Flotow, Leiter des Instituts für Ökologie und Unternehmensführung an der European Business School. Ganz einfach, weil nachhaltiges Denken Potenziale zur Kostensenkung und Differenzierung eröffnet und dadurch die Rendite steigert.

Beispiel Megapearls: Sie sparen nicht nur Ressourcen, sondern helfen, sich von der Konkurrenz abzuheben. Das gilt auch für den Klebestift Pritt. "Wäre der nicht lösemittelfrei, hätten wir nicht diese starke Marktstellung", sagt Henkel-Chef Ulrich Lehner. Dem Konzern hat die Nachhaltigkeit genutzt: Der Umsatz ist seit 1992 um 80 Prozent und der Gewinn um mehr als das Zweieinhalbfache gestiegen.

Firmen zum Umdenken zwingen

Andere Großkonzerne wie BASF, BMW, DuPont, Ford, Philips oder Siemens nennen neben der ökologischen und sozialethischen Notwendigkeit als ökonomische Vorteile der Nachhaltigkeit: Kostensenkung, Effizienzsteigerung, raschere Produkt-Innovationen, Risikominderung, Imageverbesserung, Wertsteigerung für Marken sowie mehr Attraktivität auf Personalmärkten. Hinzu kommen ein besserer Zugang zum Kapitalmarkt.

Institutionelle Anleger und Kreditgeber berücksichtigen immer öfter Nachhaltigkeitskriterien. Sie werden die Firmen zum Umdenken zwingen, meinen Analysten und Unternehmensberater. "Mittelfristig sind nur die erfolgreich, die eine nachhaltige Wertsteigerung verfolgen, denn kurzfristige Wertzuwächse belohnen Finanzmärkte auch nur kurzfristig", betont Clemens Börsig, Deutsche Bank-Vorstand und Präsident der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft.

Bei Banken wie ABN Amro, Deutsche Bank, ING und Rabobank spielt Nachhaltigkeit auch bei der Kreditvergabe eine Rolle. Denn zunehmend werden die Banken von Privatkunden und Öffentlichkeit für das Handeln ihrer Geschäftskunden zur Rechenschaft gezogen. ABN Amro geriet mehrfach ins Kreuzfeuer der Kritik, weil sie umweltbelastende Industrien finanziert hatte, und führte daher Nachhaltigkeitskriterien bei der Kreditvergabe ein.

Und bei nachhaltigen Anlagen ist ein Boom zu beobachten. "Deren Performance übertrifft die gewöhnlicher Investments deutlich", betont Andreas Knörzer, Direktor der Schweizer Bank Sarasin. Sie verwaltet 1,7 Milliarden Euro nach nachhaltigen Kriterien. "Die Aufnahme von Unternehmen in Nachhaltigkeitsfonds und-Indices wird immer wichtiger, ergänzt Analyst Smith.

Weitere Informationen im Internet:
www.nachhaltig.org
www.fabrikderzukunft.at

Quelle: Handelsblatt

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