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Wirtschaftlicher Erfolg durch sportliche Ausgeglichenheit

Die reichste Sportliga der Welt startete vor zwei Wochen in die neue Saison. Die Profiklubs der amerikanischen National Football League (NFL) kassieren insgesamt 2,2 Milliarden Dollar allein an Fernsehgeldern.

Hauptgrund, warum die NFL so erfolgreich vermarktet wird, ist ihre sportliche Ausgeglichenheit. Beinahe alle Spiele sind spannend, Ergebnisse daher kaum vorherzusagen. So qualifizierten sich in den vergangenen fünf Jahren 16 verschiedene Teams für die Play-Offs-Halbfinals. Nur einem einzigen Team (Denver Broncos) gelang es in der vergangenen Dekade, seinen Meisterschaftstitel auch zu verteidigen.

Die Ausgeglichenheit hat mehrere Gründe, liegt aber vor allem an rigorosen (Selbst-)Beschränkungen der einzelnen Klubs: Die Vereine dürfen jeweils bis zu knapp 70 Millionen Dollar für Spielergehälter ausgeben. Zudem wird die Liga zentral vermarktet und das Fernsehgeld an alle Teams in gleicher Höhe ausgeschüttet. Eine Kluft zwischen arm und reich, wie sie etwa bei den Basketball-Kollegen von der NBA existiert, gibt es nicht. Die Liga hat zum großen Teil erreicht, wovon andere Profi-Ligen nur träumen: Der Gewinn der Liga wird maximiert, nicht der Gewinn der einzelnen Klubs zu Lasten seiner Konkurrenten. Die wirtschaftliche Freiheit der Klubs wird zugunsten der sportlichen Ausgeglichenheit eingeschränkt - wohl mehr als in allen anderen Profiligen. Die anderen drei großen Sportarten in den USA - in denen die Vorschriften weniger strikt sind - sind in ihrer Popularität hinter die Footballer zurückgefallen.

Es ist klar, dass man die amerikanischen Verhältnisse nicht eins-zu-eins auf europäische Profiligen übertragen kann. Vereinsstruktur, Eigentümerverhältnisse, Auf- und Abstiegsregelungen unterscheiden sich fundamental. Dennoch kann der Blick über den Großen Teich erhellende Erkenntnisse bringen: So wettbewerbsrechtlich bedenklich eine Zentralvermarktung der Fernsehrecht von Bundesliga oder Champions-League sein mag, so sportlich sinnvoll scheint sie zu sein. Natürlich generieren Vereine wie Bayern München, Borussia Dortmund und Schalke 04 höhere Einnahmen als ihre Konkurrenten in Wolfsburg oder Cottbus.

Daher ist es nur zu verständlich, wenn die Vertreter der großen Klubs sich immer mal wieder für eine Einzelvermarktung der TV-Rechte aussprechen. Dennoch ist es richtig, dass alle Vereine in der Bundesliga ähnlich hohe Summen aus der Fernsehvermarktung erhalten. Der aktuelle Tabellenplatz und die Platzierung zum Ende der letzten Spielzeiten werden zwar auch miteingerechnet bei der Umverteilung, jedoch nur in geringem Maße. Denn auch die Vereine mit vielen Anhängern sollten langfristig ein großes Interesse daran haben, dass die Bundesliga nicht durch Insolvenzen ärmerer Klubs beeinflusst wird und halbwegs ausgeglichene Mannschaften für spannende Spiele sorgen.

Mit der neugegründeten Deutschen Fußball-Liga (DFL) hat die Liga eine Basis gelegt, um sich gemeinsam besser und unabhängiger vom Verband vermarkten zu können. Die Liga-Homepage www.bundesliga.de, auf der sich Fans unter anderem Live-Radio- und Video-Sequenzen aller Spieltage der laufenden Saison anhören und anschauen können, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Weitere sollten Folgen.

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