Wirtschaftlicher Nutzen umstritten
Diesel oder Benziner?

Auf der nach Ausstellern weltgrößten Automobilschau rückt in diesem Jahr ein alter Stammtisch-Streit in den Mittelpunkt des Interesses: Diesel oder Benziner.

HB FRANKFURT. Unter anderem Mercedes-Benz, BMW, Volkswagen und Opel haben zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) angekündigt, künftig auch Fahrzeuge mit einem Rußpartikel-Filter anzubieten. So wollen sie dem Schmuddel- Image der Diesel-Fahrzeuge begegnen. Umweltschützern geht das nicht weit genug, sie fordern wie Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) den serienmäßigen Einbau von Rußfiltern bei allen Diesel-Modellen. Und auch wenn der Diesel in den vergangenen Jahren seinen Marktanteil immer weiter ausbauen konnte, ist der wirtschaftliche Nutzen für den Autofahrer in vielen Fällen noch immer strittig.

Für Aufsehen sorgte im Juli eine Warnung des Umweltbundesamtes vor den gesundheitlichen Belastungen, die von den Rußpartikeln aus Dieselmotoren ausgehen. Jährlich gingen rund 14 000 vorzeitige Todesfälle auf ihr Konto, sagte der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge. Vor allem Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnten hervorgerufen werden. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hatte diese Einschätzung kritisiert und erklärt, eine solche Gefährdung lasse sich nach Ansicht namhafter Toxikologen nicht nachweisen.

Unabhängig vom Ausmaß der Gefahr: Der Partikelfilter ist im Vormarsch. Vorreiter ist der französische Hersteller Peugeot, der als erstes Autounternehmen in Europa Rußfilter serienmäßig eingeführt hat. Die deutschen Hersteller gehen teils zögerlicher vor. So wird etwa Opel vom kommenden Jahr an Diesel-Fahrzeuge mit wartungsfreien Filtern anbieten. Ausgestattet werden damit aber nur die Fahrzeuge, die sonst nicht die von 2005 an geltende Euro-4-Abgasnorm erreichen. Denn Opel setzt wie auch VW darauf, die Diesel-Motoren so weiterzuentwickeln, dass die Schadstoff-Partikel erst gar nicht entstehen, anstatt sie nachträglich herauszufiltern.

Dass der Diesel-Markt für die Hersteller immer wichtiger wird, zeigt die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg. Lag der Anteil der Diesel-Modelle bei den Neuzulassungen Anfang der 80er Jahre noch bei 10 %, waren es von Januar bis Juni dieses Jahres fast 39 %. Und während früher vor allem Dieselmotoren für die Mittelklasse hergestellt wurden, sind es jetzt zunehmend auch die Kleinwagen, die mit den Selbstzündern fahren. Für die Industrie hat der Diesel-Trend einen angenehmen Nebeneffekt: Mit dem steigenden Absatz reduziert sich der Flottenverbrauch, also der durchschnittliche Liter-Verbrauch aller Fahrzeuge eines Herstellers.

Doch ob sich der Diesel für viele tatsächlich als zukunftsträchtiges Spar-Modell erweist, ist strittig. Zwar sind Diesel-Motoren sparsamer und der Kraftstoff ist preiswerter als Benzin - höhere Anschaffungskosten, teurere Reparaturen und eine höhere Kraftfahrzeug-Steuer müssen aber dagegengerechnet werden. So hat jüngst ein Vergleich von fünf viel verkauften Modellen verschiedener Größenklassen durch die Zeitschrift "Auto-Bild" ergeben, dass bei durchschnittlichen Fahrleistungen pro Jahr ein Benziner deutlich preiswerter ist als ein Diesel. Und hinzu kommt: Der Trend zum Zweitwagen oder auch das zunehmend preiswerte Fliegen lassen die durchschnittliche jährliche Kilometerleistung pro Fahrzeug seit Jahren sinken.

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