Wirtschaftselite hält Aktie als Anlageform für beschädigt – Sorgen über steigenden Euro
Top-Manager sehen langfristige Umschichtungen

Der seit März 2000 anhaltende Abschwung an den Aktienmärkten führt nach Ansicht der deutschen Top-Manager zu großen Kapitalumschichtungen an den Märkten. Die Elite der Wirtschaft stellt einen Trend fest, wonach die Anleger vermehrt ihr Kapital weg von Aktien und hin zu anderen Anlageformen umschichten. Nur ein Drittel sieht keinen Trendwechsel. Das ergab der Handelsblatt Business-Monitor, die vom Psephos-Institut durchgeführte monatliche repräsentative Befragung von Top-Managern.

DÜSSELDORF. Anlass für die Untersuchung ist die ausgeprägte und in Europa schwerste Baisse an den Aktienmärkten. In einer Zeit, in der die großen Indizes gut 50 % unter ihren Höchstständen notieren, gelten als Anlageformen, die nach Eindruck der Manager bevorzugt werden, Festgelder (24 %), Anleihen (22 %), Immobilien bzw. Immobilienfonds (18 %) und übrige Fonds (17 %). Dass derzeit Kapitalanlagen vorwiegend in Gold umgeschichtet werden, meinen nur 6 %. Der Preis des Edelmetalls steigt seit Anfang vergangenen Jahres kontinuierlich - in den letzten Monaten von 280 auf bis zu 330 $ pro Feinunze.

Nicht zuletzt angesichts der dramatischen Abwärtsentwicklung (minus 94 %) und des Imageverfalls des Neuen Marktes ist innerhalb der Aktienanlagen eine spürbare Verlagerung festzustellen: weg von High-Tech-Werten wie Technologie- und Telekommunikationspapieren und hin zu klassischen Industrietiteln. Die ganz große Mehrheit (83 %) der Führungskräfte rechnet damit, dass diese Entwicklung anhält. Nur jeder Sechste sieht die Flucht aus Wachstumsbranchen als eine vorübergehende Erscheinung.

Über die Hälfte der Manager (53 %) ist der Ansicht, dass die große Zeit der Wachstumswerte erst einmal vorbei ist und sich der Trend zu Industrieaktien auch bei einer nachhaltigen Erholung der Wirtschaft nicht umkehren wird. Allerdings geht auch knapp die Hälfte der Top-Manager davon aus, dass diese Umschichtungen innerhalb der Aktienportefeuilles wieder rückgängig gemacht werden, sobald in Deutschland ein spürbarer konjunktureller Aufschwung eintritt.

Die sich häufende Kritik gegenüber Analysten, wonach deren Aktienbeurteilungen zu positiv oder gar interessengetrieben sind, haben keinen großen negativen Einfluss auf die Manager. Die Hälfte der Führungskräfte glaubt, dass sich die Unternehmen bei ihren unternehmerischen Entscheidungen auch in Zukunft an den Forderungen und Erwartungen der Analysten sowie Finanzmärkte orientieren wird. 18 % meinen sogar, dass die Bedeutung von Analysten sogar noch steigt. Knapp ein Drittel rechnet allerdings mit einem eher geringeren Einfluss.

Sorge wegen Euro-Stärke

Der erstarkte Euro besorgt zunehmend die Manager. Eine Mehrheit von 55 % befürchtet negative Auswirkungen einer stärkeren Gemeinschaftswährung auf die besonders exportgetriebene Konjunktur in Deutschland. Mit 45 % ist allerdings auch der Anteil der Führungskräfte groß, die keine Nachteile fürchten. Insbesondere Großunternehmen sowie Führungskräfte aus den Bereichen Dienstleistung und Handel sind gelassen.

Über die Kursschwelle, ab der ein gestärkter Euro sich ungünstig auf die Konjunktur auszuwirken beginnt, gehen die Meinungen weit auseinander. Eine kleine Minderheit von 6 % sieht dies schon bei dem seit Mitte Juni überstiegenen Kurs von 0,95 $ pro Euro, weitere 30 % mit der Dollarparität. Diese wurde im jüngsten Höhenflug bislang nicht erreicht. Gefahren für die Konjunktur treten nach Ansicht von 28 % bei einem Kurs von 1,05 $ ein, 22 % setzen die Schwelle bei 1,10 $ an, 6 % erst bei 1,20 $ und darüber. Insbesondere für Manager aus Großunternehmen und aus dem Dienstleistungssektor stellen 1,10 $ eine Kursmarke dar, ab der Beeinträchtigungen für die deutsche Konjunktur zu erwarten wären. Im Baugewerbe und in den Bereichen Energie, Chemie und Grundstoffe sehen die Manager bereits bei der Parität Gefahren.

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