Wirtschaftselite sieht keine Euro-Erholung
Wunsch nach Zinsschritt sinkt

Die Zuversicht für den Euro schwindet immer weiter. Kaum ein Top-Manager (9 %) glaubt noch daran, dass die Einheitswährung innerhalb der nächsten sechs Monate die Parität zum Dollar erreicht, geschweige darüber hinaus zulegt.

DÜSSELDORF. Im Oktober hatten noch 31 Prozent diese Erwartung geteilt, vor einem Jahr waren es sogar 42 Prozent gewesen. 90 Prozent sind hingegen aktuell der Meinung, dass der Euro mittelfristig weniger als einen Dollar wert sein wird.

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Hintergrund für die größere Skepsis dürften neben der anhaltenden Schwäche des Euros die immer geringeren Kursausschläge in den letzten Wochen sein. Dies weckt den Eindruck, dass der Euro ein angemessenes Niveau erreicht hat und dieses in absehbarer Zeit nicht verlassen wird.

Deutlich zurückgegangen ist der Wunsch nach einer Senkung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB). Nach 49 Prozent im Vormonat plädieren nun jetzt noch 38 Prozent der Manager für niedrigere Zinsen. Das ist der geringste Wert seit einem Jahr. Fast zwei Drittel (61 %) der Befragten wollen das gegenwärtige Zinsniveau von 3,25 Prozent beibehalten sehen.

Dieser Stimmungswechsel dürfte in engem Zusammenhang mit den wieder besseren Konjunkturaussichten in Europa stehen. Hoffnungen gaben zuletzt etliche Frühindikatoren, so der Ifo-Geschäftsklima-Index und der Handelsblatt- Frühindikator. In der Vergangenheit war die EZB wiederholt kritisiert worden, dass sie zur Ankurbelung der Wirtschaft im Gegensatz zur US-Notenbank zu wenig mit Zinssenkungen reagiert. In der aktuellen Befragung sprechen sich vor allem das Baugewerbe (54 %), der Branchenbereich Handel und Verkehr und Teile des Verarbeitenden Gewerbes (45 %) für niedrigere Zinsen aus.

Der von EZB-Präsident Wim Duisenberg für Mitte 2003 angekündigte Rücktritt löst bei den Führungskräften der Wirtschaft kaum Beunruhigung über den künftigen Kurs der Zentralbank aus. Noch weniger wird der Schritt als ein Signal für eine neue Zinspolitik oder eine Stärkung des Euros interpretiert. So erwarten 72 Prozent keine Auswirkungen auf die Zinspolitik oder den Euro-Kurs, einige allerdings mit der Einschränkung, man müsse erst abwarten, wer die Duisenberg-Nachfolge antreten werde. Änderungen der EZB-Politik erwarten 13 Prozent, darunter die meisten (11 %) in der Annahme, die Zügel würden künftig gelockert. Dass sich der Duisenberg-Rücktritt auf den Euro-Kurs auswirken könne, glauben 19 Prozent - die meisten davon erwarten eher eine Schwächung.

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