Wirtschaftselite vorsichtig optimistisch
Top-Manager fordern Lohnzurückhaltung

Der Blick ins neue Jahr ergibt für viele Unternehmensführer noch kein klares Bild. Unsicherheit herrscht über manche Rahmenbedingungen. Dennoch ist die Stimmung im Grundsatz positiv.

HB DÜSSELDORF. Die Rückschläge dieses Jahres für viele deutsche Unternehmen haben in den Chefetagen dennoch nicht für eine nachhaltige Verunsicherung gesorgt. Ein großer Teil der Führungskräfte geht mit verhaltenem Optimismus in das neue Jahr. Das zeigt der Handelsblatt Business-Monitor, die repräsentative Umfrage des Psephos-Instituts im Auftrag dieser Zeitung unter den deutschen Top-Managern, im Dezember. Immerhin 39 % erwarten ein Wirtschaftswachstum. Nur 23 % fürchten eine Rezession. Besonders die exportintensiven Branchen wie Maschinenbau oder Chemie sehen dem Jahr mit gemischten Gefühlen entgegen. Handel und Dienstleister dagegen setzen eher auf eine positive Entwicklung.

Beachtlich ist allerdings die Gruppe der Entscheider, die vom Jahr 2002 nur Stagnation erwarten: Sie ist genauso groß wie die derjenigen Manager, die ein Wachstum erwarten (39 %). In kleinen Firmen hegt man deutlich geringere Aufschwunghoffnungen (36 %) als bei den Großunternehmen (45 %).

Diejenigen, die an eine Wende zum Besseren glauben, rechnen allerdings nicht damit, dass sie bereits im ersten Quartal einsetzen wird. Dieser Meinung sind nur 2 % der Befragten. Die meisten gehen davon aus, dass das zweite oder dritte Quartal den Aufschwung bringen wird (17 und 18 %).

Über die künftige Wettbewerbsposition der deutschen Wirtschaft nach Überwindung der gegenwärtigen ungünstigen Konjunkturlage gehen die Einschätzungen der Top-Manager stark auseinander. Ein Drittel (31 %) glaubt, die Unternehmen werden im Hinblick auf den internationalen Wettbewerb geschwächt aus der aktuellen Krise hervorgehen; ebenfalls ein Drittel (33 %) vermutet das Gegenteil: Das Durchstehen der derzeit ungünstigen Konjunktur werde die deutschen Betriebe stählen und damit ihre Position in der globalen Konkurrenz mittelfristig eher stärken, so ihre Erwartung. Ein weiteres Drittel (36 %) geht davon aus, dass sich die Wettbewerbssituation nach überwundener Krise kaum anders als zuletzt darstellen werde.

Bevorstehende Tarifrunde Schlüsselrolle

Eine Schlüsselrolle für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen wird sicher die bevorstehende Tarifrunde spielen, für die einige Gewerkschaften ein "Ende der Bescheidenheit" angekündigt haben. Die Führungskräfte fordern allerdings von den Arbeitnehmervertretern deutliche Lohnzurückhaltung, nicht zuletzt mit Verweis auf die erwartete angespannte Arbeitsmarktlage im kommenden Jahr. Knapp die Hälfte (48 %) findet, die Lohnabschlüsse sollten unter 2 % liegen, weitere 32 % sehen sie maximal in der Größenordnung von 2 % als angemessen an. Eine Lohnsteigerung von bis zu 2,5 % würden weitere 16 % für adäquat halten. Mit noch höheren Abschlüssen bis zu drei Prozent könnten sich nur 3 % der Manager anfreunden. Tatsächlich sehen die Entscheider die Aussichten für den Arbeitsmarkt düster: Drei Viertel (74 %) gehen davon aus, dass im Durchschnitt des kommenden Jahres 2002 die Zahl der Arbeitslosen über der Marke von vier Millionen liegen wird.

Positiver ist die Einschätzung der Wirtschaft, wenn der Blick sich auf die Aktienkurse richtet: Mit einem Aufschwung an den Börsen rechnen zwei Drittel der Top-Manager (68 %). Nur 27 % erwarten dies nicht. Ein Zehntel der Befragten rechnet mit dem Börsenaufschwung im ersten Quartal kommenden Jahres, die meisten (33 %) im zweiten Vierteljahr. Insgesamt 23 % der Top-Manager sehen dies erst für das zweite Halbjahr bzw. zum Jahresende voraus. Unter den 27 %, die nicht von einem Höhenflug der Börse ausgehen, glaubt die Mehrzahl (23 %) eher an eine Stagnation auf dem derzeitigen Niveau, nur 4 % erwarten einen Abschwung.

Auf eine nachhaltige Veränderung der politischen Rahmenbedingungen stellen sich die Manager offenbar nicht ein: Nur rund jeder sechste Top-Manager (16 %) erwartet einen Regierungswechsel bei der Bundestagswahl im Herbst 2002. Die große Mehrheit (79 %) hingegen glaubt, der amtierende Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) werde auch nach der Wahl Regierungschef sein. Die meisten (55 %) vermuten allerdings, dass es dann zu einer neuen Koalition aus SPD und FDP kommen werde. Von einer Fortsetzung des rot-grünen Bündnisses gehen dagegen nur 24 % der Befragten aus.

Der Business-Monitor wird im Auftrag des Handelsblatts monatlich vom Psephos-Institut für Wahlforschung und Sozialwissenschaft erhoben. Für die Dezember-Befragung wurden 855 Führungskräfte in der Zeit vom 3. bis 14. Dezember 2001 befragt. Auf Grund der Stichprobenanlage ist die Befragung repräsentativ (Handelsblatt vom 21./22.12.).

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