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Wirtschaftsexperte Mundell: Euro-Höhenflug 'irrational und willkürlich'

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Mundell hält die jüngsten Kursgewinne des Euro für irrational und willkürlich. "Es glaubt doch niemand daran, dass die europäische Volkswirtschaft stark ist", sagte er im Interview mit "Spiegel Online".

dpa-afx HAMBURG. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Mundell hält die jüngsten Kursgewinne des Euro für irrational und willkürlich. "Es glaubt doch niemand daran, dass die europäische Volkswirtschaft stark ist", sagte er im Interview mit "Spiegel Online". Folglich gebe es keinen guten Grund, warum der Euro nicht nur gegenüber dem Dollar, sondern auch zum Yen, und dem chinesischen Yuan steigen sollte. "Das alles trägt irrationale Züge," sagte Mundell. Der Höhenflug des Euro zeige, "wie verkommen unser Wechselkurssystem ist. Gerüchte und einige große Player können die Kurse hin und zurück bewegen".

Mit seinen kritischen Kommentaren reagiert der Nobelpreisträger, der als einer der intellektuellen Väter des Euro gilt, auf die starken Kursgewinne der europäischen Währung. Erst am Freitag hatte der Euro ein neues Rekordhoch bei 1,3 329 Dollar erreicht. Am Dienstag sprang die europäische Gemeinschaftswährung zeitweise erneut über die Marke von 1,33 Dollar und notierte gegen 14.00 Uhr bei 1,3 291 Dollar.

EZB Sollte Intervenieren

Mundell warnte zudem, wegen der Dollar-Schwäche könne es in der Euro-Zone "zu deflationärem Druck auf die Preise bestimmter Güter" kommen. Der Ökonom, der an der Columbia University in New York lehrt, riet der Europäischen Zentralbank vor diesem Hintergrund zu einer Intervention auf dem Devisenmarkt. Sie solle zunächst einen Euro-Kurs von 1,30 Dollar als Höchstgrenze festlegen und ihre Währungsreserven nutzen, um Dollar zu kaufen.

"Jetzt wäre für die EZB ein günstiger Zeitpunkt, um Dollar-Bestände aufzubauen", sagte Mundell. Auch müsse sie bereit sein, eine Zinssenkung zu prüfen, um den Dollar zu stärken. Die Inflationsgefahr in Europa sei "nicht ernst genug", um das derzeitige Zinsniveau zu rechtfertigen. Mundell zweifelt allerdings daran, dass ein solcher Eingriff zustande kommt. Er kritisierte: "Der EZB fehlt das Selbstvertrauen, um ein Wechselkursziel festzulegen."

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