Wirtschaftsexperte Wagner
Olympia kein lohnendes Geschäft

Der wirtschaftliche Nutzen von Olympischen Spielen für die Ausrichterstädte ist zweifelhaft. Diese Ansicht vertrat Professor Gert G. Wagner, Forschungsdirektor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, am Donnerstagabend beim 3. Sportökonomie- Kongress in Köln.

HB/dpa KÖLN. Rechnungen, wonach das von der öffentlichen Hand investierte Geld drei- oder vierfach zurückkommt, hält Wagner für unschlüssig. Sinnvoller sei es, das Geld für andere Zwecke einzusetzen. So plädiert er beispielsweise für den Bau besserer Kindergärten oder Kliniken.

Der Wirtschaftsexperte ist nicht grundsätzlich gegen die Bewerbung um Olympische Spiele. Wenn die Bevölkerung dahinter stehe, solle sie sich das leisten. Aber die Bewerber sollten nicht mit den zu erwartenden Gewinnen werben. Gewinne würden nur Firmen machen, die für die Bewerbung arbeiten. Auch die Studien über den so genannten wirtschaftlichen Nutzen kritisiert er. Dabei werde mit Annahmen gearbeitet, und je nach Variation gebe es ein Plus oder Minus.

Optimistischer fiel die Einschätzung von Michael Zilles aus. Der Geschäftsführer der Rhein-Ruhr Olympia 2012 GmbH wollte zwar keine wirtschaftlichen Gewinne versprechen, wies aber auf den großen öffentlichen Nutzen hin. Von den 2,124 Milliarden Euro für die Ausrichtung der Spiele wird nur eine halbe Milliarde speziell für die Veranstaltung ausgegeben. Das sei im Vergleich zu anderen Ausrichtern wenig. Olympia werde kein Verlustgeschäft, da eine umfangreiche Infrastruktur für den Verkehr und den Sport geschaffen werde.

Bewerber spekulieren auf Zuschüsse

Außerdem spekulieren die Bewerber mit den Zuschüssen des Internationalen Olympischen Komitees(IOC), das beispielsweise für die Sommerspiele 2008 etwa eine Milliarde Dollar an Peking überweisen wird. Um die Zahlung des IOC an die Ausrichterstadt auch in Zukunft zu gewährleisten, fordert das IOC den Schutz seiner Marken und Symbole. Der deutsche IOC-Vizepräsident Thomas Bach hatte zuletzt vom Bundestag eine Gesetzesänderung zum Schutz des Urheberrechts bezüglich der olympischen Symbole gefordert, sonst habe ein deutscher Bewerber keine Chance.

Dagegen wehrt sich Wagner. "Der Punkt ist, dass das IOC nicht erwarten kann, dass jemand in einer westlichen Volkswirtschaft enteignet wird, nur damit Olympische Spiele stattfinden können und das IOC mehr verdient." Das lasse sich nur mit Staaten machen, in denen Regeln keine Rolle spielen. Dieses Problem müsse auf privatwirtschaftlicher Ebene gelöst werden. Das IOC wolle ja nichts anderes als freie Werbeflächen für seine Top-Sponsoren im Zentrum der Spiele. Dann müssten die Ausrichterstädte rechtzeitig diese Werbeflächen ankaufen und sie dem IOC zur Verfügung stellen.

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