Wirtschaftsflaute hinterlässt Spuren
Strube übergibt gestärkten BASF-Konzern

Nach mehr als einem Jahrzehnt an der Spitze der BASF hat sich Jürgen Strube auf der Hauptversammlung von der Leitung des weltgrößten Chemiekonzerns verabschiedet. Sein Nachfolger auf dem Chefposten Jürgen Hambrecht übernimmt einen Chemiegiganten, der unter der Ära Strube fokussierter und auch konjunkturrobuster geworden ist.

Reuters MANNHEIM. "Meine Aufgaben als Vorstandsvorsitzender der BASF haben mir 13 herausfordernde Jahre gegeben", sagte Strube auf der Hauptversammlung in Mannheim. Seinem Nachfolger Hambrecht (56) wünschte der 63-Jährige, der in den Aufsichtsrat wechselt und dort wahrscheinlich den Vorsitz übernimmt, "besten Erfolg bei der Bewältigung der großen und vielfältigen Herausforderungen." Mit seiner letzten Hauptversammlungsrede als Vorstandschef des 138-jährigen Ludwigshafener Konzerns erntete der promovierte Jurist Strube viel Beifall seitens der versammelten rund 6800 Anteilseigener. Strube bekräftigte zugleich frühere Prognosen zum Geschäftsverlauf in diesem Jahr, wonach die BASF angesichts der Wirtschaftsflaute im zweiten Quartal nur mit geringen Zuwächsen bei Umsatz und Ergebnis rechne.

Starker Konzern-Umbau vollzogen

"Durch aktives Portfoliomanagement haben wir die BASF wettbewerbsfähiger und konjunkturrobuster gemacht", sagte Strube den Aktionären. Die BASF hatte in der vergangenen Dekade Firmen mit einem Umsatz von rund zehn Mrd. ? verkauft und sich zugleich mit Zukäufen in etwa der gleichen Höhe verstärkt. So gab BASF etwa seine Pharmasparte Knoll an den US-Konzern Abbott Laboratories für 6,9 Mrd. Dollar ab. Auch trennte sich BASF von seinen Magnetbändern oder gliederte die Textilfarben in ein Gemeinschaftsunternehmen aus. Dagegen stärkte Strube den Agrochemiebereich des Konzerns mit dem Kauf der American Cynamid für 3,8 Mrd. Dollar und baute den hochprofitablen Öl- und Gasbereich weiter aus.Strube-Nachfolger Hambrecht übernimmt einen Konzern, der in den Segmenten Chemikalien, Kunststoffe und Fasern, Veredelungsprodukte, Pflanzenschutz und Ernährung sowie Öl und Gas tätig ist.

Zukunftsmarkt Asien

Wachstumspotenziale sieht Strube vor allem in Asien. "Asien ist der Markt der Zukunft", sagte Strube. Bis 2015 werde der Chemiemarkt dort um rund vier Prozent pro Jahr zulegen. "Das ist das Doppelte der für Europa oder Nordamerika erwarteten Zuwachsraten", sagte Strube. Bis 2010 will die BASF etwa ein Fünftel ihres Umsatzes dort erzielen, 70 % des Asienumsatzes sollen dann aus lokaler Produktion stammen. Seit den 80er Jahren hatten die Ludwigshafener in zunehmendem Maße auf die wachsenden Märkte Süd- und Ostasien gesetzt. Mit Beginn der 90er Jahre flossen dabei immer mehr Investitionen nach China. Strube-Nachfolger Hambrecht war dabei maßgeblich an diesem Weg nach Fernost beteiligt. So wurde Hambrecht 1995 die Leitung des damaligen Ostasien-Länderbereichs mit Sitz in Hongkong übertragen. Ab 1997 übernahm er im Vorstand die Leitung des neuen Ressorts Asien. Hambrecht gilt daher als ausgewiesener Asienspezialist.

Nur verhaltener Ausblick

Auf der Versammlung bekräftigte Strube ferner den bislang eher verhaltenen Ausblick für den Geschäftsverlauf in den kommenden Monaten. "Wir gehen davon aus, dass wir nicht vor einem unmittelbaren Aufschwung stehen", sagte Strube. Der aktuellen wirtschaftlichen Schwächephase lägen strukturelle Probleme zu Grunde, die sich weiterhin negativ auswirken könnten. Auch müsse die BASF mit volatilen Energie- und Rohstoffpreisen rechnen. "Wir fahren daher weiter auf Sicht und erwarten nur einen sehr verhaltenen Zuwachs bei Umsatz und Ergebnis im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal", bekräftigte Strube frühere Aussagen. Einen Ausblick auf das Gesamtjahr legte der scheidenden Konzernchef nicht vor. Das Auftaktquartal in diesem Jahr hatte BASF dank guter Erträge in der Öl- und Gassparte und starker Chemikaliengeschäfte vor Sondereinflüssen mit einem Ergebnisplus von rund 15 % abgeschlossen.

Die BASF-Aktie lag gegen Mittag in einem behaupteten Gesamtmarkt 0,8 % im Plus bei 40,58 ?.

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