Wirtschaftsflaute lässt Kreuzfahrt-Geschäft dümpeln
P&O holt sich US-Rivalen Caribbean Cruises an Bord

Die britische P&O Princess Cruises und die amerikanische Royal Caribbean Cruises wollen zur größten Kreuzfahrt-Reederei der Welt fusionieren. Dies teilten beide Reedereien am Dienstag mit. Die neue Gesellschaft hat einen Börsenwert von rund sechs Milliarden Dollar.

fbo LONDON. Angetrieben durch die Flaute im Kreuzfahrt-Geschäft steuern das britische Kreuzfahrtunternehmen P & O Princess plc Cruises und sein US Caribbean Cruises Ltd. -Konkurrent in Richtung Fusion. Aus dem Zusammenschluss "unter Gleichen" soll die weltgrößte Kreuzfahrt-Reederei entstehen, die einen gemeinsamen Umsatz von 5 Mrd. $ erwartet. Das neue Unternehmen wird mit 41 Schiffen unter anderem in der Karibik, im Mittelmeer und in der Ostsee operieren. Der Konzern wird nicht nur seinen Namen wechseln. Royal-Caribbean-Chef Richard Fain, der die neue Gesellschaft leiten wird, will jährlich mindestens 100 Mill. $ einsparen.

Die Fusion kommt nur 13 Monate nach dem Börsengang der P&O Princess Cruises Nach der Ausgliederung aus der Muttergesellschaft P&O geriet der Kreuzfahrtanbieter in turbulentes Fahrwasser. Denn die Kreuzfahrtbranche mit ihren schwimmenden Luxushotels leidet besonders stark unter der Wirtschaftsflaute in den USA.

Nach einer Studie von Goldman Sachs sind die Buchungen der Marktführer Carnival, Royal Caribbean und P&O Princess in den vergangenen Monaten um 30 bis 40 % zurückgegangen. Diesen Trend konnten auch Rabattaktionen der Anbieter nicht ändern. Mehrtägige Kreuzfahrten in die Karibik werden heute in den USA schon für unter 300 $ angeboten. Das belaste die Gewinnspannen, so die Analysten. Es bestehe die Gefahr, dass Schiffe für längere Zeit unbeschäftigt vor Anker liegen, was hohe Kosten verursacht. Auch Massenentlassungen könnten die Folge sein.

Einen Stellenabbau schloss P&O - Princess-Chef Peter Ratcliffe in London jedoch aus. "Mit unserer modernen Flotte haben wir die Möglichkeit, schneller auf Marktbedürfnisse einzugehen", sagte Ratcliffe, der als Managing Director die Geschäfte der neuen Gesellschaft führen soll. Außerdem seien nach den Terroranschlägen vom 11. September weniger Reisen storniert worden als zunächst befürchtet.

Die Stornierungsvorschriften für Kreuzfahrten sind jedoch streng und haben einen Vorlauf von drei bis sechs Monaten. Oft bleibt dem Kunden keine andere Wahl, als die Reise entweder anzutreten oder komplett verfallen zu lassen. Branchenanalysten fürchten daher in den kommenden Monaten Überkapazitäten in den USA. Jason Ader, Branchen-Analyst bei Bear-Stearns, warnt: "Das kann noch stärkere Preissenkungen provozieren." Ein Einbruch der Nettorenditten von 20 % sei realistisch.

Die Krise trifft die lange Zeit wachstumsverwöhnte Kreuzfahrtindustrie vollkommen unvorbereitet. Auf der finnischen Kvaerner Masa-Werft in Turku lässt Royal Caribbean momentan drei weitere Giganten bauen. Mit Fitness- und Vergnügungszentren, Restaurants, Bars, Diskotheken, Casinos, Theater, Golfsimulatoren, Hubschrauberlandeplätzen, Kletter-Felswänden und Ladenpassagen sind sie vier Mal so groß wie die Titanic.

Zu dem neuen Marktführer gehören die Marken Royal Caribbean, Princess, Celebrity, P&O Cruises, Swan Hellenic, Aida und A?Rosa. Insgesamt beförderte Royal Caribbean im vorigen Jahr knapp 2,1 Mill. Passagiere und machte bei einem Umsatz von 2,86 Mrd. $ einen Gewinn von 445,4 Mill. $. Über 70 % des Umsatzes kamen aus dem Geschäft mit Karibikkreuzfahrten. P&O Princess setzte 2,5 Mrd. $ um und verbuchte einen Reingewinn von 266 Mill. $. Aktionäre von P&O Princess werden mit 50,7 % an der neuen Gesellschaft mit Sitz in Miami beteiligt.

Royal Caribbean-Aktionäre halten 49,3 %. Beide Unternehmen bleiben unabhängig an den Börsen gelistet. Die Fusion soll nach der Zustimmung der Behörden bis Ende 2002 abgeschlossen sein.

Die Aktien von P&O Princess Cruises stiegen gestern in London um 15 % auf 365 Pence. Royal Caribbean gewannen an der Osloer Börse rund 18 % und schlossen bei 164 norwegischen Kronen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%