Wirtschaftskrise in Argentinien belastet Baubranche
Kleine Rückschläge verunsichern Holcim kaum

Der Schweizer Zementkonzern Holcim hat im ersten Quartal 2002 wegen Problemen in einem US-Werk und der Wirtschaftskrise in Argentinien einen leichten Gewinnrückgang verzeichnet. Holcim rechnet für das Gesamtjahr 2002 weiterhin damit, die Vorjahresresultate zu halten oder bei weiterhin günstiger Marktentwicklung und stabilen Währungen zu übertreffen.

Reuters JONA. Der Quartalsgewinn sei um 6,1 Prozent auf 77 Millionen sfr gesunken. Der Betriebsgewinn ging den Angaben zufolge um 4,3 Prozent auf 310 Millionen sfr zurück. Holcim machte dafür die fehlenden Volumen im US-Geschäft wegen des Produktionsausfalls im Werk Portland verantwortlich. Zusammen mit gestiegenen Distributionskosten und erhöhten Abschreibungen wegen der Schliessung des Werks Fort Collins habe die Konzernregion Nordamerika einen Quartalsverlust von 48 Millionen sfr verzeichnet nach einem Verlust von neun Millionen sfr im Vorjahr.

Die Bautätigkeit in Argentinien sei praktisch zum Erliegen gekommen. Die gute Entwicklung der übrigen Konzerngesellschaften Lateinamerikas habe jedoch zu einer Verbesserung des Betriebsgewinns der Region um fünf Prozent auf 209 Millionen sfr geführt. Lateinamerika ist traditionell die ertragsstärkste Region des weltweit stark diversifizierten Konzerns.

Der Holcim-Umsatz war mit 2847 (Vorjahr 2863) Millionen sfr praktisch stabil. Stützend wirkten dabei die erstmalige Konsolidierung der indonesischen PT Semen Cibinong sowie die Zunahme des verkauften Zementvolumens aus. Cibinong, an der Holcim einen Anteil von 77 Prozent hält, sei auf operativer Stufe (Ebitda) profitabel, erklärte ein Holcim-Sprecher. Der weltgrösste Zementkonzern Lafarge wuchs im Schlüsselbereich Zement im ersten Quartal um 8,6 Prozent.

Von Reuters befragte Analysten hatten durchschnittlich bei einem Umsatz von 3027 Millionen sfr ein Betriebsergebnis von 386 Millionen sfr und einen Reingewinn von 120 Millionen sfr prognostiziert. Da Holcim erstmals Zahlen zum ersten Quartal veröffentlicht und keine Vergleichszahlen nannte, tappten die Experten jedoch im Dunkeln. Sie erklärten, dem Quartalsausweis komme deshalb nur beschränkte Aussagekraft zu.

Die Holcim-Aktien verloren bis kurz vor Schluss 0,9 Prozent auf 375 sfr. Torsten Wyss, Analyst bei der Bank Bär, erklärte, der Abschluss liege deutlich unter den Erwartungen. Der Markt habe die Saisonalität des Holcim-Geschäftes unterschätzt. Dies habe insbesondere in Europa und den USA zu Ergebnissen unter den Erwartungen geführt. In Nordamerika sei zudem der negative Einfluss des Werksausfalls unterschätzt worden. Betrachte man nicht die absoluten Zahlen, sondern die prozentualen Veränderungen zum Vorjahr, liege das Ergebnis im Rahmen der Erwartungen, so Wyss.

Holcim bezeichnete das Quartalsergebnis als ermutigend. Die notwendigen Verstärkungen am Wärmetauscher des Werks Portland seien fortgeführt worden. Die Produktion solle bis Mitte Jahr hochgefahren werden. Die volle Nutzung der Kapazität der US-Gesellschaft werde sich ab dem zweiten Semester 2002 positiv auf die Ertragslage des Konzerns auswirken. Auch die anziehende Bautätigkeit in Thailand und Vietnam trage zu den insgesamt günstigen Aussichten bei. In Europa klare der Konjunkturhimmel mit Ausnahme Deutschlands auf. In Asien ziehe die Nachfrage nach Zement spürbar an, so Holcim. In Argentinien dürfte die Situation dagegen schwierig bleiben.

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