Wirtschaftskrise prallt am Fußball ab
WM-Sponsoren stehen Schlange

Weltweit schwächelt die Wirtschaft, der Fußball aber genießt anscheinend noch immer Hochkonjunktur: Sowohl der Fußball-Weltverband FIFA als auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) haben nach eigenem Bekunden keine Probleme, potente Geldgeber für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu finden.

HB ZÜRICH/FRANKFURT. Voller Genugtuung verkündete Fifa-Präsident Joseph Blatter, dass von den 15 internationalen Sponsoren-Tickets bereits elf fest vergeben sind. "Mit zwei weiteren Unternehmen sind wir in fortgeschrittenen Verhandlungen. Ende des Jahres werden wir das gesamte Sponsoren-Paket unter Dach und Fach haben", versprach der 66 Jahre alte Schweizer.

Auch bei den deutschen WM-Organisatoren hat man keinerlei Bedenken, die auf sechs begrenzte Anzahl nationaler Sponsoren zu finden. "Die Interessenten sind in erheblicher Anzahl vorhanden. Wir bekommen von der schwachen Weltlage glücklicherweise nichts zu spüren", sagte Horst R. Schmidt, Vizepräsident des Organisations-Komitees. Allerdings kann er die Gespräche erst forcieren, wenn die Fifa all ihre Sponsorenplätze vergeben hat. Bis dahin dürfen die deutschen Planer nur mit Fifa-Sondererlaubnis Kontrakte abschließen, wie beispielsweise bei der Verpflichtung des Energieriesen "EnBW". Einen weiteren Sponsor will Schmidt noch im Oktober präsentieren.

Das Problem der deutschen WM-Organisatoren ist, dass ihre Sponsoren nicht aus dem gleichen Marktsegment wie die Fifa-Geldgeber kommen dürfen. Besonders davon betroffen ist Daimler-Chrysler. Der deutsch-amerikanische Automobil-Konzern, über seine Marke Mercedes-Benz bereits seit 30 Jahren Sponsor des DFB, ist durch Hyundai aus dem WM-Rennen geworfen worden. Auch die zehnprozentige Beteilung von Daimler-Chrysler an dem koreanischen Autobauer bewirkte nicht, dass dieser von seiner Option als Fifa-Geldgeber zurücktrat.

"Man muss mit solchen Entschlüssen sachlich umgehen, sie akzeptieren und versuchen, das beste daraus zu machen", sagte Schmidt zu dem Nackenschlag. Ein zweiter langjähriger DFB-Sponsor, die Brauerei Bitburger, kommt bei der WM ebenfalls nicht zum Zug, weil mit Anheuser-Busch ein Konkurrent Fifa-Sponsor ist. Und auch der Elektronikkonzern Siemens ist bei der WM auf Grund des Engagements von Konkurrent Philips nur Zuschauer. Die weiteren feststehenden Fifa-Geldgeber sind Adidas, Coca-Cola, Avaya, McDonalds, Gilette, Toshiba, Yahoo und Deutsche Telekom. Den Deal mit dem Telefon-Riesen hatte das deutsche WM-OK eingefädelt, weshalb Blatter sich revanchieren will: "Wie die Deutschen uns geholfen haben, so werden wir auch ihnen helfen."

Dies beinhaltet neben der Suche nach nationalen Geldgebern vor allem auch ein Entgegenkommen bei der Entscheidung über die Art des Eintrittskarten-Verkaufs. Nach den teilweise chaotischen Zuständen bei der Weltmeisterschaft in Südkorea und Japan, mit hervorgerufen durch eine zwischengeschaltete Agentur, will man beim DFB den Ticket-Verkauf in Eigenregie abwickeln. "Ich sehe gute Chancen, dass es darauf hinausläuft", sagte Schmidt.

Blatter sieht den ungebremsten Ansturm der Unternehmen auf die WM in den Qualitäten der eigenen Marketing-Abteilung, vor allem aber in den zurückliegenden Titelkämpfe in Fernost begründet. "Das Spektakel in Südkorea und Japan hat viele angelockt. Es hat gezeigt, dass Fußball als Produkt gut angenommen wird und auf Fifa-Ebene noch nicht durch das Überangebot an Fußball bedroht ist." Die Vereine haben es da inzwischen erheblich schwerer, wie die europaweit zunehmenden werbefreien Trikots der Clubs zeigen.

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