Wirtschaftskrise trägt zum allmählichen Wandel bei
Japan: Geisha, Götter und Fußball spielende Roboter

Die Japaner haben der Welt den Walkman geschenkt, Sushi ist in aller Munde, überall fährt man japanische Autos, sitzt vor japanischen Fernsehgeräten und benutzt japanische Computer. Und doch erscheint Japan angesichts offenbar unauflösbarer kultureller Widersprüche den meisten rätselhaft.

dpa TOKIO. Neben einer äußerlichen Verwestlichung mit einer in modernen Megastädten lebenden Industrie- Gesellschaft existiert das "alte" Japan mit seinen lächelnden Geisha und Göttern, Kimono und Kirschblüten weiter fort.

Nach Jahrhunderten der Abkapselung gegenüber dem Ausland ist aus Nippon binnen weniger Jahrzehnte die zweitstärkste Wirtschaftsmacht der Welt geworden. Heute wird das fernöstliche Kaiserreich wie selbstverständlich zum Westen gezählt. Kein anderes Land hat in seiner Geschichte so viel Fremdes aufgenommen wie Japan: die Schrift, den Buddhismus, Technologien. Und doch brauchen sich die zur Fußball- Weltmeisterschaft anreisenden Ausländer nicht zu wundern, wenn man sie neugierig mustert. Denn in Japan leben nur 1,5 Mill. Ausländer.

Darunter sind auch viele Sportstars wie Baseball- oder Fußballspieler. Diesen verdankt die japanische Profi-Liga, die erst 1993 ins Leben gerufen worden war, ihren relativ ansehnlichen Erfolg. In der vergangenen Saison besuchten immerhin fast 17 000 Zuschauer im Schnitt die Spiele - im Baseball-Land Nippon sehr beachtlich. Gleichzeitig wird Fußball auch immer mehr zum Schulsport Nummer 1 an den Grundschulen im ganzen Lande.

Das tausende von Inseln umfassende Staatsgebiet besteht im wesentlichen aus den vier Hauptinseln Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu - und erstreckt sich über mehr als 3 000 Kilometer - vom sibirisch-kalten Nordosten bis zum subtropischen Südwesten. Rund zwei Drittel der Landesfläche sind gebirgig und bewaldet, so dass sich die rund 126 Millionen Japaner auf nur einem Fünftel der Landesfläche zusammendrängen müssen. In den Großstädten Tokio, Yokohama, Osaka, Kyoto und Kobe leben auf einem Quadratkilometer rund 2 000 Menschen.

Folglich sind die meisten Wohnhäuser in Japan klein und dicht aneinander gebaut. Hinzu kommen Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüche oder Erdbeben. Von den jährlich gemessenen 7 500 Beben sind etwa 1500 für Menschen spürbar. Einen ebenso prägenden Einfluss wie Erdbeben hatte der Reis-Anbau auf die Japaner. Reis hat weiterhin hohen Symbolwert. Der Reis-Anbau gilt als Wurzel der Gruppenorientierung in der japanischen Gesellschaft. Die Dörfer waren angesichts der ständig drohenden Naturkatastrophen Schicksalsgemeinschaften.

Auch in der heutigen japanischen Gesellschaft sind die Gruppen- Zugehörigkeit und das Streben nach Harmonie wichtig für ein stabiles Lebensumfeld. Und doch hat die hartnäckige Wirtschaftskrise mit steigender Arbeitslosigkeit und Zukunftsängsten zu Verunsicherung geführt und trägt zum allmählichen Wandel in der Gesellschaft bei.

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