Wirtschaftsminister verwirrt die Anleger
Argentinische Anleihen fallen

BUENOS AIRES. Gerade schien der argentinische Anleihenmarkt ein wenig zur Ruhe gekommen und kaum hatten sich die Spreads gegenüber vergleichbaren US-Papieren stabilisiert, da ließ Argentiniens Superminister Domingo Cavallo eine neue Bombe platzen: Er werde ein Gesetz an den Kongress schicken, mit Hilfe dessen anstatt der bestehenden Dollarbindung ein Währungskorb mit dem Euro eingeführt werde, verkündete der Wirtschaftsminister am Samstag. Die Umstellung solle stattfinden, wenn der Euro 1:1 zum US-Dollar stehe.

Ankündigung lässt viele Fragen offen

Die Folge der Ankündigung: Am Ostermontag verzeichneten argentinische Anleihen die größten Verluste seit drei Wochen. Der breit gehandelte Floating Rate Dollarbond (FRB) fiel um mehr als 2 %. Doch "dies ist keine Investorenpanik, es ist vor allem Verwirrung", erklärte Siobhan Manning, Anleihenanalyst von Caboto USA Inc.

Denn bisher ist völlig unklar, wann das Gesetz an den Kongress geschickt wird und wie der Vorschlag von den Abgeordneten aufgenommen wird. Ebenso unklar sind die Motive des Wirtschaftsministers, warum er die Ankündigung für eine eventuelle künftige Umstellung des Währungssystems ausgerechnet zu einem Zeitpunkt macht, da Investoren skeptisch gegenüber Argentiniens Fähigkeiten, sind, aus dem Teufelskreis von Rezession und schnell wachsender Verschuldung auszubrechen.

Um die starke Abhängigkeit vom Dollar abzuschwächen, will der Minister dem Peso "noch mehr Stabilität" verleihen, indem er die Währung an einen Durchschnittswert zwischen Dollar und Euro bindet. Auf diese Weise würden Krisen wie die derzeitige in Folge des starken Dollars künftig vermieden und der Handel mit Europa stimuliert, der für Argentinien wichtiger ist als die Handelsbeziehungen mit den USA.

Um eine Schockwirkung bei der Umstellung zu vermeiden, soll der Währungskorb erst eingeführt werden, wenn der Euro die Parität zum Dollar erreicht hat. Danach würde der Wert des Peso aus einem Durchschnittswert von Euro und US-Dollar bemessen, so dass zum Beispiel bei einem erneuten Abrutschen des Euro auf das derzeitige Niveau von etwa 0,90 zum Dollar der Peso auf 0,95 abgewertet würde. Das sorgt für Nervosität bei einem Land, das mit insgesamt 128 Mrd. $ verschuldet ist. Von der öffentlichen Verschuldung sind 70 % in Dollar und 20 % in Euro. Auch private Kredite sind zum großen Teil in Dollar nominiert.

Doch Abwertungsbefürchtungen halten Analysten für übertrieben. "Schließlich und endlich ist es eine mehr oder weniger technische Maßnahme, deren Umsetzung noch unsicher ist", beruhigt Alejandro Navarro von RIG Sociedad de Bolsa. Die Ankündigung von Cavallo "ändert nicht viel an unserer Einschätzung", meint auch Ricardo Cavanagh von Raymond James Argentinien.

Maßnahmen gegen das Haushaltsdefizit fehlen

"Viel wichtiger ist, dass endlich einschneidende Maßnahmen zur Bekämpfung des Haushaltsdefizits verkündet werden, dass sich eine deutliche Verbesserung der Konjunktur abzeichnet und dass die Einnahmen aus der neuen Schecksteuer eine Finanzierung des diesjährigen Schuldendienstes garantieren." meint Cavanagh. Solange diese Faktoren nicht gegeben sind, erwartet Cavanagh keine Senkung der Spreads gegenüber vergleichbaren US-Papieren. Das Länderrisiko hatte sich vergangene Woche bei 850 Basispunkten eingependelt.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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