Wirtschaftspolitische Konzepte der LDP-Kandidaten sorgen für ein höheres Zinsniveau
Regierungswechsel in Tokio belastet Märkte

HB TOKIO. Die wirtschaftspolitischen Erklärungen der vier Bewerber um das Amt des Ministerpräsidenten lösten am Tokioter Aktienmarkt keine Euphorie aus. Die Reformgegner sind eindeutig in der Mehrheit. Zudem hat jetzt auch die Bank von Japan festgestellt, dass die Wirtschaftsstagnation in einen Abschwung übergegangen ist.

Am Wochenbeginn gab der Nikkei-Index bei geringen Umsätzen wieder leicht um 1 % auf 13 254,89 Punkte nach, während sich am Rentenmarkt der Anstieg des Zinsniveaus fortsetzte. Die Umlaufrendite der Standard-Staatsanleihe 230 stieg weiter bis auf 1,455 % p.a. gegenüber einem Tiefstwert in der vergangenen Woche von 1,244 % p.a.

Bewerber wollen Reformen verschieben

Ursache hierfür ist, dass drei der vier Bewerber um den Parteivorsitz die Konsolidierung der Staatsfinanzen, aber auch einschneidende Strukturmaßnahmen verschieben und die bisherige, letztlich fehlgeschlagene Politik einer fiskalpolitischen Konjunkturbelebung fortsetzen wollen. Dies gilt insbesondere für Shizuka Karmei, den politischen Chef-Koordinator der Regierungspartei, der eine massive steuerliche Entlastung bei Einkommen und Verbrauch verspricht.

Aber auch der frühere Ministerpräsident Ryutaro Hashimoto (1996 bis 1998), der gegenwärtig die besten Chancen haben dürfte, am 24. April zum Parteivorsitzenden gewählt zu werden und das Erbe von Ministerpräsident Yoshiro Mori anzutreten, hat seine Haushaltskonsolidierungspläne offiziell ad acta legen müssen.

Er stellt jetzt zur Ankurbelung der Wirtschaft einen Nachtragshaushalt in Aussicht. Seine Position in der Regierungspartei ist im Vergleich zur Lage von 1996 deutlich geschwächt, so dass von ihm vorerst keine Reforminitiativen zu erwarten sind.

Umfragen bei japanischen und internationalen Brokerhäusern ergeben übereinstimmend, dass lediglich ein Sieg des früheren Gesundheits- und Postministers Junichiro Koizumi, der über Strukturreformen die Wirtschaft beleben will, als positiv für den Aktienmarkt bewertet wird.

Ein Sieg des außerordentlich unpopulären Hashimoto wird mehrheitlich als negativ für den Aktienmarkt eingeschätzt, da mit ihm Stimmenverluste der Liberaldemokraten bei den Oberhauswahlen im Juli als wahrscheinlich gelten. Die sich hieraus ergebende unklare politische Lage würde die Verwirklichung der anstehenden Reformen weiter verzögern.

Der Aktienmarkt wird so auch in den kommenden Tagen von den folgenden Punkten bestimmt werden: der Entscheidung der Regierungspartei zur Reform der Besteuerung von Wertpapiergeschäften, die Erklärungen der Kandidaten zur Konjunkturpolitik und dem parteiintern umstrittenen Konzept für eine Organisation zur Übernahme des Aktienbesitzes der Banken.

Entwicklung in den USA bleibt Unsicherheitsfaktor

Vorrangiger externer Unsicherheitsfaktor bleibt die Wirtschaftsentwicklung in den USA und die Ertragsentwicklung bei den führenden US-amerikanischen High-Tech-Werten. In dieser Woche geben unter anderem Microsoft und Intel Quartalszahlen bekannt.

UBS Warburg Securities gibt eine Kaufempfehlung für Sharp ab (Schlusskurs am 16.4.: 1 542, Kursziel: 2 600 Yen) im Hinblick auf die im Laufe des Jahres erwartete Trendwende bei Flüssigkristallbildschirmen. Für das Geschäftsjahr 2002/2003 wird so bei einer weiteren Umsatzsteigerung auf 2,4 (Prognose für 2000/2001: 2,05) Billionen Yen ein Gewinn von 50 (40) Mrd. Yen prognostiziert.

Nomura Securities erwartet bei dem führenden Hersteller von Land- und Gartenmaschinen Kubota in den kommenden sechs Monaten eine um 5 bis 15 % über dem Topix liegende Kursentwicklung (Schlusskurs am 16.4.: 421 Yen). Begründet wird dies einerseits mit den bislang eingeleiteten Restrukturierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen und andererseits mit den Marktanteilsgewinnen auf dem nordamerikanischen Markt.

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