Wirtschaftsprüfer entwickeln System für Qualitätskontrolle
Geprüfte Prüfer

Die Wirtschaftsprüfer feilen an ihrem Image: Jetzt prüfen sie sich gegenseitig, um die Qualität ihrer Testate sicherzustellen.

DÜSSELDORF. Wer würde sein berufliches Ansehen darauf verwetten, dass eine Krähe notfalls der anderen ein Auge aushackt? Der ehrwürdige Berufsstand der Wirtschaftsprüfer (WP) tut es - und zeigt damit ein ungebrochenes Selbstbewusstsein: Nachdem das Ansehen der Prüfer gelitten hatte, weil Unternehmen spektakulär Pleite gingen, die kurz zuvor noch uneingeschränkte Testate für ihren Jahresabschluss bekommen hatten, gaben sie sich nach sanftem Druck des Gesetzgebers 2001 selbst ein System für Qualitätskontrolle, bei dem ein Prüfer dem anderen auf die Finger schaut.

Horst Herrmann, Partner bei der WP-Gesellschaft Fasselt & Partner in Duisburg, ist überzeugt, dass das System, nach angelsächsischem Vorbild auch Peer Review genannt, funktioniert: "Das hat prophylaktische Wirkung. Die Prüfer stehen jetzt besonders unter dem Zwang, ihre Arbeit so einzurichten, dass sie von Dritten nachvollzogen werden kann." Herrmann ist neben seinem Beruf als Prüfer auch stellvertretender Vorsitzender einer Kommission für Qualitätskontrolle, die bei der Wirtschaftsprüferkammer angesiedelt ist. Stellt sie fest, dass die Qualitätssicherung beim Geprüften mangelhaft ist, kann sie Verbesserungen fordern und schlimmstenfalls die Berechtigung zum Testieren von Jahresabschlüssen aberkennen.

Aber auch der Peer Reviewer steht auf dem Prüfstand: "Da möchte keiner einen Bericht vorlegen, der Anlass zu Nachfragen liefert", meint Herrmann. Aus der Sicht Herrmanns stehen vor allem die mittelständischen Prüfer unter Zugzwang: "Aufgrund ihrer großen Erfahrung und langjähriger Kenntnis des zu prüfenden Unternehmens sind diese WP in der Lage, jeweils den richtigen Schwerpunkt bei der Prüfung eines Jahresabschlusses zu setzen. Jetzt kommt es zusätzlich darauf an, schriftlich zu dokumentieren, wie die Entscheidung für diesen Schwerpunkt zustande gekommen ist."



Lesen Sie hierzu den >> Branchenreport Wirtschaftsprüfung bei Junge Karriere.com.



Wie das Beispiel zeigt, ist es nicht die Aufgabe der Peer Reviewer, die Mandanten eines WP ein zweites Mal zu prüfen - dies würde ja die Kosten verdoppeln und von den zu prüfenden Unternehmen auch kaum akzeptiert. Durchleuchtet werden vielmehr alle organisatorischen Vorkehrungen, mit denen ein WP sicherstellt, dass seine Prüfung den gesetzlichen Vorschriften entspricht.

Neben der Frage wie und warum bestimmte Prüfschwerpunkte ausgewählt wurden, gehören dazu etwa die Anweisungen und Checklisten für die Prüfungsassistenten, die Schulungsmaßnahmen, aber auch die Prüfung der eigenen Kapazitäten: Die WP müssen beispielsweise dokumentieren, dass sie sich vor der Übernahme eines neuen Mandats Gedanken darüber gemacht haben, ob dieser Auftrag noch 'reinpasst.

Vorsichtige Kritik

Hier setzt auch erste, vorsichtige Kritik an dem neuen Verfahren an, dem sich alle WP-Gesellschaften, die amtlich notierte Aktiengesellschaften prüfen, bis zum Jahresende unterziehen müssen: "Ursprünglich sollte die Peer Review - wie in den USA - mit einem Blatt abschließen. Jetzt stellt sich heraus, dass ein dicker Prüfbericht gefordert wird", sagt ein bestellter Qualitätsprüfer aus Baden-Württemberg, der nicht genannt werden möchte. Das Verfahren sei nicht unter kaufmännischen Aspekten entstanden, sondern "von Juristen gemacht worden, die sich an Abnormitäten ausrichten, die bekämpft werden sollen".

Besonders problematisch sei es, dass die zu prüfenden WP-Gesellschaften die komplette Mandantenliste vorlegen sollten, um Befangenheiten auszuschließen. Dazu werden nicht nur die Mandate für Jahresabschlüsse, sondern auch die Steuerberatungen gerechnet: "Wenn man berücksichtigt, dass wir letztlich von Konkurrenten geprüft werden, ist das wirklich nicht optimal." Reiner Veidt, Geschäftsführer der Wirtschaftsprüferkammer, findet an ausführlichen Berichten nichts auszusetzen: "Es ist doch im Sinne der Qualitätssicherung und der Öffentlichkeit, dass gründlich geprüft wird." Die Kammer wird in den nächsten Tagen auf ihrer Internet-Seite (www.wpk.de) einen ersten Bericht über die Erfahrungen mit dem neuen System veröffentlichen.

Nicht in dem Bericht stehen wird, dass manch ein WP der Meinung ist, die von Mandanten-Pleiten gebeutelte KPMG hätte der Peer Review einen Bärendienst erwiesen: Nach dem Aufsehen erregenden Bankrott des Kunden Comroad kündete die Gesellschaft an, alle Mandate aus dem Neuen Markt intern erneut zu prüfen - und dies, obwohl KPMG sich im Jahr 2 000 als erste WP-Gesellschaft freiwillig einem Peer Review unterzogen hatte. "Wenn die Ergebnisse intern trotzdem erneut auf den Prüfstand kommen, stellt KPMG den Wert dieses Peer Reviews selbst in Frage", sagt Fasselt-Partner Herrmann.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%