Wirtschaftsprüfer ermitteln Bewertungsdifferenzen von über 1 Milliarde DM
Risiken bei DG Bank gefährden Fusion

Die Überprüfung der Bilanz der DG Bank schockt die Kreditgenossen. Die Prüfer entdeckten weitere faule Kredite bei dem Spitzeninstitut. Die geplante Fusion der GZ-Bank und DG Bank droht nun zu scheitern.

FRANKFURT/M. Die DG Bank steht vor neuen Problemen: Die finanzielle Situation des genossenschaftlichen Spitzeninstituts ist erheblich schlechter als bislang angenommen. Das offenbaren die jetzt vorgelegten Wertgutachten der Wirtschaftsprüfer. Nach der Überprüfung der Bilanzen der Fusionspartner DG Bank und GZ-Bank habe sich eine Bewertungslücke von über einer Milliarde DM zu Lasten der DG Bank ergeben, sagte ein hochrangiger Manager der DG Bank dem Handelsblatt. Das Spitzeninstitut hatte bereits im Abschluss des Jahres 2000 Kredite über rund 1,7 Mrd. DM wertberichtigt.

Die Wirtschaftsprüfer hätten nun jedoch neue Kreditrisiken aus den Jahren 1998 bis 2000 über rund 600 Mill. DM entdeckt, sagte der DG-Banker. Sie seien in den Jahresabschlüssen nicht wertberichtigt worden. Außerdem sind im laufenden Jahr nach Informationen des Handelsblatt die Kosten bei dem Spitzeninstitut kräftig gestiegen, ohne dass die Erträge mitgewachsen sind. In die Klemme gerät der DG-Bank-Vorstand auch wegen des bereits von Wirtschaftsprüfern testierten Abschlusses 2000. Geschäftsvorfälle aus dem vergangenen Jahr seien nicht in der Bilanz verbucht, obwohl dies gesetzlich erforderlich gewesen wäre, hieß es in Kreisen der DG Bank. Es handele sich hierbei um 80 Mill. DM uneinbringlicher Forderungen aus Hypothekarkrediten. Diese stammten aus Schieflagen mehrerer kleinerer Firmen aus dem Nürnberger Raum, die zwischenzeitlich insolvent geworden seien.

Der Präsident des Bundesverbandes der Volksbanken und Raiffeisenbanken, Christopher Pleister, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der DG Bank, sagte hingegen, dass der Abschluss 2000 des Spitzeninstituts stehe. "Es wird keine neue Bilanz erstellt." Ein Sprecher der DG Bank schließt indes nicht aus, dass noch Nachlaufrisiken bei Immobilienkrediten aus dem Nürnberger Raum drohen könnten. Dies müsse man aber im laufenden Jahr noch sehen.

Normale Bewertungsdifferenzen

"Es gibt keine neuen Löcher bei der DG Bank", betonte Pleister. Es handele sich hier um Bewertungsdifferenzen, die in einer solchen Phase der Fusion normal seien. Er betrachtet den Zusammenschluss mit der GZ-Bank nicht als gefährdet, räumte aber ein, dass er sich "in einer schwierigen Phase befinde". Bei der DG Bank fand am Mittwoch eine Krisensitzung statt.

Müsste die Bilanz 2000 auf Grund der jüngsten Entwicklung neu aufgestellt werden, würde sich die geplante Fusion verschieben. Dies würde hohe Mehrkosten verursachen. DG und GZ-Bank haben sich Anfang des Jahres zur Fusion entschlossen. Die WGZ-Bank hatte sich an den Gesprächen beteiligt, sich aber gegen eine Teilnahme an der Fusion entschlossen.

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