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Wirtschaftsprüfer in der Vertrauenskrise

Nach den filmreifen Pannen von KPMG und Arthur Andersen wird nun auch Ernst & Young der Kungelei verdächtigt.

Das Ansehen der Wirtschaftsprüfer hat in den letzten Monaten arg gelitten. Die Kombination aus Prüfung der Buchhaltung und der ungleich lukrativeren Beratung eines Unternehmens ist spätestens seit Arthur Andersens unrühmlicher Rolle beim Debakel des einstigen US-Energieriesen Enron heiß umstritten. Hierzulande sorgte vor wenigen Wochen das Versagen der KPMG-Prüfer beim Neuen-Markt-Wert Comroad für Aufsehen. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC (Securities & Exchange Commission) bringt nun mit Ernst & Young den dritten der "Big Five"-Prüfungsgesellschaften in Erklärungsnot.

Nicht dass Ernst & Young es der Konkurrenz gleichgetan und pikante Akten großzügig dem Schredder überantwortet hätten. Oder ihnen nicht aufgefallen wäre, dass über 90 Prozent der Umsätze mit einer kess erdachten Briefkastenfirma im fernen Asien getätigt werden. Doch der gemeinsame Vertrieb einer Software mit PeopleSoft, bei denen Ernst & Young auch die Buchprüfung durchführt, hat die Börsenaufsicht - zu Recht - in Alarmstimmung versetzt.

Der umstrittene Quellcode aus dem Hause PeopleSoft enthält Komponenten, die in der Steuersparte von Ernst & Young entwickelt wurden. Ernst & Young soll zwischen 1994 und 2000 an PeopleSoft Tantiemen zwischen 15 und 30 Prozent des Verkaufspreises bezahlt haben - bei einer Mindestgarantie von 300 000 Dollar. Zusätzlich habe Ernst & Young hunderte Millionen Dollar an Consulting-Honoraren eingenommen, die aus der Einführung des PeopleSoft-Programms bei anderen Auftraggebern resultieren.

Auch wenn Vergleiche über die Schwere der Vergehen müßig sind, schlittern die Wirtschaftsprüfer durch die Verquickung von Beratung und Prüfung zunehmend in eine Vertrauenskrise. Der durch einige schwarze Schafe erzeugte Pauschalverdacht der Branche geht nicht nur zu Lasten der vielen Prüfer, die ihre Aufgabe zuverlässig und ordnungsgemäß erledigen. Investoren und Privatanleger sind die eigentlichen Verlierer. Sie sind auf eine zuverlässige Buchprüfung des Unternehmens angewiesen, da die testierten Geschäftszahlen ihnen als Entscheidungsgrundlage dienen. Da eine Wirtschaftsprüfung mit dem Hintergedanken eines teuren Beratervertrages offenbar zu viel Inspiration für Absprachen und Kungeleien bietet, müssen diese Bereiche voneinander getrennt werden. Dies zeigt auch die bass erstaunte Reaktion von Ernst & Young: Man sei "überrascht und enttäuscht", weil das Vorgehen "nach den Branchenregeln völlig angemessen und zulässig" sei. Das ist ein deutliches Indiz dafür, dass diese Regeln stark verbesserungsfähig sind. Und die Verbesserung muss die eindeutige Trennung von Prüfung und Beratung beinhalten.

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