"Wirtschaftsprüfer strenger kontrollieren"
Fondsmanager fordern härtere Auflagen für Prüfer

Europas Versicherungskonzerne und Fondsmanager fordern strengere Kontrollen für Wirtschaftsprüfer. Der Grund: Sie wollen ihre Investoren besser schützen. Sie verlangen unter anderem die detaillierte Offenlegung der Einnahmen der Gesellschaften und die Stärkung der Kontrollausschüsse der Aufsichtsräte.

LONDON. Die Pleite des Energiehandelskonzerns Enron Corp. und der Ermittlungen der US-Behörden gegen den Wirtschaftsprüfer des Unternehmens, Arthur Andersen LLP, haben auch in Europa die Diskussionen um die Regeln für Buchprüfer angefacht. Investoren wollen sicher stellen, dass die Prüfer nicht in zu innigem Verhältnis zu ihren Kunden stehen, damit sie ein objektives und unabhängiges Bild ihrer Buchführung gewinnen können.

Um die Glaubwürdigkeit der Prüfer wieder herzustellen haben Vertreter von Pensionsfonds nun unter anderem vorgeschlagen, dass

- Wirtschaftsprüfer Geschäftsbeziehungen mit Kunden, die über die Buchprüfung hinaus gehen, offen legen müssen und Beratungsleistungen, die Interessenkonflikte hervorrufen könnten, verboten werden;

- der Wechsel der Prüfungsgesellschaft oder zumindest ihrer Mitarbeiter, die einen bestimmten Klienten betreuen, häufiger stattfindet;

- die Gesellschaft gewechselt werden muss, wenn einer der Partner von einem Kunden angestellt wird;

- für die qualitativ hochwertigere Prüfung auch höhere Gebühren gezahlt werden und

- die Kontrollausschüsse der Aufsichtsräte (audit committees) die Wirtschaftsprüfer sorgfältiger überwachen müssen.

Hermes Pensions Management, einer der größten britischen Fondsmanagement-Gesellschaften, weist darauf hin, wie wichtig es ist, dass Aktionäre sich auf die Richtigkeit und Unabhängigkeit der Abschlussprüfung verlassen können. "Die Unabhängigkeit der Wirtschaftsprüfer ist eine fundamentale Bedingung", sagt Peter Butler, Director bei Hermes Focus Asset Management. Sowohl die Gebühren für die Prüfungen und andere Leistungen als auch was für Dienste wofür erbracht worden sind sollte veröffentlicht werden. "Es gibt einige Beratungsdienste - etwa zu Steuern -, bei denen es sinnvoll ist, wenn sie durch den Wirtschaftsprüfer erbracht werden", sagt er. Aber wenn die Gebühren für solche Zusatzdienste höher sind als die für die Prüfung, könnte das einen Interessenkonflikt hervorrufen, fügt Butler hinzu.

Thomas Meier, Fondsmanager bei Union Investment, kritisiert, dass global tätige deutsche Unternehmen - wie die aller anderen Länder auch - nur aus einer Handvoll von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wählen können. "Wir glauben, die Trennung zwischen Beratung und Prüfung würde helfen, die Glaubwürdigkeit wieder herzustellen", sagt er.

In Großbritannien wird heiß diskutiert, wie oft eine Firma ihren Wirtschaftsprüfer wechseln sollte. Die Association of British Insurers (ABI) hat in der vergangenen Woche ein Diskussionspapier veröffentlicht, in dem der Verband strengere Kontrollen des Prüfungsprozesses fordert und häufigere Wechsel der Buchführer in einer Firma, nicht der ganzen Prüfungsfirma, vorschlägt. Derzeit ist ein Wechsel alle sieben Jahre vorgeschrieben. Der Wechsel der Prüfungsgesellschaft führe nur dazu, dass die Prüfungssorgfalt während des Übergangs von einer Gesellschaft zur anderen leide.

Hermes-Manager Butler geht das nicht weit genug. Er hält es für angebracht, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft alle fünf Jahre zu wechseln.

Auch über die Frist, die verstreichen sollte, bis ein Buchprüfer einen Job bei einem ehemaligen Klienten annehmen darf, wird debattiert. ABI empfiehlt, sowie der Wechsel bekannt wird, sollte der Kunde einen neuen Prüfer erhalten. Marian Collins von Barclays Global Investors in London fordert eine Frist von fünf Jahren. Und sie fügt hinzu, die Änderung der Regeln für Wirtschaftsprüfer allein reichten wohl nicht aus, um das Verfahren zu stärken. Die Kontrollausschüsse der Aufsichtsräte müssten qualifiziert werden, um Entscheidungen über die Buchprüfung zu treffen.

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