Wirtschaftsprüfer warnen vor Finanzkrise im Fußball
Die Bundesliga ist ein Sanierungsfall

Nach der Saison ist vor der Saison. Kaum ist die Spielzeit 2003/2004 vorüber, da laufen bei den Spitzenklubs des deutschen Fußballs die Vorbereitungen auf die nächste Runde auf Hochtouren. Doch für viele Vereine geht es weniger um Tore und Punkte, sondern um das wirtschaftliche Überleben.

mm FRANKFURT/M. Nachdem die Verschuldung der 36 Klubs in der ersten und zweiten Bundesliga in der vergangenen Saison um etwa 100 Mill. Euro auf die Rekordmarke von 700 Mill. Euro gestiegen ist, plagt laut einer Umfrage unter den Klubmanagern die Mehrheit die Existenzangst.

"Die Insolvenzgefahr ist da. Es besteht das Risiko, dass einige Vereine auf der Strecke bleiben", sagte gestern in Frankfurt Karl-Heinz Stangner von Ernst & Young, dem Auftraggeber der Umfrage. Die Wirtschaftsprüfer machen drei Hauptproblemfelder aus: zu wenig Eigenkapital, unzureichende Sicherheiten und den Rückzug der Banken aus der Fußballfinanzierung.

"Bis auf die kapitalmäßig gut ausgestatteten Bayern München und Borussia Dortmund sind alle übrigen Bundesligaklubs im Durchschnitt mit drei Millionen Euro überschuldet", heißt es in der Studie. Aber auch Dortmund kämpft mit Problemen. Der erfolgsverwöhnte Klub verpasste die direkte Qualifikation für das internationale Geschäft. Nachdem Dortmund im ersten Halbjahr bereits einen Verlust von knapp 30 Mill. Euro ausweisen musste, denken die Verantwortlichen jetzt über Spielerverkäufe nach, um die Finanzierung zu sichern.

"Die Lage von Dortmund ist sicher schwierig, aber nicht dramatisch", relativierte Peter-Thilo Hasler, Fußballanalyst der Münchener Hypo-Vereinsbank. Auch ansonsten warnte der Experte vor übertriebener Schwarzmalerei: "In Spanien und Italien ist die Finanzkrise viel tiefer." Experten beziffern die Schulden in der italienischen Seria A auf rund 1,8 Mrd. Euro und in der spanischen Primera Division auf mehr als 5 Mrd. Euro. "Bevor ein Fußballklub in die Pleite rutscht, greift eher die Politik ein", meinte Hasler.

Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young gehen von einer gewissen Entlastung der deutschen Klubs durch sinkende Kosten und steigende Einnahmen in den kommenden Jahren aus (siehe Kasten). "An einem harten Sanierungskurs wird aber die Mehrheit der Bundesligavereine nicht vorbeikommen", mahnte Stangner. "Ihre Verschuldung werden die Klubs kurzfristig nur durch alternative Finanzierungsformen und durch Einsparungen in den Griff bekommen", betonte Stefan Pfeiffer, bei Ernst & Young zuständig für die Prüfung von Fußballvereinen. Da sich die Banken wegen der unter dem Stichwort Basel II bekannten neuen Eigenkapitalregeln weiter aus der Finanzierung des Profifußballs zurückzögen, müssten sich die Vereine alternative Geldquellen wie Genussscheine, Leasing oder privates Beteiligungskapital erschließen.

Über einen Börsengang denkt derzeit keiner der von Ernst & Young befragten Clubs nach. Und das nach Meinung von Stangner aus gutem Grund: "Fußball-Vereine sind mit weitaus größeren Risiken behaftet als andere Wirtschaftsunternehmen und daher für einen Börsengang nicht tauglich." Das Beispiel Dortmund habe abschreckend gewirkt und für ein Umdenken in der Branche gesorgt. Die Borussia war im Jahr 2000 an die Börse gegangen. Die Aktie hat seither 75 % an Wert verloren.

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