Wirtschaftsprüfungsfirma schuldig gesprochen
Andersen vor dem Aus

Ein Geschworenengericht hat am Samstag die US- Rechnungsprüfungsfirma Arthur Andersen wegen Justizbehinderung schuldig gesprochen. Nach zehntägigen Beratungen in Houston (Bundesstaat Texas) machte die Jury das Unternehmen dafür verantwortlich, Akten des bankrotten Energiekonzerns Enron vernichtet und dadurch Ermittlungen wegen dubioser Geschäftspraktiken erschwert zu haben.

dpa HOUSTON. Andersen droht neben einer Geldstrafe von bis zu 500 000 $ (529 000 Euro) ein Verbot, die Bilanzen öffentlicher Unternehmen zu prüfen. Das Strafmaß soll am 11. Oktober verkündet werden. Andersen-Verteidiger Rusty Hardin kündigte Berufung an.

Nach Einschätzung von Fachleuten hat das Urteil Arthur Andersen den Todesstoß versetzt. "Diese Verurteilung ist die Giftpille für Andersen", sagte ein Wirtschafts-Strafverteidiger der Wirtschaftagentur "Bloomberg". Das Unternehmen hat bereits mehr als 700 Kunden und Tausende von Geschäftspartnern verloren. Andersen- Chefmanager C. E. Andrews kündigte dagegen eine Bestandsaufnahme und Bemühungen um einen Neuanfang an. Das Unternehmen sei allein durch die Anklageerhebung schon gelähmt worden.

Die neun Männer und drei Frauen der Jury, die das Urteil einstimmig fällten, hatten sich schwer getan. Am Mittwoch wollten sie bereits aufgeben, weil sie sich nicht verständigen konnten. Richterin Melinda Harmon gab ihnen dann am Freitag eine von der Anklage als Sieg betrachtete Entscheidungshilfe. Sie entschied, dass sich die Jury nicht darauf einigen musste, welcher Andersen-Angestellte Akten des bankrotten Energiekonzerns Enron vernichtet hat. Es genüge, "mindestens einen Vertreter von Andersen, ohne dass es ein und derselbe ist" zu benennen.

Andersen wurde beschuldigt, Berge von Akten über Enron vernichtet zu haben, als eine Untersuchung der Buchhaltungspraktiken des Unternehmens drohte. Enron wird vorgeworfen, seine prekäre Finanzlage mit Hilfe von dubiosen Partnerschaften verschleiert zu haben. Tausende Beschäftigte und Investoren verloren Mill. von $, als das Unternehmen Anfang Dezember dann seinen Bankrott erklärte und die Aktienkurse abstürzten. Andersen war Enrons Rechnungsprüfungsfirma.

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