Wirtschaftsschwäche: Jeder zweite Dax-Konzern streicht Stellen

Wirtschaftsschwäche
Jeder zweite Dax-Konzern streicht Stellen

Die deutschen Großkonzerne planen weitere Einschnitte bei der Belegschaft. Nach einer Umfrage des Handelsblatts werden allein die Dax-30-Unternehmen rund 30 000 Mitarbeiter entlassen.

FRANKFURT/M. Für die Mitarbeiter im Hamburger Werk des Mischkonzerns Linde, dort wo die Gabelstapler der Marke Still zusammengeschraubt werden, ist es eine ungewohnte Situation. Jahrelang liefen die Geschäfte gut. Die Sparte warf gute Erträge ab. Jetzt plötzlich wird kurzgearbeitet. Damit nicht genug: Über 1 000 Stellen will der neue Konzernchef Wolfgang Reitzle streichen, sogar Werkschließungen sind möglich. Fehlende Aufträge und wegbrechende Erträge sind die Ursache.

Ein typischer Fall. Die anhaltende Wirtschaftsschwäche hat die Konzerne fest im Griff. Viele deutsche Großunternehmen sehen darum keine andere Wahl: Sie setzen erneut den Rotstift bei der Belegschaft an. Jede zweite Firma im Börsensegment Dax-30 will ihre Mitarbeiterzahl in Deutschland dieses Jahr reduzieren. Das geht aus einer Umfrage des Handelsblatts hervor. Unter dem Strich werden 2003 mindestens 30 000 der rund zwei Millionen inländischen Arbeitsplätze bei Dax-Konzernen wegfallen.

In Ostdeutschland werden künftig noch mehr Mitarbeiter entlassen als bisher

Ein Ergebnis, das von einer Erhebung des Münchener Ifo-Instituts gestützt wird. Der seit Monaten dauernde Personalabbau werde sich in Westdeutschland nur wenig verlangsamen, in Ostdeutschland werde er sich sogar noch verstärken, resümieren die Ifo-Forscher.

Die Situation könnte sich sogar noch verschärfen. Schließlich haben die Konzerne in ihren aktuellen Personalplänen lediglich einen kurzen Krieg im Irak berücksichtigt. Dauert er länger - mit den entsprechenden negativen Folgen für die Weltkonjunktur -, müssten die Pläne überdacht werden. "Keiner kann zurzeit eine Prognose darüber abgeben, ob sich der Personalabbau noch verstärken wird. Aber es ist durchaus möglich, dass wir den Boden noch nicht gesehen haben", sagt Petra Knab-Hägele von der Managementberatung Towers Perrin. "Die Entwicklung kommt für mich keineswegs überraschend. Vor allem dort, wo wir eine Konsolidierung sehen, also etwa im Finanzsektor und in der IT-Industrie, habe ich den anhaltenden Abbau von Arbeitsplätzen erwartet."

So ist die zur Allianz gehörende Dresdner Bank seit 2001 dabei, rund 11 000 Stellen abzubauen. Bis jetzt wurden etwa 6 500 Arbeitsplätze gestrichen, so dass auch in diesem Jahr weitere Jobs wegfallen werden - ein großer Teil davon in Deutschland. Auch die Deutsche Bank hat bereits angekündigt, konzernweit 14 470 Stellen zu streichen. In Deutschland werden davon in diesem Jahr rund 1 900 Stellen betroffen sein. Die Hypo-Vereinsbank will 2 800 Stellen in Deutschland streichen.

Die hoch verschuldete Deutsche Telekom will allein im laufenden Jahr etwa 15 000 Arbeitsplätze abbauen, um wieder in die Profitabilität zurückzukehren. RWE setzt sein 1999 begonnenes Sparprogramm fort und streicht bis 2005 weitere 3 000 Stellen, darunter viele in Deutschland.

Doch nicht alle Firmen kappen Personal. Die Deutsche Lufthansa erließ zwar einen Einstellungsstopp, will aber mit flexiblen Arbeitszeitregelungen betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. Auch der Autokonzern Daimler-Chrysler, der Handelsriese Metro und die Deutsche Börse wollen bislang ohne Einschnitte beim Personal auskommen.

Gänzlich unbeeindruckt von der Wirtschaftsflaute zeigen sich nur der Pharmakonzern Altana und der Autohersteller BMW. Beide Unternehmen wollen auch im laufenden Jahr noch neue Arbeitsplätze schaffen.

Grundsätzlich gehen viele Konzerne mit dem Thema Arbeitsplatzabbau professioneller um als in früheren Zeiten, stellt Managementberaterin Knab-Hägele fest: "Der Trend geht weg von pauschalen Abbauprogrammen." Die Unternehmen schauten mittlerweile sehr genau darauf, worin ihre Schlüsselfunktionen liegen. Die Firmen achteten dabei nun nicht nur auf kurzfristige Effekte des Personalabbaus, sondern auf die langfristige strategische Ausrichtung.

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