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Wirtschaftsverbände kritisieren längere Abschreibungsfristen

Die Verbände sind unzufrieden und machen Druck: Längere Abschreibungsbedingungen seien "ein staatlich verordnetes Programm zur Drosselung der Investitionstätigkeit", sagte Rolf Felder vom VCI.

Reuters BERLIN. Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft haben sich gegen die geplante Verlängerung von Abschreibungsfristen (AfA) ausgesprochen. Jetzt stehe die Glaubwürdigkeit der Bundesregierung auf dem Spiel, sagte der Vizepräsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagebau (CVDMA), Diether Klingelnberg, am Montag vor der Presse in Berlin mit Blick auf jüngste AfA-Tabellen, die eine Verlängerung der Nutzungsdauer um 40 Prozent vorsähen. Das Finanzministerium hatte zuletzt allerdings versichert, die Verlängerung bei durchschnittlich zehn Prozent halten zu wollen, was zur Gegenfinanzierung der Steuerreform eine Mehrbelastung der Wirtschaft von 3,5 Milliarden DM bedeuten würde.

"Die Verlängerung der Abschreibungsbedingungen bedeutet im Ergebnis ein staatlich verordnetes Programm zur Drosselung der Investitionstätigkeit", sagte Rolf Felder, Steuerexperte des Verbands der Chemischen Industrie (VCI). Für den Verband der Automobilindustrie (VDA) warnte der Steuerexperte der DaimlerChrysler AG, Lutz Geschandtner, dass die Verlängerung der Nutzungsdauer bei Personenwagen um 40 Prozent auf sieben (von fünf) Jahren gerade beim Mittelstand Ersatzbeschaffungen mit entsprechenden Folgen für Produktion und Beschäftigung hinauszögern würden.

Christian Brunke, Vorsitzender des Finanz- und Steuerausschusses des Zentralverbands Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI), kritisierte insbesondere geplante längere Abschreibungsfristen bei PC von vier auf sechs Jahren, "obwohl alle 18 Monate eine neue Gerätegeneration auf den Markt kommt." Die Unternehmen würden hier gezwungen, in ihren Bilanzen Güter zu einem Wert auszuweisen, den diese gar nicht mehr hätten.

Bislang sei die Wirtschaft überhaupt nicht über die Pläne bei den AfA-Tabellen unterrichtet worden, sagte Klingelnberg. "Wir hoffen auf einen sachlichen Dialog." Nach den Informationen der Wirtschaftsverbände ist jetzt für November eine Anhörung der Betroffenen geplant. Er erinnerte daran, dass die vier Verbände bei einem Jahres-Umsatzvolumen von über eine Billionen DM mit gut 55 Milliarden DM zu den größten Investoren in Deutschland zählten. Die neuen Abschreibungstabellen sollen bereits am 1. Januar 2001 in Kraft treten.

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