Wirtschaftsverbände skeptisch
Bundesbank rechnet mit schwächerem Wachstum

Auch die Deutsche Bundesbank rechnet für dieses Jahr mit einem deutlich schwächeren Wirtschaftswachstum in Deutschland. Die Zentralbank reihte sich am Mittwoch in den Chor der skeptischen Stimmen ein, die die zunächst günstigen Erwartungen nach unten korrigiert.

dpa HAMBURG. "Die Abflachung der konjunkturellen Entwicklung in den USA darf man nicht unterschätzen", sagte Bundesbank-Chefvolkswirt Hermann Remsperger in Frankfurt.

Die Bundesregierung geht bisher von 2,6 bis 2,9 Prozent Wachstum aus. 2000 legte die deutsche Wirtschaft real um drei Prozent zu.

Nach Ansicht von Bundesbank-Präsident Ernst Welteke ist die Binnenkonjunktur in Europa zwar nach wie vor robust. Deutschland sei als zweitgrößte Exportnation aber stärker von der weltwirtschaftlichen Abkühlung betroffen als andere Länder des Euro- Gebietes. Die finanziellen Entlastungen aus der Steuerreform kämen jedoch dem Konsum und den Investitionen zu gute, so dass mit der Fortsetzung des Wachstumsprozesses auch in Deutschland gerechnet werden könne, meinte Welteke.

Der Wirtschaftsweise und Präsident des Weltwirtschaftsinstituts in Kiel, Horst Siebert, machte die Bundregierung für die derzeit pessimistische Stimmung in der Wirtschaft mitverantwortlich. Im Saarländischen Rundfunk sagte Siebert, die Regierung habe mit Maßnahmen wie dem Betriebsverfassungsgesetz die Unternehmer verunsichert. Er rechne in diesem Jahr mit einem Wachstum von 2,1 Prozent.

Europäische Wirtschaft kann sich nicht von USA abkoppeln

Dem wachsenden Konjunkturpessimismus von Verbänden und Instituten ist der Vorstandssprecher der Dresdner Bank, Bernd Fahrholz, entgegen getreten. Er gehe weiter von einem 2,5 prozentigem Wachstum in Deutschland aus, sagte Fahrholz am Rande des Deutschen Bankentages in Berlin. Die Skepsis, die sich in den letzten Wochen breitgemacht habe, teile er nicht. Allerdings habe die Entwicklung an den Aktienmärkten gezeigt, dass sich die europäische Wirtschaft nicht von den Vereinigten Staaten abkoppeln könne. "Es ist bleibt interessant zu sehen, wie sich die USA entwickelt."

Auf dem Arbeitsmarkt hinterlässt das abgekühlte Konjunktur-Klima zunehmend Bremsspuren. Die Arbeitsämter verzeichneten im März den schwächsten Frühjahrs-Aufschwung seit der deutschen Einheit. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit waren zum Frühlingsbeginn rund 3 999 600 Menschen ohne Beschäftigung. Dies waren 113 100 weniger als im Februar. Die Arbeitslosenquote sank von 10,1 auf 9,8 Prozent.

Arbeitsmarkt als ernster Vorbote für schwache Konjunktur

Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, sprach von "ersten Vorboten" der schwächelnden Konjunktur. "Die schwache Konjunktur stört den Arbeitsmarkt noch nicht, belebt ihn aber auch nicht", fügte der Chef der Nürnberger Bundesanstalt hinzu. Zugleich warnte Jagoda aber vor einer "Dramatisierung oder Resignation". Mehrere gesamtwirtschaftliche Eckdaten berechtigten zu Optimismus. Als Beispiel nannte Jagoda das "positive außenwirtschaftliche Umfeld" und die "stabilen Lohnstückkosten".

Dagegen blicken deutsche Wirtschaftsverbände nach einer Umfrage der "Bild"-Zeitung mit gedämpften Erwartungen auf das laufende Jahr. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes rechne mit einem Umsatzminus von 0,5 Prozent, wodurch 40 000 bis 60 000 Arbeitsplätze wegfallen könnten. Der Verband der Automobilindustrie meinte, bei bis zu 5 Prozent weniger Neuzulassungen von Kraftfahrzeugen würden kaum neue Einstellungen getätigt. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels hat seine Wachstumsprognose von 2,5 auf 2 Prozent reduziert. Positiver urteilte der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels, der mit einem Umsatzplus von 2 Prozent und rund 7 000 neue Jobs rechnet.

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