Wirtschaftswachstum soll allen Ländern zugute kommen
IWF und Weltbank fordern Abbau von Handelsbarrieren

Mit einem Bekenntnis zur Armutsbekämpfung und zur Stärkung des internationalen Finanzsystems ist der Weltfinanzgipfel in Prag zu Ende gegangen.

ap PRAG. Die Mitglieder von IWF und Weltbank seien sich einig, dass Vorteile der Globalisierung allen Ländern der Welt zugute kommen müssten, sagten IWF-Exekutivdirektor Horst Köhler und Weltbankpräsident James Wolfensohn am Donnerstag nach Abschluss der Tagung. Sie forderten, die Industriestaaten müssten ihre Handelsbarrieren abbauen. Nach Einschätzung Köhlers bleiben die Aussichten für die Weltkonjunktur trotz hoher Ölpreise und Wechselkursschwankungen positiv.

Übereinstimmend verurteilten Köhler und Wolfensohn die Ausschreitungen zu Beginn des Gipfels. Köhler sagte, die 182 IWF-Mitglieder seien sich einig, dass Wirtschaftswachtum allen zu Gute kommen müsse. Er wünsche sich, dass die Parlamente der Industrieländer mehr über die Öffnung der Märkte diskutierten. Auch in der Welthandelsorganisation (WTO) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) solle über das Thema gesprochen werden. Stabiles Wachstum setze einen Abbau von Handelsbarrieren voraus. Damit die Vorteile der Globalisierung allen zugute kämen, sei eine Weltethik notwendig.

Im ARD-Morgenmagazin plädierte Köhler am Donnerstag für eine grundlegende Reform des IWF. Er sagte: "Wir brauchen ein Klima der Kooperation und dürfen nicht nur die Interessen der reichen Länder im Auge haben." Es sei eine der Hauptaufgaben, den armen Ländern zu helfen und die Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern.

Lob für Intervention zu Gunsten des Euros

In Prag betonte Köhler, der IWF werde dem Währungssystem größere Aufmerksamkeit widmen. Die Stabilität des internationalen Finanzsystems sei entscheidend für die Entwicklung der Weltwirtschaft. Die Märkte brauchten Führung und Regeln. Dies bedeute aber nicht, dass der IWF eine Art Superbehörde für Wechselkurse werden wolle.

Nach Einschätzung Köhlers hat die Intervention der wichtigsten Notenbanken der Welt zu Gunsten des Euros die Risiken für die Weltkonjunktur auf Grund von Währungsturbulenzen verringert. Die künftige Rolle des Euros werde aber entscheidend von Strukturreformen im Gebiet der gemeinsamen europäischen Währung abhängen, die das Wachstum beschleunigen müssten.

Eine Erweiterung der Entschuldungsinitiative für die ärmsten und am höchsten verschuldeten Länder der Welt (HIPC) steht nach Worten Wolfensohns nicht an. Derzeit gehe es darum, die Initiative umzusetzen. Er hoffe, dass bis Ende des Jahres 20 Länder beteiligt werden könnten. Derzeit sind es zehn. Der Forderung nach neuen Mitteln des IWF für vom hohen Ölpreis besonders betroffene Entwicklungsländer erteilte Köhler vorerst eine Absage. Der IWF werde aber die Auswirkungen auf die Staaten beobachten, sagte er.

Nach Einschätzung Wolfensohns und Köhlers erzielten die Globalisierungsgegner mit ihren gewaltsamen Protesten keinen Sieg auf der Straße. Sie hätten vielmehr dem Anliegen der friedlichen Kritiker enorm geschadet, sagte Wolfensohn. Köhler sagte, die Gewalttäter hätten wegen ihres Verhaltens jegliche Unterstützung in der Bevölkerung verloren. Das Verhalten der Polizei bei den gewaltätigen Ausschreitungen sei vorbildlich gewesen, sagten Köhler und Wolfensohn übereinstimmend.

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