Wirtschaftswissenschaftler der TH Aachen entwickelt neuen Psycho-Test für Anleger
Aktionäre in der Psychofalle

Auf der Jagd nach Traumrenditen scheitern viele Anleger an einer besonders schwierigen Hürde: der eigenen Psyche. Bei Kursschwankungen ihrer Wertpapiere geraten fast alle in einen verhängnisvollen Strudel der Emotionen und machen Fehler, die sie oft teuer zu stehen kommen. Das hat der Wirtschaftswissenschaftler Rüdiger von Nitzsch von der Technischen Hochschule Aachen herausgefunden und ein neues psychologisches Testprogramm für das Internet entwickelt.

ap HAMBURG. Das Programm soll Börsianern die eigenen Schwächen deutlich machen und den Anlageerfolg steigern. Wer seine Emotionen im Griff hat, der wird an der Börse erfolgreicher sein als jemand, der sich seinen Gefühlen überlässt, sagt der Experte, der auch schon den Vorläufer des neuen Tests entwickelt hatte.

Unter der Internet-Adresse www.boersen-coach.de finden Anleger ein umfangreiches Testprogramm, anhand dessen sie ihr psychologisches Profil ermitteln können. Es beinhaltet 40 Fragen zu Themen wie Risikobereitschaft, Renditeerwartung oder Aktienauswahl. Nach dem rund 15-minütigen Tests erfährt der Testkandidat, ob er zu riskant oder zu zögerlich handelt, wie es um sein Börsenwissen bestellt ist und zu welchen Fehlern er neigt.

Entscheidend ist der Anlegertyp

Der Wissenschaftler unterscheidet mehrere Anleger-Typen: Da ist zunächst der vorschnell Handelnde. Er hat ein Informationsdefizit, entscheidet hastig und ist leicht durch allgemeine Börsentrends beeinflussbar. "Dieser Typus denkt schematisch, folgt oft einem schon angelaufenen Trend und zahlt so nicht selten einen viel zu hohen Einstandspreis", sagt von Nitzsch. Der zweite Typus ist der Einstandsorientierte. Er hat typischerweise zu jeder einzelnen Aktie ein Konto im Kopf und will unbedingt jedes dieser Konten mit Gewinn abschließen. Dadurch ist dieser Anleger oft nicht bereit, ein laufendes Engagement mit Verlust zu beenden, auch wenn es dringend erforderlich wäre, sagt von Nitzsch.



Emotionale Risiken können minimiert werden

Der dritte Anlegertyp hängt zu sehr an seinen Entscheidungen und kann sich nur schlecht eingestehen, dass er bei seiner Anlage etwas verkehrt gemacht hat. Er überschätzt die Gewinnchancen seiner Verlustaktien und beachtet nur Informationen, die ihm gelegen kommen. Damit läuft er Gefahr, im Extremfall einen Totalverlust hinnehmen zu müssen. "Wer keine eigenen Fehler zugeben kann, hat bereits zwei neue Fehler gemacht, denn erstens lernt er nicht aus der Vergangenheit und zweites läuft er Gefahr, dass auch künftige Entscheidungen unvernünftig ausfallen", beschreibt von Nitzsch das Problem.

Der Test des Börsen-Coach entstand nach Erkenntnissen des sogenannten Behavioral Finance, einer neuen Forschungsrichtung, die die Psychologie an den Finanzmärkten untersucht. Rüdiger von Nitzsch, der zu den prominentesten Vertretern dieses Forschungszweiges zählt, empfiehlt den Test jedem Anleger. "Alle Börsianer, ob Profi oder Hobbyanleger, machen mehr oder weniger die genannten Fehler", sagt der 40-Jährige. Und ausnahmslos alle überschätzen ihre eigene Prognosefähigkeit zur Börsenentwicklung. Wer jedoch ehrlich zu sich selbst sei und seine emotionalen Reaktionen genau beobachte, der habe gute Chancen, die emotionale Risiken zu minimieren und erfolgreicher zu sein.

Auch Consors bietet den Psychotest

Über 100 000 Anleger haben den Vorläufer des aktuellen Tests bereits absolviert. Seine psychologischen Anlegertests vermarktet der Experte mittlerweile über eine eigene Firma aixigo ag, die bereits 26 Mitarbeiter zählt. Soeben hat beispielsweise der Discountbrocker Consors den Psychotest in sein Internet-Angebot aufgenommen. Derzeit arbeitet von Nitzsch an der Entwicklung einer Investor-Akademie im Internet, bei der Börsianer ihr Wissen testen und erweitern können. Von Nitzsch ist überzeugt, dass der Bedarf dafür enorm ist. Die Ahnungslosigkeit ist unter Anlegern weit verbreitet.



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