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Wirtschaftswissenschaftler Hickel: Arbeitszeitdebatte abenteuerlich

Der Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel hat die Debatte über längere Arbeitszeiten zur Ankurbelung der Konjunktur als „abenteuerlich“ bezeichnet. In der Diskussion werde unterstellt, dass die zur Auslastung der höheren Produktion nötige Nachfrage mitsteigen werde.

dpa BERLIN. Der Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel hat die Debatte über längere Arbeitszeiten zur Ankurbelung der Konjunktur als "abenteuerlich" bezeichnet. In der Diskussion werde unterstellt, dass die zur Auslastung der höheren Produktion nötige Nachfrage mitsteigen werde.

"Das ist ein schwerer Fehler", sagte Hickel in einem dpa-Gespräch. "Ein Handwerker, der länger arbeitet, hat dadurch nicht mehr Aufträge." 63 Prozent der Bundesbürger halten allerdings eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden für ein geeignetes Mittel zur Konsolidierung der Staatsfinanzen und zur Wirtschaftsbelebung. Das ergab eine repräsentative polis-Umfrage im Auftrag der dpa. Vom 8. bis 10. November hatte das Meinungsforschungsinstitut 1 006 Telefoninterviews geführt.

Hickel argumentierte, längere Arbeitszeiten könnten zwar zu niedrigeren Arbeitskosten pro Stunde führen. Es sei jedoch ein "hinterhältiges Argument", dass damit auch die Preise sänken und die Nachfrage steige: "Man kann nicht beides haben: Wenn ich die Kostensenkung durch Arbeitszeitlängerung in Preissenkungen weitergebe, habe ich zwar mehr verkauft. Am Ende bleibt aber kein höherer Gewinn."

Das Problem der hohen Arbeitslosigkeit werde durch längere Arbeitszeiten nicht gelöst, befürchtet der Wirtschaftsexperte. Wegen der fehlenden Nachfrage würden weitere Arbeitsplätze abgebaut. Die Beschäftigung werde verdichtet und auf weniger Schultern verteilt. Als hoch entwickeltes Industrieland könne Deutschland auch gegenüber dem Ausland seine Chancen nicht in der Senkung von Lohnkosten suchen, um mit Billiglohnländern zu konkurrieren. "Wir können nur gewinnen, wenn wir besonders innovationsfähig sind - mit modernen Produkten wie dem Maschinenbau und der Lasertechnologie."

Die Diskussion um längere Arbeitszeiten war zuletzt von der Bundesregierung provoziert worden, die den Tag der Deutschen Einheit vom 3. Oktober auf einen Sonntag verlegen wollte. Nach Protesten wurde dieses Vorhaben aufgegeben. Laut dpa-polis-Umfrage glaubt ohnehin nur jeder fünfte (21 Prozent) Deutsche, dass sich die Streichung eines Feiertags positiv auf Konjunktur und Steuereinnahmen auswirken würde. Für das Nachrichtenmagazin "Focus" fanden die polis- Meinungsforscher heraus, dass 31 Prozent der Befragten am ehesten den 1. Mai als arbeitsfreien Tag opfern würden. 20 Prozent entschieden sich für Christi Himmelfahrt, 13 Prozent für Pfingstmontag, ergab die Umfrage unter 510 Berufstätigen.

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