Wirtschaftswoche stellt Internetmagazin E-Business ein – „Net-Business“ gewinnt 3000 neue Abonnenten
Marktbereinigung bei Internetzeitschriften hält an

Die Krise der Internetwirtschaft macht auch den New-Economy-Zeitschriften schwer zu schaffen. Gestern gab die Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH, Düsseldorf, bekannt, dass das im März eingeführte Magazin Wirtschaftswoche "E-Business" mit der Ausgabe von 2. Juli eingestellt worden ist.

hps/pos/tel DÜSSELDORF. Handelsblatt-Geschäftsführer Harald Müsse begründete den Schritt mit dem sich stetig verschlechternden und rückläufige Werbevolumen vor allem in der IT- und Investitionsgüterindustrie. Für die 39 Redakteure und sechs Verlagsmitarbeiter werde man sich intern um andere Arbeitsplätze bemühen oder mit ihnen faire Aufhebungsvereinbarungen abschließen, heißt es seitens der Verlagsgruppe. "E-Business" hatte bei einer garantiert verbreiteten Auflage von 50 000 Exemplare durchschnittlich 25 000 bis 30 000 Exemplare verkauft. Bereits im Juni war das Internet-Magazin "Business 2.0" aus dem mittlerweile aufgelösten Future-Verlag eingestellt worden.

Angesichts der Marktbereinigung führt der Titel "Net Business" nun das Feld der Internetmagazine in Deutschland an. Die im der Verlagsgruppe Milchstrasse erscheinende Zeitung hat bereits im Winter auf die Krise der New Economy reagiert und sich einen harten Sparkurs verordnet. Außerdem wurde die Erscheinungsweise von wöchentlich auf 14-tägig umgestellt.

Im Frühjahr gab es dann Entlassungen. Verleger Dirk Manthey erklärte gestern jedoch: "Wir verzeichnen einen deutlichen Anstieg bei der Abo-Auflage." Laut Manthey seien in den letzten zwei Monaten 3000 neue Abonennten gewonnen worden. Derzeit läge die Auflage bei etwa 25 000. Vor einen Jahr allerdings lag die Auflage noch bei 30 460 Exemplaren. Obwohl das Blatt noch Verluste macht, beruhigt Manthey: "Die roten Zahlen sind nicht dramatisch." Die Anzeigenverluste durch Internet-Firmen seien durch die Old Economy aufgefangen worden.

Trotz oder vielleicht gerade wegen der Bereinigung im Markt der Internet-Magazine hält der Verlag des "Manager-Magazins", Hamburg, daran fest, im September mit den neuen Titel "Net-Manager" zu kommen. Bei einer Erscheinungsweise von 4mal jährlich und einem Vertrieb, der wesentlich über die Abonnenten des "Manager-Magazins" läuft, sieht die stellvertretende Chefredakteurin Ursula Schwarzer gute Chancen für den Titel.

"Cybiz" aus der Verlagsgruppe Deutscher Fachverlag, Frankfurt, sieht sich als Fachtitel etwas anders positioniert. Auch wenn die Anzeigenflaute insgesamt spürbar sein, sei sich das Objekt von der Internetkrise nicht so betroffen, so Anzeigenleiterin Heidrun Dangl. Das vor eineinhalb Jahren lancierte Objekt hat bei einer verbreiteten Auflage von rund 76 000 Exemplare mittlerweile mehr als 13 000 Abonennten.

Der Münchner Condé Nast Verlag dagegen hat noch keine Entscheidung getroffen, ob er eine deutsche Ausgabe des US-Magazins "Wired" noch auf den Markt bringen will. Es gebe nur Überlegungen, erklärte gestern Unternehmenssprecher Markus Schönmann. Die Zurückhaltung ist verständlich, denn die Flaute der New Economy-Magazine hinterlässt in den USA bereits seit Jahresende kräftige Spuren.

Das Wirtschafts- und Technologie-Magazin "Red Herring", Leib- und Magenblatt der Venture-Capital-Szene im kalifornischen Silicon Valley, strich im Oktober 7 % der Stellen, dabei sah es zu diesem Zeitpunkt oberflächlich betrachtet noch gut aus. Eine der 2000er Ausgaben von Red Herring war gar mehr als 600 Seiten stark. Auch das Magazin "Business 2.0" konnte die Werbeeinnahmen im Boomjahr 2000 glatt verdoppeln, als die Web-Wirtschaft noch Millionen-Dollar-teure Werbe- und Image-Kampagnen schaltete.

Schon im Dezember sackte beim Standard der Anzeigenverkauf aber um über 40 %, im Januar ging es weiter bergab und eine Erholung ist nicht in Sicht. Für "Business 2.0" endete die Selbstständigkeit im Juni. Der US-Verlag Future Network verkauft sein Flaggschiff an den Mediengiganten AOL Time Warner, der einen Partner für sein lahmendes Magazin "Ecompany Now" suchte.

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