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Wissensbilanz als Instrument zur Verbesserung der Bonität mittelständischer Unternehmen

Anlässlich der Eröffnung der internationalen Konferenz "Wissensbilanz - ...

Anlässlich der Eröffnung der internationalen Konferenz "Wissensbilanz - Made in Germany" in Berlin hat Rezzo Schlauch , Parlamentarischer Staatssekretär beim BMWA, die Wissensbilanz als geeignetes Instrument vorgestellt, um einen Einblick in den wahren Wert und das Erfolgspotenzial eines Unternehmens zu ermöglichen. Die Wissensbilanz helfe nicht nur den Unternehmen bei der internen Steuerung ihres Intellektuellen Kapitals, sondern schaffe auch Transparenz gegenüber Kreditgebern, Partnern und Kunden. Dies erleichtere die Kreditaufnahme und senke Finanzierungskosten, so Schlauch , denn in der Informations- und Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts entschieden neben harten Fakten zunehmend immaterielle Vermögenswerte über den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen und die Zukunftsfähigkeit von Standorten.
Im Rahmen eines im Auftrag des BMWA durchgeführten Pilotprojekts haben in den letzten Monaten 14 deutsche mittelständische Unternehmen aus verschiedenen Branchen erstmals eine Wissensbilanz erstellt. Unterstützung kam dabei von dem Arbeitskreis Wissensbilanz, einem international besetzten Expertenteam.
Die Ergebnisse des Projekts und ein eigens für kleine und mittlere Unternehmen entwickelter Leitfaden zur Erstellung einer Wissensbilanz sind am 20. und 21. 9. 2004 auf der Internationalen Konferenz "Wissensbilanz - Made in Germany" in Berlin vorgestellt worden. Mit dem Leitfaden steht allen interessierten Unternehmen eine Anleitung zur Verfügung, die die einzelnen Entstehungsschritte einer Wissensbilanz ausführlich und leicht nachvollziehbar dokumentiert. Er soll als Hilfsmittel für Unternehmen dienen, um deren spezifische Stärken transparent zu machen und gezielt weiterzuentwickeln.
Wissensbilanzen weisen die erfolgskritischen immateriellen Vermögenswerte einer Organisation aus. Sie können sich an alle für die Organisation wichtigen internen und externen Interessengruppen und Personen als Adressaten wenden. Intern sind das neben der Geschäftsführung und dem Management vor allem die Mitarbeiter und Organisationseinheiten, während sich die Wissensbilanz für externe Zwecke meist an Kapitalgeber, potenzielle Mitarbeiter, Kunden und Partner richtet.
Für die Erstellung einer Wissensbilanz gibt es ganz unterschiedliche Motivationen. Das BMWA nennt hier:
Systematische Steuerung der Organisation:
Jedes systematische Management des Intellektuellen Kapitals hängt von dessen Messung und Bewertung ab. Ohne entsprechende Instrumente wird die zukünftige Entwicklung dem Zufall oder der guten Intuition Einzelner überlassen.
Akquisition von Kapital:
Je transparenter eine Organisation ist, desto geringer wird das Risiko für den Kapitalgeber. Er kann nachvollziehen, wie Ressourcen investiert werden und wo die Wertschöpfung entsteht. Einen Grenzwert bei der Transparenz bildet der Wettbewerb, dem man vielfach nicht vollständige Informationen zubilligt.
Erfüllung von rechtlichen Anforderungen:
Nationale und internationale Rechnungslegungsstandards (z. B. IAS 38, der DRS 12 und E-DRS 20) empfehlen bereits den Ausweis des Intellektuellen Kapitals im Anhang an die klassische Bilanz.
Mitarbeiterrekrutierung und-bindung:
Die Jagd nach sog. "High Potentials" zeigt, dass zwar finanzielle Aspekte für Mitarbeiter eine große Rolle spielen, aber auch immer mehr immaterielle Faktoren wie der Ruf des Unternehmens in der Öffentlichkeit, das fachliche Know-how, Aufstiegschancen, die Unternehmenskultur und das damit verbundene Arbeitsklima entscheidend sind.
Entwicklung von Kooperationen:
Die Entwicklungen globaler Wertschöpfungsketten erfordern eine deutlich verbesserte Kommunikation mit dem Geschäftsumfeld. Aussagekräftige Informationen über das Know-how, die Unternehmenskultur und bestehende Beziehungen zum Markt spielen bei der Entwicklung einer nachhaltigen Geschäftsbeziehung eine entscheidende Rolle.
Kundenakquisition und-bindung:
Kunden wollen wissen, bei wem sie ein Produkt oder eine Dienstleistung erwerben. Mehr Transparenz und Sicherheit bezüglich der Werbeversprechen durch Nachweis von Zahlen und Fakten zu den versprochenen Leistungen und Kompetenzen sind ein wichtiges Argument bei der Akquisition von Neukunden und der Bindung von Stammkunden.
Der Struktur des Intellektuellen Kapitals folgend wird im Rahmen der Wissensbilanz unterschieden in Humankapital (Mitarbeiter-Kompetenzen, Mitarbeiter-Verhalten, etc.), Strukturkapital (IT, Geistiges Eigentum, Organisationskultur, Prozessorganisation etc.) und Beziehungskapital (Kundenbeziehungen, Lieferantenbeziehungen, Beziehungen zur Öffentlichkeit etc.). Diese Struktur wird derzeit meist dazu verwendet, das immaterielle Vermögen einer Organisation mit Hilfe von Indikatoren zu beschreiben. Monetäre Gesamtbewertungen zielen dagegen auf die Ermittlung des gesamten immateriellen Vermögens von Organisationen in Geldwerten ab. Neuere Ansätze, wie eben auch das vom BMWA vorgestellte Wissensbilanzmodell des Arbeitskreises Wissensbilanz (AK-WB) zur Bewertung und Steuerung des Intellektuellen Kapitals versuchen diese Aspekte sowie einen operativen Bezug zum Tagesgeschäft (den Geschäftsprozessen) mit einzubeziehen.
Der Leitfaden 1.0 zur Erstellung einer Wissensbilanz kann im Online-Bestellservice des BMWA bestellt, im PDF-Format heruntergeladen oder unter folgender Adresse angefordert werden: Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA), Versandservice, Postfach 30 02 65, 53182 Bonn, Bestell-Fax: (02 28) 42 23-462, Telefon: (01888) 6 15-4171, E-Mail: bmwa@gvp-bonn.de.

Quelle: DER BETRIEB, 22.09.2004

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