Wissenschaft mit gutem Ruf
Das litauische "Silicon Valley"

Dass Unternehmen aus Litauen im Bereich der Biotechnologie international für Furore sorgen, dürfte bisher nur einem kleinen Interessentenkreis bekannt gewesen sein. Doch schon zu Zeiten der Sowjetunion erfreuten sich litauische Wissenschaftler eines ausgesprochen guten Rufs.

bfai VILNIUS. Besonders wenn es darum ging, ihre in zahlreichen High-Tech-Sparten gewonnenen Forschungsergebnisse in die Praxis umzusetzen, waren die litauischen Wissenschaftler führend. Unter Insidern wurde deshalb der sich in den Universitätsstädten Vilnius und Kaunas entwickelnde Cluster schon früher als ein "kleines Silicon Valley" bezeichnet.

Trotz der aus der Sowjetära herübergeretteten Vorschusslorbeeren benötigte auch eines der heute im Land führenden Biotech-Unternehmen, Fermentas, nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1990 einige Zeit, bis es sich in dem veränderten Umfeld neu orientiert hatte. Für Viktoras Butkus, Fermentas' Vorstandschef damals wie heute, ging es dabei zu Beginn der 1990er Jahre vor allem um Mittel und Wege, die buchstäblich über Nacht weggefallenen üppigen Zuweisungen aus dem Staatshaushalt in geeigneter Weise zu kompensieren.

Dank seiner qualitativ anspruchsvollen und konkurrenzfähigen Erzeugnispalette ist das Unternehmen, dass sich auf die Erforschung und Produktion von verschiedenartigen Enzymen spezialisiert hat, dieser Zwickmühle vergleichsweise problemlos entkommen. Mehr noch, Butkus zufolge hat es sich mittlerweile zu einer florierenden Biotech-Firma entwickelt, die - mit steigender Tendenz - regelmäßig Kunden in nahezu 60 Staaten der Erde beliefert.

Trotz dieser von einer jährlichen Umsatzsteigerung von 20 bis 30% begleiteten Expansion konnte Fermentas seine finanzielle Unabhängigkeit über die Jahre hinweg wahren. Zwischenzeitlich habe es zwar das eine oder andere finanziell lukrative Beteiligungsangebot von Fondsgesellschaften gegeben, doch Butkus gibt gegenüber der bfai mit einem stolzen Gesichtsausdruck zu Protokoll, dass er und seine Direktoriumskollegen bisher noch gegenüber allen derartigen Avancen immun geblieben wären.

Der Vorstandsvorsitzende von Fermentas ließ in einem Interview jedoch auch durchblicken, dass damit die Option, einen Venture-Fonds oder eine andere finanzstarke Beteiligungsgesellschaft mit ins Boot zu nehmen, nicht für alle Ewigkeit vom Tisch sein muss. "Vorerst jedoch", so Butkus, "steht die Wertsteigerung des Unternehmens noch eindeutig im Vordergrund."

Seinen lange Zeit ausschließlich litauisch geprägten Aktionärsstamm hat Fermentas unterdessen zu 30 % "internationalisiert". Seit 2003 liegen sämtliche Fäden der Unternehmensführung in den Händen der im kanadischen Bundesstaat Ontario gegründeten Holding Fermentas International. Neben der am Rande von Vilnius gelegenen 3.000 qm umfassenden Forschungs- und Produktionsstätte sind sämtliche Vertriebskanäle, die im Ausland in eigener Regie oder in Kooperation mit örtlichen Partnern betrieben werden, unter dem Dach der Holding zusammengeführt worden.

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