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Wissenschaftler: Bündnisse für Arbeit schwächen Gewerkschaften

Betriebliche Bündnisse für Arbeit sichern zwar Beschäftigung, schwächen nach Expertenmeinung aber Gewerkschaften und gefährden langfristig Flächentarifverträge.

dpa JENA. Betriebliche Bündnisse für Arbeit sichern zwar Beschäftigung, schwächen nach Expertenmeinung aber Gewerkschaften und gefährden langfristig Flächentarifverträge.

"Mit den betrieblichen Vereinbarungen werden immer geltende Tarifbestimmungen außer Kraft gesetzt", sagte Rudi Schmidt, Soziologe der Universität Jena, in einem dpa-Gespräch. Es sei zu befürchten, dass diese Ausnahmeregelungen immer mehr zur Normalität würden und die Flächentarifverträge damit an Bindungskraft einbüßten. "Je schlechter die Wirtschaft wird, desto löchriger wird der Käse."

Mit den Bündnissen für Arbeit verzichten Gewerkschaften oder Betriebsräte im Namen der Arbeitnehmer auf meist fünf bis 20 Prozent Geld, etwa durch Streichung von Zulagen oder längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich. Im Gegenzug dafür werden Arbeitsplätze erhalten, im besten Fall übt auch die Firmenleitung Verzicht. "Bei der Unterschrift solcher Abmachungen heißt es immer, dass sie vorübergehend sind", sagte der Professor. "Es ist aber zu befürchten, dass die Unternehmensleitung auch später nicht zu den ursprünglichen Vereinbarungen zurückkehren will. Etwa mit dem Hinweis, die Rahmenbedingungen hätten sich geändert."

Wenn in sehr vielen Firmen permanente Ausnahmen zu den Flächentarifen bestünden, hätten Gewerkschaften wenig Druckmöglichkeiten, diese in den verbleibenden Unternehmen durchzusetzen, sagte Schmidt. "Die tarifliche Bindungskraft hängt von der Menge der geschlossenen Tarifverträge ab." Zuletzt hätten nicht mehr nur viele Mittelständler, sondern auch Großkonzerne die Bündnisse für Arbeit als Ausweg aus der Krise gesucht, sagte Schmidt. Bündnisse für Arbeit waren Hauptthema einer Tagung der German Industrial Relations Association (Gira) kürzlich in Jena.

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