Wissenschaftliche Computeranalyse soll Anlegern aus Sackgasse helfen
Depot vom Nobelpreisträger umschichten lassen

Noch vor wenigen Monaten hatten Börsenanalysten richtig viel Macht. Erklärten sie eine Aktie für aussichtsreich, rannten Privatanleger los und kauften wie wild. Gesenkte Daumen gab es selten.

ap MÜNCHEN. Derzeit gibt kaum ein Hobbybörsianer noch einen Pfifferling auf die Meinung einstiger "Gurus". Zu groß sind die Verluste, auf denen Tausende nach riskanten Fehlkäufen sitzen blieben. Händeringend gesucht werden jetzt objektive Ratschläge und bodenständige Strategien, wie man aus dem Tal der Tränen herauskommt, wenn die Börse wieder anspringt.

Zum neuen "Guru" verunsicherter Anleger könnten Angebote zur Depotoptimierung werden, also das professionelle Aussortieren von Flops und das Herauspicken von Werten mit Zukunft. Fast jede Direktbank versucht derzeit, orientierungslosen Kunden wieder ein wenig zur Seite zu stehen. Bei Consors kann man seine Aktienbestände beispielsweise seit neustem per Mausklick nach Risiko und Chancen grob einordnen lassen.

Doch auf das Beratungsparkett wagen sich Direktbanken ungern. Nach dem professionellen Blick auf das geballte Depot-Elend bleiben Hobbybörsianer in der Regel erneut ratlos zurück. Dabei müssten viele spontan "auf Empfehlung" zusammengekaufte Bestände dringend entrümpelt oder wenigstens vom riskanten High-Tech-Überhang befreit werden, wie Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Stuttgart meint.

Der solide Aktienmix senkt das Risiko

Geht es um konkrete Tipps zur Neuausrichtung, zeigt sich die Münchner DAB Bank schon mutiger - und besinnt sich des altgedienten Ansatzes eines Nobelpreisträgers, der da vereinfacht lautet: Leg nicht alle Eier in einen Korb, dann verlierst du nicht alles, wenn der Korb zu Boden fällt.

Was der US-Wirtschaftswissenschaftler Harry Markowitz schon 1952 als Leitlinie zur Risikostreuung entwickelte, wurde 1990 mit dem Nobelpreis für Ökonomie ausgezeichnet. Seine Idee, dass der solide Aktienmix das Gesamtrisiko senkt und zugleich die Rendite erhöht, wird jetzt in harten Börsenzeiten selbst von den risikofreudigsten Zockern so richtig schätzen gelernt. Auch wenn harte Schnitte richtig weh tun können.

Wer also wissen will, ob und wie sein eher laienhaft zusammengestelltes Depot jemals eine Erholungschance hat, kann sich Rat von Markowitz holen. Was der Wissenschaftler nur theoretisch erforschte, setzen bei der DAB-Analyseaktion schnelle Computer in die Praxis um. Ob DAB-Kunde oder nicht: Für zehn Euro lässt die Münchner Direktbank Depots von speziell gefütterten Rechnern checken. Dabei wird dann auch berechnet, wie sich beispielsweise die Telekom-Aktie verhält, wenn Preussag fällt, wenn Lufthansa steigt oder BMW auf der Stelle tritt. Neben diesem Beziehungsgeflecht spielen auch Ertragserwartungen und Kurszielprognosen eine Rolle. Der Anleger erfährt zum Schluss, ob "seine" Aktien optimal gemischt sind. Oder ob er schleunigst umschichten sollte, um sein Risiko zu drücken.

Keine Garantie

Und auch das "Wie" wird gezielt beantwortet. Empfehlungen, den Bestand an bestimmten Auto-Aktien beispielsweise von 30 auf 50 Stück aufzustocken oder neu zu kaufen, dafür den Wert x aus der Halbleiterbranche komplett loszuschlagen, werden mit der Analyse mitgeliefert.

Ob der Anleger die Ratschläge befolgt, bleibt natürlich ihm überlassen. Auch Aktienfonds können durch die Markowitz-Methode geprüft werden. Allerdings können nur Depotbestände unter die Lupe genommen werden, die an deutschen Börsen notiert sind, wie DAB betont. Die Aktion läuft noch bis zum 22. Oktober.

Auch die Zeitschrift "Capital" hat vor einigen Wochen bereits versucht, verunsicherten Anlegern mit der computergestützten Markowitz-Methode auf die Sprünge zu helfen. Mehr als 7 000 Bürger legten daraufhin ihr Aktienportfolio offen, wie die Redaktion berichtet. In den meisten Fällen habe es schon gereicht, wenige Titel umzuschichten, um die Struktur auf Vordermann zu bringen. Zumindest theoretisch. Garantieren kann niemand, ob auch das ausgeklügelste Forscherkonzept letztendlich hält, was es verspricht.

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