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Wissensmanagement: Hype oder Herausforderung ?

Es nicht lange her, dass der Begriff Wissensmanagement von vielen als Modeerscheinung abgetan worden ist. Inzwischen hat man jedoch schmerzlich erkannt, dass wir zwar in einer Informationsgesellschaft leben, diese jedoch keineswegs gekennzeichnet ist durch die Verfügbarkeit von jedweder Information zur rechten Zeit am rechten Ort.

REUTLINGEN. Vielmehr erleben wir nicht zuletzt durch das Internet, aber auch durch die allenthalben installierten Intranets ein schier erdrückendes und unüberschaubares Informationsüberangebot. Der Datenwust hängt uns wie ein Klotz am Bein: Stillstand und Lähmung statt Dynamik und Flexibilität. Dringend müssen wir uns deshalb von der Informationsgesellschaft zu einer Wissensgesellschaft weiterentwickeln. Dazu benötigen wir Wissensmanagement.

Beim Wissensmanagement geht es also nicht nur um das Speichern von reinen Informationen, sondern auch um deren Verwertung. Informationen an sich haben keinen Wert. Sie müssen in einen Kontext gestellt, vernetzt und interpretiert werden, dann erst wird aus ihnen Wissen, das uns erlaubt, Entscheidungen zu treffen und danach zu handeln.

Wissensmanagement ist allumfassend

Im Gegensatz zu den vielen Eintagsfliegen im Bereich der Managementlehren wie z.B. Re-Engineering und Lean Production handelt es sich beim Wissensmanagement übrigens erstmals um ein Managementthema, das nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die gesamte Gesellschaft betrifft. Wissensmanagement hat nämlich bei konsequenter Umsetzung eine Reihe konkreter Implikationen:



? Mitarbeiter in den Unternehmen müssen bereit sein, ihr Wissen zu teilen. Sind die Mitarbeiter heute eigentlich schon soweit?



? Jeder muss heute zu lebenslangem Lernen bereit sein. Wer heute nicht lernt, gehört morgen leider zum alten Eisen - unabhängig von seinem Berufsbild und seiner Branche. Was macht die Gesellschaft aber mit denen, die nicht lernen wollen oder können?



? Mitarbeiter verfügen durch den Zugriff auf Datenbanken oftmals über mehr Wissen als ihre Vorgesetzten. Bürger wissen über das Internet mehr, als manche Politiker von ihren Stabstellen erfahren. Was bedeutet diese Umkehrung der Wissenshierarchie für unsere Gesellschaft?

Wissensorientierte Systeme

Damit ist nur ein Bruchteil der gesellschaftlichen Aspekte angerissen, um die es beim Wissensmanagement u.a. geht. Ein weiterer sehr wichtiger Themenkomplex ist die Entwicklung der EDV weg von informationsorientierten Systemen hin zu wissensorientierten Systemen. Dabei spielt neben dem Speichern von Informationen verstärkt das Wiederfinden dieser Informationen mit den jeweils dazugehörigen Assoziationen eine wichtige Rolle. Wann werden beispielsweise endlich aus den Suchmaschinen im Internet "Findemaschinen", die dem Anwender nicht bei der Suche, sondern beim Finden von Informationen unterstützen? Die Suchmaschinen-Antwort "Sie haben 344 476 Treffer" ist zwar EDV-technisch interessant und statistisch imposant, bei der Suche nach konkreten Informationen jedoch völlig nutzlos.

Erste technologische Konzepte und Lösungen für intelligente Such- bzw. Findemaschinen, die beim Data-Mining auch das Anforderungsprofil des Informationssuchenden berücksichtigen, gibt es übrigens bereits.

WM muss sich an Unternehmensorganisation orientieren

Über die vielen IT-Ansätzen im Bereich des Wissensmanagements kommt leider häufig die Organisation zu kurz. Oft erleben wir die falsche Reihenfolge, nämlich, dass aus starren, vorgegebenen IT-Lösungen Wissensmanagement-Konzepte entwickelt werden. Anschließend ist dann die Unternehmensorganisation an diese Konzepte anzupassen - ein Ansatz, der eigentlich völlig überholt ist. Vielmehr sollten zuerst strategische Wissensziele definiert werden wie beispielsweise ein verbesserter Wissensfluss, gesteigerte Wissensschaffung usw. Danach sollte eine Optimierung der Organisationsstrukturen im Hinblick auf diese Wissensziele folgen. Erst wenn das geschehen ist, kann die Frage gestellt werden, ob und wie diese Konzepte sich mit Hilfe von IT-Lösungen unterstützen lassen - beim Bau eines Hochhauses beispielsweise beginnt man schließlich auch nicht mit dem Penthouse. Zunächst ist ein gutes Fundament erforderlich, und das ist im Wissensmanagement die Organisationsbasis. Auf diese Basis kann dann Stein für Stein aufgesetzt werden, bis hin zur Realisierung komplexer IT-gestützter Wissensmanagement-Lösungen.

Wie wird das Wissensmanagement die Zukunft der Wirtschaft beeinflussen?

Zunächst sind jene Unternehmen gefordert, die Lösungen oder Beratungsleistungen anbieten. Die Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind, werden in den nächsten Jahren beeindruckende Wachstumszahlen erreichen. Wiederum werden Unternehmen, die sich als Anwender mit dem Wissensmanagement auseinandersetzten, im Wettbewerb zukünftig deutlich bessere Karten haben als jene Firmen, die die Fragen im Hinblick auf die Verwaltung des firmeninternen Wissens vernachlässigen.



Ein Beispiel für ein wissensorientiertes Unternehmen ist Microsoft. Wenn Microsofts Mitarbeiter morgen das Unternehmen verlassen würden, hätte Microsoft praktisch sein gesamtes Kapital verloren. Der Wert des Unternehmens, das so genannte intellektuelle Kapital, liegt dort fast ausschließlich in den Köpfen der Mitarbeiter.

Dies sind nur einige Gründe dafür, sich in Zukunft verstärkt mit dem Wissensmanagement auseinanderzusetzen. Das Wissensmanagement-Forum wird Ihnen dazu in Form von Beiträgen, Diskussionsforen, Expertengesprächen und vielem mehr die notwendigen Informationen und Hilfestellung bieten. Bei klassischen Printmedien wird am Ende solcher Begrüßungsworte gemeinhin "viel Spaß bei der Lektüre" gewünscht. Wir haben hier aber ein neues, interaktives Online-Medium - und deshalb wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Mitlesen, Mitdiskutieren und Mitmachen.

Dr.-Ing. Wolfgang Sturz ist Geschäftsführer der zur Transline Gruppe gehörenden Doculine Verlags-GmbH und Herausgeber von Fachbüchern für technische Redakteure sowie des Fachmagazins Wissensmanagement.

Kontakt: sturz@transline.net

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