Witterungsbedingter Anstieg
Analysten: Januar-Arbeitsmarktdaten ein Ausrutscher

Der Anstieg der Arbeitslosenzahlen im Januar ist nach Einschätzung von Analysten ein witterungsbedingter Ausrutscher. In den nächsten Monaten sei wieder mit weniger Arbeitslosen zu rechnen. Die Experten hatten im Durchschnitt einen Rückgang um saisonbereinigt 20 000 Personen prognostiziert, während die Bundesanstalt für Arbeit am Dienstag ein Plus von 7 000 auf 3,774 Mill. Arbeitslose bekannt gab.

Reuters FRANKFURT. Der Januar sei kälter als der Durchschnittswinter gewesen, den sie für ihre Saisonbereinigung unterstellt hatten, begründeten die sonst treffsicheren Experten ihren Irrtum.

Seit April vergangenen Jahres war die Arbeitslosigkeit kontinuierlich zurückgegangen. Im Oktober hatte die Quote mit 8,9 % sogar die Neun-Prozent-Marke unterschritten. Die Quote stieg im Januar der Bundesanstalt zufolge auf 10,0 nach 9,3 % im Dezember.

Arbeitlos gemeldet waren im Januar insgesamt 4,093 Mill. Menschen, also gut 300 000 Menschen mehr als der um Saisoneinflüsse bereinigte Wert aufweist. Dieser ist jedoch für die Finanzmärkte wichtig bei ihrer Konjunktureinschätzung und kann zum Beispiel ein Grund sein, Euro zu kaufen oder zu verkaufen. Aus Sicht der Finanzmärkte können Schwankungen der Arbeitslosenzahlen, die von saisonabhängigen Branchen wie dem Bau oder dem Tourismus ausgehen, bei der Einschätzung der tatsächlichen Wirtschaftslage vernachlässigt werden.

Der Schuldige ist das Wetter

Doch auch die Saisonbereinigung konnte nach Einschätzung von Analysten dieses Mal die Verzerrungen nicht ganz einebnen. "Die statistische Saisonbereinigung ist besonders für die Wintermonate schwierig", sagte Rudolf Möller von der Bundesanstalt für Arbeit. Dies liege an dem kurzen zu Grunde liegenden Vergleichszeitraum von drei Jahren. Dass der kalte Januar in diesem Jahr mit steigender saisonbereinigter Arbeitslosigkeit einher ging, liege daran, dass der Januar von 1998 bis 2000 immer sehr mild gewesen sei. Während in den Vorjahren also ungewöhnlich wenig Menschen arbeitslos waren, sind es nun ungewöhnlich viele gewesen. "Da bleibt immer ein unerklärter Rest, aus dem aber keine voreiligen Schlüsse gezogen werden sollten", sagte der Statistiker.

Das Wetter war auch aus Sicht der Volkswirte, deren Prognosen für den Arbeitsmarkt in der Regel zutreffend sind, schuld an dem unerwarteten Anstieg. Sie sehen deshalb noch kein Ende des positiven Trends am Arbeitsmarkt und rechnen in den kommenden Monaten wieder mit einem Rückgang der Erwerbslosenzahl. "Man sollte die Zahlen nicht überbewerten, da es gerade durch die Witterung zu Jahresbeginn erhebliche Verzerrungen gegeben hat. Wir sollten weitere Daten abwarten und nicht allzu pessimistisch denken", sagte Klaus Schrüfer von der BFG Bank. Auch Ulrike Kastens, Volkswirtin bei HSBC Trinkaus, ist weiter optimistisch. Der Anstieg im Januar sei ein Ausrutscher und signalisiere keine generelle Trendwende.

Nach Auffassung von Commerzbank-Volkswirt Christoph Hausen unterliegt die statistische Saisonbereinigung mehreren Unsicherheitsfaktoren. Neben dem statistischen Durchschnittswinter, der ungewöhnlich kalt oder mild sein kann, nennt er Gesetzesänderungen. Kurzarbeit oder Überstunden-Abbau im Bausektor in den Wintermonaten sei niemals genau zu berechnen. Außerdem gebe es technische Veränderungen gerade im Bausektor - so könne man mittlerweile im Winter auch bei klirrender Kälte bauen. "Nimmt man aber die Zahlen für Dezember und Januar zusammen, so ergibt sich ein durchschnittlicher Rückgang um 10 000, und das entspricht der grundlegenden Abwärtstendenz", sagte Hausen.

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