Wladimir Putin
Ein Wolf im grauen Pelz

Wladimir Putins Körpersprache beim Besuch in Wiesbaden ist eindeutig: Russlands Politik wird er auch in Zukunft bestimmen, und in seine Außenpolitik lässt er sich von niemandem reinreden. Auch nicht von Angela Merkel. Im Ton präsentiert sich der russische Präsident zwar als verlässlicher Partner, doch in der Sache bewegt er sich keinen Zentimeter.

WIESBADEN. Ella Pamfilowa, als Beraterin für Menschenrechte mehr geduldet als respektiert, bittet Putin, das NGO-Gesetz zu überprüfen. Die Registrierungspflicht behindere die Entwicklung der Zivilgesellschaft. Eine Forderung, die Merkel aufnimmt - und die Putin gleich beantwortet: Er sehe nicht, dass das neue Gesetz zu einer Katastrophe geführt hat. Aber wenn die Bürokratie zu groß geworden sei, werde er das prüfen lassen, bitte schön.

Putin tritt betont höflich und bescheiden auf. Sein Anzug ist grau, seine Antworten sind blass. Nur seine Hände verraten die Anspannung hinter der coolen Fassade: Unablässig falten sie die Tagesordnung, streichen die Kanten glatt, bis Putin sich selbst dabei ertappt und das Papier ins Jackett schiebt. Auf seine eigene Zukunft geht er nur indirekt ein. Im Dezember wird in Russland eine neue Duma gewählt, im März der Präsident. Putin darf laut Verfassung nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren, hat aber klargemacht, Premier werden zu wollen. Bei der Machtübergabe werde er sich "nicht nur an die Buchstaben, sondern auch den Geist der Verfassung" halten, sagt er. "Aber das heißt nicht, dass diejenigen, die derzeit an der Macht sind, kein Recht haben, sich an dem Leben in ihrem eigenen Land zu beteiligen." Habe nicht auch in Großbritannien gerade ein Machtwechsel ohne Wahl stattgefunden?

Merkel verzieht keine Miene. Auch sie lobt die Beziehungen über den grünen Klee, die außenpolitischen Streitpunkte von Iran über Kosovo bis hin zur Abrüstung streift sie kaum. Jegliche Kritik an den russischen Verhältnissen schluckt sie herunter. Ob Putin ihr denn beim Abendessen zu später Stunde verraten habe, wie seine persönlichen Pläne aussehen, wird sie gefragt. Ihre Antwort: "In diesem Punkt mache ich von meiner Fähigkeit Gebrauch zu warten."

Von der kühlen Distanz, die zuletzt Nicolas Sarkozy zu spüren bekam, ist Putins Verhalten gegenüber Merkel weit entfernt. Ohne Dolmetscher lässt sich leichter plaudern. Doch hatte Putin auch die Kanzlerin am Vortag warten lassen. Nicht nur eine Viertelstunde, wie Tags zuvor Condoleezza Rice, sondern fast drei Stunden.

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