WLAN-Technik soll Appetit auf Datendienste machen
Mobiles Internet wird billiger

Das Ziel ist klar: Die Umsätze der Mobilfunker mit dem mobilen Internet sollen steigen. Die Firmen fahren auf dem Weg dahin zweigleisig: Datendienste machen sie billiger und bauen WLAN-Netze für Internet via Funk.

slo HANNOVER. I-Mode bekommt eine zweite Chance: Nach einem enttäuschenden Start soll der mobile Internet-Dienst von E-Plus in diesem Jahr in Schwung kommen - mit Hilfe neuer Tarife, einer größeren Auswahl an I-Mode-fähigen Mobiltelefonen inklusive Kamera und mehr Inhalten. Das kündigten E-Plus und die niederländische Mutter KPN Mobile gestern auf der Cebit an. Ende dieses Jahres will das Unternehmen in Deutschland, Belgien und den Niederlanden insgesamt eine Million I-Mode-Kunden haben. Ende 2002 waren es knapp 240 000 Nutzer.

Auch die E-Plus-Konkurrenten Vodafone D2, T-Mobile und O2 forcieren mit niedrigeren Gebühren und neuen Inhalten, die sie gestern auf der Cebit vorstellten, die Verbreitung von mobilen Datendiensten - den künftigen Wachstumstreibern der Mobilfunknetzbetreiber. Denn die Umsätze mit Handy-Gesprächen stagnieren.

Dabei fahren die Mobilfunkbetreiber zweigleisig und investieren parallel dazu in die WLAN (Wireless Local Area Network)-Technik. Das Kürzel steht für schnurlose schnelle Internet-Zugänge über Funk - vorzugsweise in Hotel-Lobbies, an Flughäfen, in Restaurants und Bibliotheken. Diese Technik kann es in Sachen Tempo problemlos mit dem Mobilfunkstandard UMTS aufnehmen, der die mobile Datenübertragung künftig beschleunigen soll, und den die Mobilfunker voraussichtlich in der zweiten Hälfte dieses Jahres starten wollen. Die WLAN-Technik ist jedoch viel billiger. Julian Hewett, Analyst bei dem britischen Marktforscher Ovum, prophezeit: WLAN werde der heißeste Markt des Jahres 2003. Die Ausgaben dafür sind laut Gartner bereits im vergangenen Jahr um knapp 40 % gestiegen.

"Die Technik soll den Mobilfunkkunden Appetit auf Datendienste machen und unsere Datenumsätze schon vor dem UMTS-Start zumindest leicht steigern", sagte gestern ein Mobilfunkmanager. Offiziell beschreiben das die Unternehmen so: "Wir unterstützen jede Technik des Datentransports, die unsere Kunden mit Gewinn einsetzen können", sagte O2-Chef Rudi Gröger gestern.

Das Gros der Mobilfunker betont immer wieder, WLAN sei eine Ergänzung zu UMTS, keine Konkurrenz. Doch Experten gehen davon aus, dass die beiden Techniken sich kannibalisieren können und WLAN den Mobilfunkern etwa ein Fünftel und mehr ihrer ursprünglich geplanten UMTS-Datenumsätze streitig machen kann.

Bei den klassischen Handy-Datendiensten, die heute schon zur Verfügung stehen, stellte Vodafone gestern die um Fotos, Musik und Graphiken erweiterten Textnachrichten, kurz MMS genannt, in den Mittelpunkt. Bis Ende März werde das Unternehmen insgesamt eine halbe Million Mobiltelefone mit Kamera verkaufen, sagte Vodafone-D2-Chef Jürgen von Kuczkowski. Für alle, die MMS nicht nur von Handy zu Handy verschicken wollen, haben Vodafone und der kleinere Konkurrent O2 gestern die MMS-Postkarte vorgestellt: Die geht zunächst vom Handy zur Deutschen Post, wird dort ausgedruckt und vom Briefträger am nächsten Tag zugestellt.

Vodafone erwartet vor allem zu Weihnachten eine große Nachfrage nach den Kamerahandys. "Jedes zweite im Weihnachtsgeschäft verkaufte Mobiltelefon wird diese Funktion haben", sagte von Kuczkowski.

Marktbeobachter sind ähnlich optimistisch: MMS werde das Produkt des Jahres, sagen auch die Analysten von Gartner voraus. Denn inzwischen seien die Netzbetreiber dabei, einige Kinderkrankheiten dieses neuen Angebots zu kurieren. Beispielsweise hapert es beim Verschicken von MMS von einem Mobiltelefon zu dem Handy eines anderen Herstellers.

O2, der kleinste Mobilfunker in Deutschland, stellte gestern ein neues Produkt für das Herunterladen von Musik und Videoclips auf der Cebit vor. Das Gerät wird an ein Handy angeschlossen - "ein dynamischer Walkman", nannte es O2-Chef Rudi Gröger.

Ein weiterer Weg, um Kunden mobile Datendienste näherzubringen: Die mobilen Internet-Portale der Unternehmen wie T-Zones von T-Mobile beispielsweise sollen künftig einfacher abrufbar sein - die entsprechenden Geräte von Nokia, Samsung und Panosonic sollen im April auf den Markt kommen. Ein ähnliches Konzept haben E-Plus mit I-Mode und Vodafone mit "Vodafone live" vorgemacht.

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