WLAN-Technologie ermöglicht lokalen Internetzugang
Preiswerte Funknetze machen UMTS Konkurrenz

Wer künftig im Airport Club am Frankfurter Flughafen tagt, kann auf seinem Laptop die Nachrichtensender n-tv und N24 sehen.

HB DÜSSELDORF. Die Frankfurter Firma Synavion hat in dem noblen Konferenzzentrum von Deutscher Bank und Lufthansa ein so genanntes Wireless Local Area Network (WLAN) - ein lokales Funknetz - installiert, das den drahtlosen Zugang ins Internet bietet. "Ein Test", beschreibt der für die mobilen Angebote von Synavion zuständige Armin ten Hompel das Projekt.

Geht es nach den Prognosen der Analysten, sollen sich die lokalen Funknetze in den nächsten Jahren in Hotels, Cafes, Flughäfen und Bahnhöfen sowie in Unternehmen enorm verbreiten. Die Marktforscher von Analysys erwarten, dass sich die Zahl der Nutzer bis 2006 allein in Europa auf 20 Millionen erhöht - gut tausend Mal mehr als heute. Den künftigen Umsatz der WLAN-Anbieter schätzt Analysys optimistisch auf 3 Mrd. Euro.

Bisher haben etwa 100 000 Unternehmen WLAN-Technik in ihre Firmennetze eingebaut. Jetzt entdecken die Anbieter auch Privatleute als potenzielle Kunden. In manchen Filialen der Coffee-Shop-Kette Starbuck?s beispielsweise können die Kunden ins Internet, während sie ihren Café Latte schlürfen.

Auch in Deutschland gibt es erste Pilotprojekte. Im Terminal 1 des Münchner Flughafens kann der Reisende kostenlos ins Netz. Das Münchner Nobelhotel "Vier Jahreszeiten" bietet seinen Gästen zusammen mit der Firma Iobox, einer Tochter der spanischen Telefónica, für 29 Euro pro Tag in Lobby und Konferenzräumen die mobile Vernetzung.

An zentralen Plätzen mit vielen Besuchern könnte die lokale Technik nach Ansicht von Experten sogar Konkurrenz sein für den Mobilfunkstandard UMTS, der schnelleres Surfen per Handy ermöglichen soll: Analysys schätzt, dass 2006 ein Zehntel der Mobilfunkkunden WLAN-Dienste nutzen - die Mobilfunker würden 10 % ihrer Einnahmen aus Datendiensten verlieren. "Die UMTS-Netzbetreiber müssen auf diesen Zug aufspringen, bevor Konkurrenten ihnen das Geschäft untergraben", sagt Lars Godell, Telekom-Analyst bei Forrester Research.

WLAN hat Vorteile gegenüber UMTS: schnellere Datenübertragung, günstige Installation mit 1000 DM pro Zugangspunkt. Und vor allem: Die Technik ist bereits heute einsatzbereit.

WLAN als Ergänzung zu UMTS

Doch nur wenige Telekomkonzerne setzen auf diese Infrastruktur. Die finnische Sonera ist da eine Ausnahme. Das Unternehmen hat die Technik in sein Netz integriert. An 25 finnischen Flughäfen sollen mobile Funkdienste mit Nokia-Technik installiert werden. Matthias Brünen, Produktmanager bei Nokia, sieht im WLAN aber lediglich eine Ergänzung zu UMTS: "WLAN kann nicht in der Fläche eingesetzt werden und überträgt keine Sprache."

Ähnliches sagen auch die deutschen Mobilfunkanbieter wie Viag Interkom und D2 Vodafone. T-Mobil-Chef René Obermann hat jedoch schon im Sommer vorsorglich die Telekom-Regulierungsbehörde angemahnt zu verhindern, dass das UMTS-Geschäft durch WLAN untergraben wird. Die Mobilfunker stört vor allem, dass die WLAN-Frequenzen kostenlos sind, während für UMTS-Lizenzen jeder Anbieter mehr als 8 Mrd. Euro berappen musste.

In Deutschland, wo meist Spezialanbieter wie Iobox den Markt unter sich aufteilen, hat bisher nur der UMTS-Lizenznehmer Mobilcom angekündigt, auch WLAN anzubieten. Die zur Deutschen Telekom gehörende US-Mobilfunkgesellschaft Voicestream hat sich ebenfalls dafür entschieden: Voicestream will den insolventen WLAN-Anbieter Mobilestar übernehmen.

Ähnlich wie beim neuen Mobilfunkstandard UMTS erhoffen sich die Anbieter von WLAN die großen Gewinne nicht aus der Bereitstellung der Zugänge, sondern durch teure Zusatzdienste. So wird Synavion im Airport Club ab 2002 kostenpflichtige Dienste - etwa Spielfilme oder die Meldungen der Nachrichtenagentur Bloomberg - anbieten. "Ein Preismodell haben wir noch nicht, aber ein Film wird wohl etwa so teuer sein wie im Hotel", sagt ten Hompel. Noch im ersten Quartal 2002 soll ein weiterer deutscher Flughafen mit einem solchen Netz ausgerüstet werden. Betreiber ist ein Konsortium um Synavion, dem unter anderem die Hard- und Softwarefirmen Compaq, Cisco und Novell angehören sollen

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