WM-Fieber steigert Wettleidenschaft
Kritik an Oddset-Quoten

Oddset, Sportwettenanbieter der staatlichen Lotteriegesellschaften der Länder, bietet im Durchschnitt wesentlich schlechtere Gewinnquoten als die Konkurrenz. Darauf weist die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen nach einem Quotenvergleich mit in- und ausländischen Buchmachern hin.

dpa MÜNSTER. Taumelnde Favoriten und jubelnde Außenseiter - mit dem steigenden Fußballfieber während der Weltmeisterschaft wächst in Deutschland auch die Wettleidenschaft. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat indes die lotteriefreudigen Fußballfans zur Wachsamkeit ermahnt: Marktführer Oddset, organisiert von den staatlichen Lotteriegesellschaften der Länder, biete im Durchschnitt wesentlich schlechtere Gewinnquoten als ausländische Anbieter oder etwa der nationale Wettbewerber, Sportwetten Gera.

"Wir haben am 31. Mai den Weltmeister-Tipp auf alle 32 Teilnehmer- Teams untersucht", sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale. Mit der Quote von Oddset verglichen die Verbraucherschützer jeweils die Gewinnchancen bei vier österreichischen und einem britischen Buchmacher. Das Ergebnis: Oddset landete 31 mal unter "ferner liefen". Lediglich wer Russland als Weltmeister tippte, bekommt im Falle des Titelgewinns bei Oddset die beste Quote. Stattdessen brächte der WM-Titel für Senegals "Löwen" bei Oddset nur das 100fache das Einsatzes, während ein von Tryba als seriös eingestufter österreichischer Buchmacher das 250fache zahlt.

"Kunststück!" - Elmar Bamfaste von der Westdeutschen Lotteriegesellschaft (WestLotto) reagiert ironisch. Die staatlichen Anbieter hätten eine viel kleinere finanzielle Manövriermasse bei der Errechnung ihrer Quoten zur Verfügung. Sie müssten etwa in Nordrhein- Westfalen 13 Prozent Konzessionsabgabe ans Land zahlen und zusätzlich 16,66 Prozent Lotteriesteuer. Sportwetten Gera, durch eine Lücke im Einigungsvertrag als einziger nationaler Wettbewerber auf den deutschen Wettmarkt geschlüpft, zahle auf sein Angebot lediglich Mehrwertsteuer und sei so auch noch Vorsteuer-abzugsberechtigt.

Holger Frister, Sprecher des thüringischen Buchmachers bestätigt: "Wir haben eine Ausschüttung von 85 Prozent. Oddset liegt bei etwa 55 Prozent", sagt er. "Wir müssen uns mit unseren Quoten am internationalen Markt orientieren", beschreibt er die Problematik des vor allem im Internet ausgetragenen Konkurrenzkampfes. Dort tummelten sich durchaus auch Anbieter mit zweifelhaftem Ruf, die mit Dumping- Preisen auf den aus rein juristischer Sicht geschlossenen deutschen Markt drängten. Davor warnt auch Verbraucherschützer Tryba: "Unter den einschlägigen Adressen im Internet finden sich auch solche aus Gibraltar oder Antigua, wo es im Streitfall fast unmöglich wird, seinen Gewinn einzutreiben."

Bamfaste reklamiert für die staatlichen Buchmacher dagegen das moralische Moment. "Von jedem Euro, der bei uns eingesetzt wird, geht ein Teil in die Landeshaushalte und wird dort zum Beispiel für die Förderung des Breitensports verwandt", beteuert er. Die Verbraucherschützer quittieren im knallharten Wett-Geschäft dennoch eine "Niederlage für Oddset". Den Lottogesellschaften bleibt bei der WM der Buchmacher nur die Fair-Play-Trophäe.

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