WM-Finalisten stehen am Abgrund
Showdown in Gruppe C

Adieu Les Bleus, Arrivederci Italia - mindestens einem der wankenden Fußball-Giganten aus Frankreich und Italien droht das peinliche Vorrunden-Aus. Selbst ein Sieg in der Neuauflage des WM-Finales von 2006 und des EM-Endspiels von 2000 am Dienstag in Zürich (20.45 Uhr/ZDF) garantiert im Showdown der schweren Gruppe C noch kein Happy End.

HB ZÜRICH. Ohne die Schützenhilfe der bereits für die Runde der letzten acht Mannschaften qualifizierten Niederländer im Spiel gegen Rumänien wären alle Mühen vergebens. Die bedenkliche Ausgangslage veranlasste Bayern-Star Franck Ribéry zu martialischen Worten: "Wir sind noch nicht tot und fürchten niemanden. Das wird eine Schlacht." Wie Ribéry erwartet auch Frankreichs Coach Raymond Domenech ein großes Spektakel: "Dieses Spiel hat alle Zutaten für ein echtes Drama." Brisanter hätte das Duell der beiden befreundeten Vereinskollegen Ribéry und Luca Toni kaum sein können. Anders als den Franzosen (1 Punkt), die auf jeden Fall gewinnen müssen, könnte den Italienern (1) im Falle einer Niederlage der Rumänen (2) bereits ein Unentschieden reichen, um das Unheil noch abzuwenden. Allerdings gelang es seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel im Jahr 1995 noch keinem Team, mit zwei Zählern die Vorrunde zu überstehen.

Das naheliegende Vorhaben der Niederländer, einige Spieler gegen Rumänien zu schonen, sorgte vor allem in Italien für mediale Spekulationen über eine mögliche Wettbewerbsverzerrung. "Holland, bleib ehrlich!", bettelte deshalb die Zeitung "Tuttosport".

Zu frisch sind die Erinnerungen an die vorige EM in Portugal, als die Schweden und Dänen beim 2:2 nach Meinung der Tifosi einen "Wikinger- Komplott" geschmiedet und die ungeschlagene "Squadra Azzurra" vorzeitig nach Hause geschickt hatte.

Ein ähnliches Szenario hält Trainer Roberto Donadoni jedoch für unwahrscheinlich: "Selbst wenn die Holländer ihre Stars schonen, wird sich die zweite Garde beweisen wollen. Keiner geht auf den Platz, um zu verlieren." Und auch Verbandspräsident Giancarlo Abete mochte kein weiteres Öl ins Feuer gießen: "Momentan will ich an das Gute im Sport glauben. Doch sollten bestimmte Dinge eintreten, muss man sich über den Modus Gedanken machen." Sowohl Donadoni als auch Domenech stehen mächtig unter Druck.

Beide werden in ihrer Heimat für den bisher dürftigen EM-Verlauf mit unerwartet deutlichen Schlappen gegen die Niederländer und je einem mageren Unentschieden gegen Rumänien verantwortlich gemacht. Im Falle eines Scheiterns dürften ihre Tage im Traineramt gezählt sein.

Angreifer Toni hofft auf einen Verbleib von Donadoni und die sportliche Wiederauferstehung der zuletzt gescholtenen "Squadra Azzurra": "Ich glaube fest an den Einzug ins Viertelfinale." Mitspieler Daniele De Rossi stieß ins gleiche Horn: "Wir sind die Weltmeister." Nicht nur bei den Italiener droht einigen in die Jahre gekommenen Profis ein unwürdiger Abschied von der internationalen Bühne. Gut möglich, dass sich EM-Rekordspieler Lilian Thuram und der schon beim FC Bayern zum Ersatzspieler degradierte Willy Sagnol im traditionsreichen Aufeinandertreffen mit einem Platz auf der Bank begnügen müssen. Nach dem 1:4 gegen das Oranje-Team, das die Schwächen der als Prunkstück gepriesenen Abwehr schonungslos aufdeckte, forderten die französischen Medien einen umfassenden Umbau der Defensive. Torhüter Gregory Coupet appellierte an den Stolz seiner Mitspieler: "Wir müssen jetzt das wahre Gesicht der französischen Nationalmannschaft zeigen."

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