WM-Krone erhält Kratzer
Historischer Reinfall am „Nationalfeiertag“

Die Party des Fußball-Weltmeisters wurde zum historischen Reinfall. Brasiliens Nationalelf blamierte sich am "Nationalfeiertag" zum Gewinn des fünften WM-Titels wie selten zuvor - und bis auf die Knochen.

HB/dpa FORTALEZA. "Wir sind noch glimpflich davon gekommen, Paraguay hätte höher gewinnen können", erkannte Ex-Nationalspieler Casagrande als Co-Kommentator des TV-Senders "Globo" nach der 0:1 (0:1)-Heimpleite gegen den Nachbarn. Die meisten Spieler seien 52 Tage nach dem Finalsieg über Deutschland (2:0) völlig außer Form.

Vor 50 000 enttäuschten Zuschauern erzielte Stürmer Nelson Cuevas mit einem schönen Distanzschuss (29. Minute) das einzige Tor - und verdarb so auch den Abschied für Weltmeister-Coach Luiz Felipe Scolari, der nach "einigen Monaten Urlaub" ein europäisches Team trainieren will. "Ich kann den Spielern doch keinen Vorwurf machen, das war doch ein Festspiel", spielte Scolari die Schlappe herunter. Für die meisten Brasilianer war sie aber doch schwer zu verdauen. "Können unsere Jungs denn nur bei der WM spielen?", fragte etwa die Sprecherin der brasilianischen "Tagesschau", Ana Padrao.

Wie blamabel das Resultat ist, zeigt die Statistik. Es war die erste Niederlage Brasiliens gegen Paraguay seit mehr als 50 Jahren. Zudem ging für die "Selecao" eine Serie von 15 unbesiegten Spielen zu Ende: Zuletzt war man im November 2001 beim 1:3 in Bolivien als Verlierer vom Feld gegangen. Es war die erste Heimpleite seit dem 0:1 gegen den Erzrivalen Argentinien im April 1998. Zahlreiche Fans in Fortaleza pfiffen am Ende ihre Helden aus, statt sie zu umjubeln

.

Dabei kamen bei Brasilien bis auf die verletzten Lucio (Bayer 04 Leverkusen) sowie Juninho Paulista und Roque Junior alle WM-Spieler und der kurz vor WM-Beginn verletzt ausgefallene Emerson zum Einsatz. Das Starduo Ronaldo/Rivaldo setzte kaum Akzente und auch Stürmer Luizao (Hertha BSC) enttäuschte nach seiner Einwechslung für Ronaldo.

Die Gastgeber hatten nur eine gute Torchance. Kleberson scheiterte mit einem Weitschuss am guten Keeper Tavarelli (27.). Paraguay, das ohne die Top-Stars Santa Cruz, Chilavert, Gamarra und Arce antrat, war besser und stand vor einem höheren Erfolg. "Die hätten sich eine schwächeren Gegner für die Party holen müssen", frotzelte Stopper Celso Ayala. "Brasilien wird noch viel zulegen müssen, um zu verhindern, dass der fünfte WM-Titel Kratzer bekommt", schrieb die Nachrichtenagentur der Zeitung "Estado". Und der neue Trainer tritt ein schweres Erbe. Nach Angaben des Nationalverbandes CBF soll der Scolari-Nachfolger allerdings "nicht vor Jahresende" bestimmt werden.

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