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WM ohne Deisler

Ein Schaden, der eigentlich behoben schien, stürzte Sebastian Deisler erneut in ein Tal der Leiden und kostete den deutschen Hoffnungsträger die WM-Teilnahme.

dpa BERLIN. Die rechte Kniescheibe der Nation, von Prominentenarzt Richard Steadman in Vail (Colorado) im Oktober 2001 durch eine Operation fixiert und "festgenäht", wie es Deisler selbst ausdrückte, schmerzte nach einem eher harmlosen Zweikampf erneut heftig. Zwar bestätigte eine Computertomographie, dass sich Deisler im letzten WM-Test gegen Österreich nichts gerissen hatte. Der Rückschlag nach Monaten voller gesundheitlicher und psychischer Probleme brachte dennoch das Aus.

"Ich bin wahnsinnig enttäuscht, aber es ist nicht zu ändern", kommentierte der 22-jährige Deisler das Aus. "Ich wünsche jetzt der Mannschaft eine erfolgreiche WM." In seinem Kniegelenk hatte sich ein Bluterguss gebildet, das Knie musste punktiert werden. Am (morgigen) Dienstag fliegt Deisler zur weiteren Behandlung nach Vail in die USA, wo wahrscheinlich eine Arthroskopie vorgenommen wird.

16 verschieden kleine und größere Blessuren musste der Jung-Profi in seiner jungen Karriere bereits überstehen: Kreuzband, Meniskus, Innenband, Leistenprobleme, Beckenschiefstand, Muskelfaserrisse, Kapsel - alles war schon dabei. "Zuerst geht es um meine Gesundheit. Ich will zur WM - aber nicht um jeden Preis", machte Deisler deshalb zeitig zu seinem Motto.

Erst 152 Tage nach seiner Knie-Verletzung aus dem Spiel beim Hamburger SV im Oktober 2001 kehrte Deisler auf den Trainingsplatz zurück. Eigentlich hatten die Verantwortlichen nach der Operation in den USA eine wesentliche kürzere Genesungszeit prophezeit. Ein Riss im Adduktorenbereich brachte die WM-Teilnahme schon in ärgste Gefahr, doch der Mittelfeldmann kämpfte sich noch einmal heran.

Völler berief den Rekonvaleszenten in seinen WM-Kader, stellte ihn gegen Kuwait, Wales und Österreich in die Startformation. Deisler schien auf gutem Weg. Bis zu jener 19. Minute in der Partie gegen Österreich. "Die Verletzungen sind auch Kopfsache. Deisler muss mit hohen Erwartungen der Öffentlichkeit klarkommen. Es wollte vielleicht schon zu viel und es allen zeigen", beschrieb Herthas Teamarzt Ulrich Schleicher schon vor einigen Wochen das Problem.

Nicht nur Völler macht sich inzwischen große Sorgen um die Gesundheit des Neu-Münchners: "Ich hoffe, dass er schnell wieder fit wird." Auch der FC Bayern, der sich für rund neun Mill. ? ab 1. Juli seine Dienste gesichert hat, zittert inzwischen. In drei Jahren Hertha kam Deisler gerade in 56 Bundesliga-Spiele zum Zuge, nur rund die Hälfte des Möglichen. Dazu bestritt er 15 ?pacup-Partien und drei DFB-Pokal-Spiele. In der Nationalelf wurde Deisler seit seinem Debüt im Februar 2000 in Amsterdam gegen die Niederlande 19 Mal eingesetzt. Die "Biberburg", das Reha-Zentrum des Hauptstadtclubs, kannte der einstige Gladbacher fast besser als das Olympiastadion. Und das Leiden hat kein Ende.

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