WM-Organisationskomitee weist Vorwurf zurück
Kirch soll Stimmen für WM 2006 gekauft haben

Fußball-"Kaiser" Franz Beckenbauer soll die Weltmeisterschaft 2006 auch dank finanzieller Unterstützung von Leo Kirch und Freundschaftsspielen des FC Bayern München nach Deutschland geholt haben.

HB/dpa MÜNCHEN. Das inzwischen insolvente Medien-Imperium des Münchner Unternehmers, das sich von einer Vergabe der Weltmeisterschaft an Deutschland finanzielle Vorteile aus der Vermarktung der TV-Rechte versprach, soll bei der knapp gewonnenen Wahl gegen Südafrika nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" mit bis zu 3,5 Millionen Dollar nachgeholfen haben.

Kirch soll angeblich mit Offerten gegenüber den Verbänden aus Malta, Tunesien, Thailand und Trinidad deren Stimmen für die FIFA - Entscheidung über den WM-Austragungsort im Juli 2000 in Zürich "geködert" haben. Im entscheidenden Wahlgang hatte sich Deutschland vor knapp drei Jahren mit 12:11 Stimmen gegen Südafrika durchgesetzt.

Das WM-Organisationskomitee (OK) wies den Vorwurf zurück, bei der Bewerbung um die WM-Endrunde unsaubere Mittel eingesetzt zu haben. "Es gibt klare Regeln, an die man sich halten muss und an die wir uns gehalten haben", sagte Vizepräsident Radmann der "Bild am Sonntag": "Für so eine Operation braucht man viele Freunde, Verbündete und auch Allianzen. Doch wer mit dicken Kuverts herummarschiert, hat schon verloren."

Die "SZ" hatte am Samstag Vorwürfe veröffentlicht: "Nach Informationen aus seinem (Kirch) einstigen Unternehmen wurden bis zu 3,5 Millionen Dollar eingeplant, um das Wunschresultat zu befördern." Und weiter: "Kirch, der 1996 bereits die TV-Rechte für die WM gekauft hatte, wusste: Ein Votum für Deutschland ist pures Geld wert." Laut "Manager-Magazin" habe Kirch bei der WM im eigenen Land angeblich mit einem Gewinn in Höhe von 500 Millionen Schweizer Franken gerechnet.

In diesem Zusammenhang sei auch die Schweizer Rechteagentur CWL aktiv geworden. "Es gab damals den Wunsch nach Freundschaftsspielen mit dem FC Bayern. Wir haben den FC Bayern für Spiele in Malta, Tunesien und Thailand verpflichtet sowie die Übertragungsrechte eingekauft und verkauft - ein ganz normales Agenturgeschäft", wurde Günter Netzer als CWL-Manager in der "SZ" zitiert: Die Beträge seien an die gastgebenden Verbände gezahlt worden, nicht an Mitglieder der FIFA-Exekutive: "Alles sauber abgewickelt", betonte Netzer.

Radmann beklagte, dass man sich trotz Einhaltung der Regeln nun mit Vorwürfen auseinander setzen müsse. "Wir sollen uns unbotmäßig Vorteile verschafft haben, z.B. durch Freundschaftsspiele mit Bayern oder der Nationalmannschaft in anderen Ländern, um die Entscheidungsträger positiv zu stimmen. Dabei ist so etwas international üblich." OK-Chef Beckenbauer sprach den Kritikern Sachverstand ab. "Wer meint, dass man mit Freundschaftsspielen eine WM bekommt, hat keine Ahnung", sagte er der "BamS".

Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß bezeichnete die Vorwürfe als lächerlich. "Wir haben in Asien Freundschaftsspiele gemacht. Die CWL hatte für fünf Spiele angefragt, und wir haben drei bestritten", berichtete Hoeneß am Samstag. Für jedes Spiel habe der Verein 200 000 Mark bekommen, das sei der damals übliche Preis gewesen. "Wir Deutschen sind einmalig. Wir wollen die WM, und dann schießen wir uns selbst ins Bein", schimpfte Hoeneß.

Ähnlich wie die "SZ" vermutet auch das "Manager-Magazin", dass vor der Wahl im Sommer 2000 nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei. "Bei drei der fünf Verträge hatten Männer ihre Finger im Spiel, deren Stimmen in Zürich viel Geld wert waren", schreibt die Zeitschrift. CWL habe Verträge mit Funktionären abgeschlossen, die im Weltverband FIFA in der Exekutive tätig sind und bei der Wahl in Zürich Stimmrecht hatten. Zudem seien die Gelder aus einigen Verträgen nicht direkt an die Verbände, sondern auf Treuhandkonten überwiesen worden, berichtete das Magazin.

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