WM-Reporter schicken ihre Fotos via Funknetz um die Welt
Tore sind Sekunden später im Internet zu sehen

Die Fußballweltmeisterschaft in Japan und Südkorea wird nicht nur zur Nagelprobe für die deutschen Kicker. Auf dem Prüfstand stehen auch neue Netzwerktechniken, über die Sportreporter und Fotografen mit ihren Redaktionen verbunden sind. Bilder und Berichte werden über das Internet rasend schnell rund um den Globus verteilt.

DÜSSELDORF. Bei der bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft wird das Internet für viele Fans in Deutschland zur wichtigsten Informationsquelle. Durch die Zeitverschiebung sitzen die meisten von ihnen am Arbeitsplatz, wenn in Südkorea oder Japan die Tore fallen. Das weltweite Datennetz wird dafür sorgen, dass die fiebernden Anhänger zu Hause nichts verpassen - sie werden mit Tickermeldungen, Spielberichten und Bildern am Computer versorgt. Für den blitzschnellen Transfer vom Rasen zum Redaktionsrechner werden modernste Kommunikationstechniken eingesetzt, die auf Funk und festen Datennetzen beruhen. Klappt die Premiere, wäre das auch richtungweisend für die Harmonisierung der Kommunikationsstandards weltweit.

Um Sprache und Daten zügig rund um die Welt schicken zu können, setzen die WM-Techniker auf die schnelle Funkübertragung Wireless-LAN und haben mehr als zwei Millionen Meter an Netzwerkkabeln verlegt, um eines der größten Datennetze aufzubauen. Damit stehen Journalisten, Fifa-Vertretern, Schiedsrichtern, Spielern und Helfern gleichzeitig über 40 000 Datenleitungen zur Verfügung. Zudem sind an mehr als 200 Stellen Zugangspunkte zum W-LAN-Netz - so genannte Hotspots - errichtet worden, über die sich die Nutzer ohne zusätzliches Handy in drahtlose Dienste einwählen können.

Stadien über WLAN vernetzt

Die Kommunikationstechnik wurde vom Netzwerkspezialist Avaya installiert. Das Unternehmen aus Basking Ridge im US-Bundesstaat New Jersey hat sich als Sponsor der WM den prestigeträchtigen Fifa-Auftrag gesichert vor Wettbewerbern wie Siemens, Alcatel oder Nortel. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob es Avaya gelingt diese Profilierungschance zu nutzen. Immerhin steht der Weltfußballverband bei diesem Großereignis vor Problemen, die bei noch keinem Turnier so gravierend waren.

Vieles wird erschwert durch die Aufteilung der Spielorte auf zwei Ausrichterstaaten. Korea und Japan sind nicht nur durch eine breite Wasserstraße des Pazifischen Ozeans getrennt. "Gravierend sind neben kulturellen Unterschieden abweichende technische Standards bei der Kommunikationsinfrastruktur", erläutert Avaya-Projektmanager Doug Gardner. So nutzt beispielsweise der japanische Telekomdienstleister NTT einen anderen Übertragungsstandard als die Korean Telekom.

Veranstalter und Sporter telefonieren via Internet

Analyst Zeus Kerravala von der Yankee Group sieht in der WM einen wichtigen Test für die geplante Internettelefonie und das Angebot von Wireless LAN in öffentlichen Räumen. Die Weltmeisterschaft könnte Erkenntnisse liefern, um das Einrichten von Hotspots an Flughäfen, Bahnhöfen und Messen zu optimieren.

Erstmals setzt der Technikchef der Fifa, Gerard Gouillou, auf ein WM-Kommunikationsnetz, in dem Daten und Sprachen in der Struktur des Internetprotokolls übertragen werden. Funktionäre oder Reporter werden die "Voice over IP"-Technik nutzen, um zu telefonieren oder ihre Berichte zu senden. Dabei werden Gespräche digitalisiert und in Datenpakete verpackt, bevor sie über das Internet verschickt werden. Diese Technik ist zwar schon seit einigen Jahren im Gespräch. Bisher stand jedoch die schlechte Tonqualität im Vergleich zu herkömmlichen Telefonaten einer größeren Verbreitung entgegen.

Als zweite neue Technik stehen bei der Fußball-WM lokale Funknetze (Wireless LAN) in bisher ungekannter Dichte auf dem Prüfstand. Jedes WM-Stadion wurde mit einem Einwahlknoten ins drahtlose Internet ausgestattet. Die 12 000 Medienvertreter können über das Wireless LAN mit höheren Bandbreiten als über Mobilfunk Daten versenden oder Informationen aus dem Netz ziehen, wenn sie sich in einem der so genannten 200 Hotspots befinden. Funktionäre werden über die drahtlosen Netze die Akkreditierung abwickeln, Termine planen, Materialbestände überwachen oder Transporte organisieren. Fotoreporter können ihre Bilder vom Rasen in Sekundenschnelle von ihren Bild-Laptops digital in die Heimatredaktionen versenden. Angesichts der unterschiedlichen Zeitzonen ein beachtlicher Fortschritt. Nur das direkte Senden aus den Speichern der digitalen Kameras ist bei dieser WM noch nicht geplant, da diese Verbindungen noch nicht durch einen einheitlichen Standard abgesichert sind.

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