WM-Start mit Pannen
Goldener Auftakt durch Anni Friesinger

Erst küsste sie ihren Trainer, dann den Manager: Anni Friesinger wollte nach dem goldenen Auftakt der Einzelstrecken-Weltmeisterschaften der Eisschnellläufer in Berlin am liebsten die ganze Welt umarmen. Auf ihrer "Schokoladenstrecke" über 1500 m hatte sie in 1:57,43 Minuten die komplette Weltelite um fast zwei Sekunden deklassiert und ihren dritten WM-Titel nach 1998 und 2001 erkämpft.

HB/dpa BERLIN. Die ersten Goldmdaillen bei den Herren gingen an den Kanadier Jeremy Wotherspoon über 500 m und den Niederländer Jochem Uytdehaage über 5000 m. "Das war einfach geil, ich bin so happy", entfuhr es der alten und neuen Weltmeisterin, die in der Hauptstadt auch von einer Fan-Kolonie aus Bayern angefeuert worden war. Für das mit Spannung erwartete 3000-m-Duell am Samstag gegen die große Rivalin Claudia Pechstein gab sie gleich das Motto aus: "Jetzt habe ich nichts mehr zu verlieren."

Die als Mit-Favoritin gehandelte Allround-Weltmeisterin Cindy Klassen (Kanada), die in der Vorwoche noch souverän den Weltcup geholt hatte, enttäuschte als Zehnte. WM-Silber ging an die wieder erstarkte Japanerin Maik Tabata (1:59,30) vor Jennifer Rodriguez (USA/1:59,31). "Ich bin überrascht über diesen Vorsprung, daran hatte ich nicht zu hoffen gewagt. Aber endlich habe ich mal Glück gehabt", meinte eine strahlende Friesinger. Daniela Anschütz (Erfurt) als Siebte und Katrin Kalex (Berlin) als Achte liefen klar in die Top Ten.

Schon unmittelbar nach ihrem Lauf hatte Anni Friesinger ihren Gefühlen freien Lauf gelassen und - obwohl Klassen und Rodriguez noch unterwegs waren - ein Siegerfähnchen aus Bayern geschwenkt. Teamarzt Volker Smasal atmete befreit durch. Muskuläre Verspannungen hatten die Inzellerin noch in der Vorwoche an einem Start im 1000-m-Weltcup- Finale gehindert. "Diese Zipperlein musste ich einfach verdrängen. Ich habe auf die Zähne gebissen", sagte "Gold-Anni". Der Titel bedeutet für sie die Krönung einer Saison, die nach Knieoperation und zwei schweren Magen-Darm-Infekten nie den optimalen Verlauf genommen hatte. "Das ist ein Trostpflaster für die schweren Momente und verlorenen Rennen der Saison", jubelte die Weltmeisterin.

Der Start zum ersten Einzelstrecken-Championats in Deutschland war durch Pannen bei der elektronischen Zeitmessung getrübt worden. Immer wieder erschienen beim ersten 500-m-Rennen der Herren falsche Zeiten auf der Anzeigetafel, mehrere Unterbrechungen zogen das Programm in die Länge. Die Organisatoren begründeten die Unregelmäßigkeiten mit Problemen der neuen Laser-Anlage, die mehrfach durch das ungewöhnlich große Blitzlichtgewitter der Fotografen ausgelöst worden sei. Obwohl die Halle seit zwei Monaten als ausverkauft galt, blieben auch zahlreiche Plätze frei, so dass nur etwa 3000 statt der erhofften 4000 Fans live dabei waren.

Auf der Sprint-Distanz stellte der Kanadier Jeremy Wotherspoon, der in dieser Saison alle wichtigen Rennen gewonnen hatte, jedoch in der Vorwoche über Rückenprobleme klagte, alte Klasse unter Beweis. Er durchbrach erstmals die Phalanx der Japaner, die seit Einführung der WM 1996 stets den Sieger gestellt hatten. In 35,12 und 34,85 Sekunden lief der viermalige Titelträger im Sprint-Vierkampf nicht nur neue Bahnrekorde, sondern auch die schnellsten je in Deutschland erzielten Zeiten.

Der fünfmalige Titelträger Hiroyasu Shimizu aus Japan (35,19/35,17) musste sich mit Rang 2 begnügen. Michael Künzel (Berlin/16.) und Andreas Behr (Erfurt/19.) hatten mit dem Ausgang der Entscheidung ebenso wenig zu tun wie das durchweg enttäuschende deutsche Trio auf der 5000-m-Distanz. Olympiasieger Uytdehaage (Bahnrekord in 6:25,29 Minuten) krönte vor Bob de Jong und Carl Verheijen den Supererfolg der Niederländer und unterstrich mit dem siebten Titel beim siebten Championat die Dominanz der Oranjes auf dieser Strecke.

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