WM-Vorbereitung
Chinas Drei-Schritte-Plan: Ein Tor, ein Remis und ein Sieg

"Nehmt Fußball nicht so ernst, habt Spaß beim Spiel", hat der Chinesische Nationaltrainer seinen Spielern bei seinem Dienstantritt gesagt. Die Vorbereitungsspiele liefen indes alles andere als gut.

dpa SCHANGHAI. Kong Jie springt schon wieder auf. Nicht, dass auf dem Spielfeld wirklich etwas passiert wäre. Der Schiedsrichter hat bloß Freistoß gepfiffen für China, indirekt, halb links, etwa 30 Meter noch zum gegnerischen Tor. Immerhin, eine gute Flankenposition. Doch Chinas Nummer 16 schlägt den Ball unerreichbar für die Stürmer ins Aus. «Habe ich mir doch gedacht», meckert Kong und sinkt in den harten Plastiksitz im Schanghaier Stadion zurück.

Chinas Fußballfans springen oft auf. Bei jedem halbwegs gelungenen Pass in die Spitze, jeder Flanke, jedem Eckball oder Freistoß ihrer Elf reißt es sie voller Hoffnung in die Höhe. Doch das Nationalteam, das nach 44 Jahren erfolgloser Mühen endlich dabei sein wird bei den Titelkämpfen in Südkorea und Japan, verliert wenige Tage nach einer 0:2-Heimschlappe gegen Uruguay auch das Testspiel gegen Hollands Spitzenclub PSV Eindhoven mit 0:1. Am kommenden Wochenende steht das nächste Match zur WM-Vorbereitung gegen Portugal an. «Da werden wir 0:3 oder 0:4 untergehen», prophezeit Kong düster.

Die Stimmung ist nicht gut bei Chinas Fußballfreunden. Als die Mannen von Trainer Bora Milutinovic im Oktober mit einem glanzlosen, aber historischen 1:0-Sieg gegen Oman die WM-Teilnahme unter Dach und Fach brachten, schwebte die Nation noch im siebten Fußballhimmel. Doch kurz vor der WM-Premiere am 4. Juni gegen Costa Rica ist die Euphorie einer nüchternen Einschätzung der eigenen Chancen gewichen.

Natürlich, stolz sind die fußballverrückten Chinesen darauf, dass ihre Elf in der Vorrunden-Gruppe C auch noch gegen die Türkei und das große Brasilien antreten wird. «Aber das werden drei Niederlagen in drei Spielen», unkt Ling Yiping, der den Pessimismus seines Arbeitskollegen Kong teilt. «Die werden noch nicht einmal ein Tor schießen bei der WM», meint ein anderer Fan aus der Menge.

Doch Kong und Ling und Millionen von Chinesen hoffen insgeheim, dass «Milu» es noch richten wird. «Wundertrainer» nennen sie ihn im Reich der Mitte, weil er die Nationalelf, die unter dem Deutschen Klaus Schlappner oder dem Briten Bobby Houghton stets in der Qualifikation gescheitert war, an das Ziel der Fußballträume gebracht hat. «Milu» soll dafür sorgen, dass China als zunehmend wichtiger Akteur auf der politischen Weltbühne auch beim globalen Fußballfest nicht das Gesicht verliert.

«Nehmt Fußball nicht so ernst, habt Spaß beim Spiel», hat «Milu» bei seinem Dienstantritt vor zwei Jahren Mannschaft und Fans gesagt. «Milu fahr nach Hause», haben die Zuschauer in den Stadien gesungen und die Kommentatoren in den Zeitungen geschrieben, wenn sie nach einer Niederlage Chinas die nationale Ehre verletzt sahen. Er werde von der Großen Mauer springen, wenn es mit der WM-Qualifikation nicht klappe, entgegnete der Fußball-Weltenbummler den Kritikern. «Onkel Mi» wird der 57-jährige jetzt auch voller Ehrfurcht genannt.

China gehöre nun zu den besten 32 Mannschaften der Welt und sollte die WM einfach genießen, hat «Milu» als Parole ausgegeben. Das klinge ein wenig zu entspannt, meinen die Fußballfans Kong und Ling sorgenvoll. «China muss gewinnen» und «Kämpfen für das Vaterland» steht auf Stirnbändern und Schals vieler Schlachtenbummler. Chinas Fußballverband hat für das WM-Debüt der Nationalkicker einen «Drei- Schritte-Plan» verkündet: ein Tor, ein Remis und ein Sieg in der Vorrunde.»

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